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wegen Polen angegriffen würden. Die preußischeRegierung machte sich hierauf durch wohlthatigeEinrichtungen in den polnischen Besitzungen verdient,und verwendete große Summen auf die Beförderungdes Wohlstandes derselben in leiblicher und geistigerHinsicht. Der Landmann sah sich, seit Jahrhunder-ten zum ersten Male, im Besitz menschlicher Rechteund unter dem Schutze der Gesetze, ohne diese Wohl-thaten jedoch, bei seiner Gefühllosigkeit, gehörig wür-digen zu können; das ganz vernachlässigte Unter-nchtswesen ward gründlich verbessert, ein Provinzial-Gesetzbuch vorbereitet, der Gewerbfleiß geweckt undunterstützt. Die Städte wurden durch viele neueGebäude verschönert, durck bessere Einrichtungen ge-hoben und durch einwandernde Deutsche überhauptin einen besseren Zustand versetzt. Nichts desto we-niger schmerzte die Polen ihr Schicksal als Opferder Vergrößerungspolitik, und mehr noch fühlte sichder Adel, durch den Zwang einer geregelten Gesetz-gebung und Verwaltung, durch die Aufhebung allernationalen Militäreinrichtungen und durch Einfüh-rung deutscher Sprache und Sitte beeinträchtigt, sowie durch die zum Theil nöthige Zurücksetzung der Po-len bei den öffentlichen Aemtern und die Anstellungder Deutschen, welche nicht immer in der Behandlungdes polnischen Nationalcharakters mit Vorsicht undSchonung verfuhren, schwer verletzt und gekränkt.
Unmittelbar nach der letzten Theilung Polens«griff die Regierung eine Maßregel, welche offenbaran ihre Verlegenheit in den Finanzen erinnerte.Mit der Erklärung, der Krieg habe eine übergroßeMenge Scheidemünze in Umlauf gesetzt, welche deninneren Verkehr störe, eröffnete der König eine An-leihe ganz eigner Art, nämlich in Scheidemünze.Die Beiträge sollten auch in kleinen Summen will-kommen sein, das Hundert mit 4 verzinset und dieSchuldscheine überall als Sicherheitsleistung ange-nommen werden. Um dieselbe Zeit ward auch überdie Starosteien und geistlichen Güter, in deren Nieß-brauch, nach früherer Erklärung, die Inhaber biszur Verfallzeit bleiben sollten, auf andere Art ver-fügt. Man beschloß alle für königliche Rechnungzu verwalten, und befriedigte die Besitzer entwederdurch eine einmalige Abfindungssumme, oder durcheine jährliche Abgabe von dem reinen Ertrage. Eslag am Tage, wie viel der König auf diese Weiseund mehr noch durch den Anfall der Güter so vie-ler Ausgewanderten und Gestraften gewann und Po-len selbst gewinnen konnte. Dieß Verfahren gab jedochdie Mittel, den Ackerbau zu verbessern, des Volkesgeistigen und sittlichen Zustand zu veredeln und desLandes gesammte Wohlfahrt zu mehren. Aber lei-der wurden die wohlthätigen Folgen von den Po-len nickt anerkannt; leider wurden auch sehr vieledieser Güter verschenkt und verschleudert! Ueberalleilten die Günstlinge des Königs, sich durch Be-sitzungen in Polen belohnen zu lassen. Ein FreundVischoffswerdeis, der Forstrath Triebenfeld,war dabei am meisten thätig; durch seine Hand gin-gen die meisten Schenkungsurkunden, denen die kö-nigliche Unterschrift Kraft verlieh. Sobald sich Fried-rich Wilhelm bereitwillig finden ließ, ward einGut nach dem andern abgeschätzt, und zwar diehundert tausend Thaler werth waren, oft nur auf zehnkausend. Und so ging es auch in anderen Stücken.
Seit 1796 sing die Gesundheit des Königs,welcher schon seit längerer Zeit sehr stark geworden
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war, durch vielfachen Genuß und widernatürlich«Reizmittel geschwächt, immer mehr an wankend zuwerden. Zwei Sommer hinter einander hatte eran den Heilquellen Pyrmonts Genesung gesucht,aber er kehrte das erste Mal mit geringer Erleich-terung und das zweite Mal kränkelnd wieder, undzog sich am 29. September 1797 von Berlin, wo-hin er seine Schwägerinn, die Erbprinzessinn vonBaden, zu bewillkommnen gekommen war, auf dasneue Schloß am heiligen See bei Potsdam zurück,kraftlos bereits und niedergeschlagen, doch nicht hoff-nungslos. Hier ängstigte ihn immer heftiger dievöllig eingetretene Vrustwassersucht, mit allen sie be-gleitenden Leiden, welche ihn im Lehnstuhl gefesselthielten. Diese wurden zwar von Zeit zu Zeit durchLebenslust gelindert, welche der Obersanitäts-Rath Pro-fessor Hermbstädt in Bälle von Goldschläger«Häutchen faßte und nach und nach in das Zimmerdes Kranken ausströmen ließ, und schmerzlose Zwi-schenräume gestatteten dem König, sogar der freienLuft im Rollwagen zu genießen, sowie das Vergnü-gen des Schauspiels und der Tonkunst; aber den-noch nahm das Uebel immer zu, und seit dem 9.Oktober mehrten sich die Beschwerden, welche er je-doch standhaft ertrug, noch immer dem Glauben anGenesung lebend. Erst 3 Tage vor seinem Endewich dieser dem überwältigenden Gefühle der Ent-kräftung. Am 15. November sahen ihn die Köni-ginn und der Kronprinz zum letzten Male. Dennam Morgen des 16. entschlief er, nachdem er 11Jahre unv 3 Monate geherrscht hatte. Seine Lei-chenfeier wurde mit Würde und Pracht den 11. De-cember zu Berlin begangen. Die öffentliche Lan-destrauer hatte er, gleichsam im Vorgefühle seinesnahen Todes, durch einen Befehl vom 7. Oktober,der Zeit, wie der Form nach, beschränkt.
Friedrich Wilhelm II. hatte im ganzenAeußeren eine königliche Gestalt, welcher nur ein bes-seres Verhältniß des Kopses zum Körper und einebestimmtere Sprache sehlle. Als Krieger war erunerschrocken und scheute keine Gefahr. Von derNatur hatte er einen gesunden Verstand, den aberdoch ein gewisser Hang zum Geheimnißvollen ander Festhaltung klarer Ansichten hinderte. SeineNeigungen gingen auf Ruhe, Genuß und Verän-derung. Von Gemüthsart war er eben so leichtzur Güte, als zum Zorne geneigt. Seine Personumgab er nicht mit äußerem Gepränge. SeineKleidung war gewöhnlich ein blauer Rock oder dieUniform seiner Leibwache. So besuchte er oft, umdie Mittagszeit, den Thiergarten, nur von einemJäger begleitet. An der öffentlichen Gottesverehrungnahm er in der deutschen und französischen KircheTheil, und feierte das heilige Abendmahl in derGarnisonkirche zu Potsdam mit der Gemeine. AufReisen fuhr er meist in einem halb offenen Wagen,dem wenige folgten. Nichts bezeichnete den König,als die ungemeine Schnelligkeit, mit welcher er fuhr,meist 40 Meilen in 39 Stunden. Unter den schö-nen Künsten liebte er vor allen die Tonkunst; auchan der Baukunst sand er Geschmack, und baue«geschmackvoll und edel. —- Die Haupt- und Resi-denzstadt und das nahe Charlottenburg, welches derKönig liebte, hatte er vielfach und sorgfältig ver-schönert. Er bauete das brandenburger Thor; erführte das Vorgebäude von Monbijou neu aus undvermehrte die Gartenanlagen. Auch das Opernhaus