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3 (1842)
Entstehung
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ritter gestiftete rheinische Städtebund die Burg zer-störte. Philipp von H ohenfels stellte sie wiederher, und die Burgmannen wiederholten ihre Raub-anfälle. Dieses bewog den Abt 1270 Reichensteinmit allen Besitzungen an das Kollegiatstift St. Ma-ria zu den Stiegen in Mainz zu verkaufen, wor-auf Philipp von Hohenfels 1271 die Lehns-herrschaft des Erzbischofs anerkannte und ihm hul-digte. Nichts desto weniger setzte die Burgmann-schaft ihre Plackereien und Wegelagerung fort, weß-halb sie Kaiser Rudolf von Habsburg 1282 aber-mals zerstörte, und die Vurgmannen, unter denen sichmehre Adlige befanden, ohne Ansehen der Person,enthaupten ließ. Darauf erbaueten, wie man er-zählt, die Verwandten der Enthaupteten, zur Sühnederselben, die Clemens.- Kirche. Die Herrenvon Hohenfels überließen hierauf ibre Ansprüchean die Burg den Pfalzgrafen Rudolf und Lud-wig, welche sie wieder aufbaueten und herstellten;allein schon 1313 traten sie ihre Rechte an denErzbischof Peter von Mainz ab. Der DompropstKuno von Falkenstein erhielt 1354 Reichenstein,Klopp und Ehrenfels, mit dem Striche Landes vonVingen bis unterhalb Niederheimbach zum Pfand-besitz, den er aber wieder aufgab, als er Erzbischofvon Trier ward. Kurmainz blieb nun im ungestör-ten Besitze der Burg, die später verfiel und durchdie Franzosen 1638 vollends zerstört wurde. Seit1772 erlaubte der Kurfürst einigen Einwohnernvon Trechtinghausen den Schloßberg mit Wein zubepflanzen, welcher in den alten Burgmauern treff-lich fortkam. Als die Franzosen sich des linkenRheinufers bemächtigten, wurden diese LeuteEigenthümer des Anbaues und ihre Nachkommenverkauften ihn mit den angränzenden Weingärtendem königl. preußischen Obersten von Barfuß, des-sen Vorfahren, aus Köln am Rhein stammend, wosie einst Schöppenstellen bekleideten, unter Al-brecht dem Bären die brandenburgischen Mar-ken von den Wenden erobern halfen.

V3 ittenb erg,

einst Haupt-, Kur- und Residenzstadt von Sach-sen ascanischen und meißnisch ernestinischen Stam-mes, Sitz einer Universität und Wiege der Refor-mation, auch bis 1764 eine wichtige Festung, imKur-, seit 180? wittenberger Kreise, jetzt Kreisstadtund Festung 2. Klaffe im Regierungsbezirk Merse-burg, Provinz (Herzogthum) Sachsen, liegt 236 Fußüber der Nordsee, ^Stunde vom rechten Ufer derElbe, über welche eine 1000 Fuß lange, 25 Fußbreite, auf 11 Pfeilern ruhende, hölzerne Brückeführt, die durch einen starken Brückenkopf und dieFestungswerke gedeckt wird, hat 2 neue Vorstädte,3 Thore, 1 Citadelle, 1 Marktplatz und 3 Kirchen,und zählt in 579 Häusern 8400 Einwohner. Außerdem Stadtralhe befinden sich hier 1 Kommandantur,1 Landgericht 1. Klaffe, 1 Landrathamt, 1 Superin-tendur, 1 Inquisitoriat, 1 Rentamt, 1 Postamt ic.Unterrichts- und Wohlthätigkeicsanstalten sind: 1Prediger-Seminar, 1 Gymnasium, 1 Hebammenin-stitut, Bürger und Elementarschulen, 1 Sonntags-schule für Lehrlinge und Gesellen, 1 Spital, 1Sparkasse, 1 Krankenhaus mit Arbeitsanstalt :c.

Nächst den gewöhnlichen Gewerben treiben die Ein-wohner besonders Tuchmacherei, Leinweberei, Braue-rei, Gerberei, Färberei, Fischerei, Holzhandel, Gar«ten- und Feldbau. Auch hält man drei Jahrmärkte.Die Stadt ist unregelmäßig gebaut und dehnt sichmehr in die Länge aus; sie hat nur 2 Hauptgaffen,vom Markte unterbrochen, und 2 Bäche, die frischeund faule Bach, wie man hier sagt, durchstießendieselbe in ihrer ganzen Länge, vereinigen sich jedoch,nicht weit von der Citadelle, und treiben hier aucheine große Mühle von 6 Gängen. Die meistenHauser sind von Holz und mit Giebeldächern. Un-ter den öffentlichen Gebäuden sind bemerkenswert!):Die Marien- oder Stadtkirche, mit 2Thürmen, welche durch eine Brücke verbunden sind,und eine angenehme Aussicht auf die Stadt undUmgegend gewähren, hat Altargemälde von LukasKranach, ein kunstreiches, ehernes Taufbecken vonPeter Bischer in Nürnberg, ein Alabaster-Denk-mal des j. L. Kran ach, die Grablegung Christi,von unbekanntem Meister:c.; ihr Inneres ist ein-fach und das Gewölbe des Schiffs ruht auf 9 Pfei-lern. Sie ward zuerst 1182 erbauet, später aber,besonders 1412, 1556 und 1570 erweitert und ver-schönert. Kurfürst Johann Friedrich ließ 1546die beiden gothischen, pyramidenförmigen Spitzthürmeabtragen, an deren Stelle 1555 die gegenwärtigenachteckigen Thurmhauben, mit grünem Kupferblechbedeckt, gesetzt wurden. Im Jahre 1655 erhielten siedas noch vorhandene eiserne Geländer. In dieser Kirche,an welcher Luther Stadtprediger war, schaffteman zuerst 1521 die päpstlichen Mißbräuche ab,und in derselben siel, wie auch in der Schloßkirche,während Luther auf der Wartburg war, durch Karl-stadt, Storch und andere Fanatiker, die berüch-tigte Bilderstürmerei vor, welche Luthern be-wog, selbst mit Lebensgefahr, nach Wittenberg zugehen, um diesem Unfuge zu steuern. In derselbenliegen mehre in der Reformations-Geschichte berühmteMänner, namentlich der erste Recwr Pol I ichundIo-hann Vugenhagen aus Pommern, Pastor ander Stadtkirche und erster Generalsuperintendentdes Kurkreises, welcher hier mehrmals mit bewun-derungswürdiger Freimüthigkeit vor Karls V. Sol-daten über die Verschiedenheit des Papstthums undEvangeliums predigte. Das Aeußere der Kircheist mit Bildhauerarbeit fast überladen. Darunterbefindet sich an der Südseite unter dem Dache,eine sonderbare, in ihrer Art einzige Darstellung:eine in Stein gehauene Sau, an welcher Judensaugen, während ein Rabiner ihr unter den Schwanzsieht, mit der Inschrift: Labim, 8ol>6lu Kam plwra«.Diese Iudenscheuche, wie es scheint, galt fast fürdas Wahrzeichen Wittenbergs. > Eine kleine, 137?gebauete, Kapelle des Leichnams Christi, welche reicheVermächtnisse hatte, dient zum Kirchenarchive :c.Von den Franzosen ward sie 1806 und 1813 aber-mals zum Magazine genommen, nachdem sie zumneuen Jahre 1812 erst wieder hergestellt wordenwar.

Die Schloß- oder Stiftskirche ward zwar1342 und 1353 von Rudolf I. zuerst als Kapelle,aus Bitten und aus dem ansehnlichen Vermächtnisseseiner zweiten Gemahlinn Kunigunde von Polen,neben der alten Burg, zu Ehren der Jungfrau Ma-ria und aller Heiligen erbauet, 1361 aber von Ru-dolf II. als Kathedralkirche vergrößert, nachdem sie