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zur Jagd nach Torgau kamen, hörte der Harten-fels nach und nach auf, der Schauplatz glänzenderHoffeste zu sein. Georg IV. stiftete 1692 noch auf dem-selben, mit dem Kurfürsten Friedrich III. von Bran-denburg, den Orden der guten Freundschaftoder des goldnen Brasselets, und Peter derGroße feierte, den 25. Okt. 1711, die Vermählungseines Thronfolgers Alexis mit der PrinzessinnSophia von Braunschweig, welche die KöniginnEberhardine meist in Pretzsch erzogen hatte.Im siebenjährigen Kriege benutzte Friedrich II.das Schloß mehrmals zum Sitz des Kriegs-Direc-toriums, als Lazarett) und zu Magazinen. Dadurchim Innern größtentheils zu Grunde gerichtet, über-ließ es 1771 Kurfürst Friedrich August III. demdamals neubegründeten Zucht- und Arbeitshause.Auch der Stadt kehrte der alte Wohlstand undGlanz nicht wieder. Die Bierbrauerei war amEnde des 17. Jahrh, so gesunken, daß man jahr-lich nicht viel über 4000 F. braute, obgleich Georg II.den Brauerben mehre Privilegien ertheilt hatte,und das Bier noch immer, wenigstens nach Dres-den, verfahren wurde. Mit dem Brauwesen blühteund sank auch die Tuchmacherei. — Kaum hattesich die Stadt von den schweren Kriegsleiden et-was erholt, als der schwedische Einfall 1706 ihrdie erlangten Kräfte wieder raubte. Unter Anderemmußte die ganz verschuldete Kämmerei für eineMenge mittelloser Bürger die Kriegssteuern bezah-len, welche sie nie wieder erhielt. Noch suchtenhierauf 2 thätige Kaufleute, Schönfeld durch eineTuch-, Raabe durch eine Seidenfabrik den Nah-rungsstand zu verbessern; allein der 7jährige Krieg(1756 — 63) vereitelte ihre Bemühungen und stürztedie Stadt in neues Unglück durch Einquartierung,Kriegssteuern, Durchmärsche und Belagerungen. Zurbessern Vertheidigung wurden 1759 und 1760 vonden Preußen die Vorstädte größtentheils abgebranntund auf gleiche Weise die Brücke zerstört. Nichtsdesto weniger ging die Stadt 1759 an die Oest-reich« über, ward jedoch von den Preußen baldwieder erobert. Sie hatte aber 1760 dasselbe Schick-sal: die Oestreicher eroberten und verloren sie aber-mals, nach der Schlacht bei Torgau, den 3. Nov,,an die siegreichen Preußen, als sich Daun durchdie Stadt über die Elbe zurückgezogen hatte. Nachdem hubertusburger Frieden gelangte sie, währendder schönsten Periode Deutschlands bis 1789, wiederzu einer glücklichen Wohlhabenheit, — indem besondersdie Tuchmanufaktur Schönfelds aufblühte, welchespäter mit ihren Privilegien der KammerkommissarStephan übernahm und sie bei seinem Tode 1795seinem Stiefsohn Varth überließ,— und genoß der-selben bis zum Jahre 1806, wo sie in 672 Bür-gerhäusern gegen 4500 Einwohner zählte. Seit-dem theilte sie nicht nur die Drangsale des ganzenLandes, sondern war auch so unglücklich, auf Na-poleons Verlangen, seit 1811 Festung zu wer-den, zu deren Bau die Landstände 5 MillionenThlr. bewilligen, das Waisenhaus und die Begräb-nißkirche mit dem Kirchhofe zerstört weiden mußten.Das Zucht- und Arbeitshaus, welches 1805 den4. Juli Dr. Gall besucht und über die auf demHofe aufgestellten Züchtlinge kraniologische Beobach-tungen gemacht hatte, ward deßhalb nach Lichten-burg verlegt. Der Festungsbau war noch nichtvollendet, als der Krieg von 1813, da die Festung
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den Franzosen übergeben worden war, der Stadteine schwere Belagerung (vom Nov. bis 26. Dez.)von den Preußen zuzog, während welcher die Seucheviele Einwohner und Franzosen, darunter den Di-visionsgeneral und ehemaligen Kriegs-Minister Gra-fen Narbonne wegraffte. Durch Kapitulation gingsie den 10. Jan. 1814 an die Preußen über.
Bis zur Abtretung an Preußen 1815 warTorgau Sitz eines Justiz-, Rent- und Forstamtes,einer Amts-, Stadt- und Tranksteuer-, einer Land-Generalaccis- und einer Brückenzolleinnahme, einesHauptgeleites und einer Poststation. Auch befandsich hier eine königl. Salzniederlage und ein großes,von Friedrich August II. angelegtes Getreide-magazin. Der Rath, aus 8 Personen bestehend,hatte Obergerichtsbarkeit innerhalb des städtischenWeichbildes, die Erbgerichte über die Stadt unddazu gehörige Fluren, sowie das Patronatsrecht über5 Pfarren und 7 Schulstellen, nebst nicht unbedeu-tenden Besitzungen. Seit der preußischen Besitz-nahme hat sich Vieles geändert, aber auch verbes-sert, besonders das Schulwesen, und mit dem Wohl-stande hat sich seitdem auch die Bevölkerung nichtunbeträchtlich vermehrt.
O p p e l n,
Hauptstadt des gleichnamigen Fürstenthumes, Re-gierungsbezirks und Kreises in Oberschlesien, liegtauf einer Anhöhe, 524 F. über der Ostsee, am rech-ten Ufer der Oder, über welche eine lange Jochbrückeführt, ist mit starken Mauern umgeben und zähltin 500 hohen und massiven Häusern gegen 7000Einwohner, Katholiken, Evangelische (^) und Ju-den. Die Stadt hat 4 Thore, 12 Straßen, 30öffentliche und 20 Fabrikgebäude, 1 regelmäßigenMarktplatz, 4 katholische Kirchen, 1 evangelischeKirche und 1 Synagoge. Sie ist der Sitz der k.Regierung und enthält außerdem 1 Landrathamt,1 Stadtgericht 2. Klasse, 1 Hauptsteueramt, 1 Pro-vinzial-Eichungs-Kommission, 1 Salzfaktorei ?c.Die Hauptnahrungszweige sind Brauerei, Brennerei,Töpferei, Gerberei, Tabacksspinnerei, Tuch- und Lein-weberei, Ackerbau, Schifffahrt und Bienenzucht, zu de-ren Verbesserung der k. Oberbienen-Inspektor Niem1777 die patriotische Bienengesellschaft mit einemBienenhause gestiftet hat; die oppelner Honigkuchensind vortheilhaft im Lande bekannt. Außerdem treibtOppeln Handel mit Wolle, Korn, Leder, Tuch ic, undhat ein k. Speditionsgeschäft in Eisen, Zink, Blei,Galmei, überhaupt in Bergwerksprodukten. Auchhalt man 6 Jahr- und Vieh-, besonders Schweine-und 2 Wollmärkte. Der Stadt gehört auch ein er-giebiger Kalksteinbruch mit mehren Mühlen und4 Vorwerken.
Unterrichts- und Wohlthätigkeitsanstalten sind:1 katholisches Gymnasium, mit einer Bibliothek undnaturhistorischen und physikalischen Sammlungen;1 evangelische Bürgerschule, 1 Hebammen-Insti-tut, in welchem der Unterricht in polnischer unddeutscher Sprache ertheilt wird, da die Einwohnermeist polnisch sprechen, und 1 Gewerbschule seit 1826;das Bücgerhospital zum h. Alexius für eine An-zahl Männer und Frauen; der sogenannte Konventfür Frauen; das Krankenhaus für Hanbwerksburscheund Dienstboten. — Unter den öffentlichen Gebäu-