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dem Bischof Giese zur beliebigen Besorgung desDruckes. Dieser schickte sie sogleich nach Witten-berg an Rhäticus, mit welchem er deßhalb schonRücksprache genommen hatte. Rhäticus glaubteaber, das Werk könne nirgends so gut, als in Nürn-berg, welches damals der Hauptsitz des deutschenBuchhandels war, herausgegeben werden; und könneer auch nicht selbst dort den Druck beaussichtigen, sowürden dieß schon seine dortigen Freunde, Scho-ner, Osiander u. A. gern thun. So kam es,daß Osiander der Herausgeber des weltberühmtenWerkes wurde. Er nannte sich indessen nicht, suchteaber in einer kurzen Einleitung die Vorurtheile derZeitgenossen gegen diese neue Erklärung des Welt-gebäudes zu beseitigen. Es erschien 1543 in Folio, und,wie damals alle Bücher der Gelehrten, in lateinischerSprache unter dem Titel: „I>liculai Oopernicil'orinenzi« <ie levolutionilxiz orbium coelestium,übn VI.« Nachgedruckt wurde es 1566 zu Baselund 1617 zu Amsterdam, mit Anmerkungen vonNicol. Müler.
Das große, unsterbliche Verdienst, welches sichCopernicus erwarb, betraf nicht allein die Wis-senschaft, sondern auch das Leben, wie denn derMensch nicht blos durch seinen denkenden Geistund sein fühlendes Herz, sondern auch durch dastägliche Bedürfniß frühzeitig zur Betrachtung desHimmels und seiner Erscheinungen getrieben wurde.Selbst die Geschäfte des gemeinen Lebens hängen(durch Zeiteintheilung, Zeitrechnung :c.) ja von denVeränderungen ab, welche sich täglich am Himmelereignen. Daher sich namentlich die Völker desOrients frühzeitig Kenntnisse davon sammelten, unddie alten Aegyptier hatten, schon 2666 Jahre vorChristus, ein Sonnensystem, welches unter dem Na-men des ägyptischen bekannt ist und der ganzenAstronomie zum Grunde liegt. Die Griechen mach-ten einige Fortschritte, blieben aber doch, aus Man-gel an den nöthigen Instrumenten, bei unsichernVermuthungen, und durch den Schein verführt,bei ganz falschen und selbst widersprechenden Erklä-rungen des Weltgebäudes stehen. Man nahm Al-les, wie es in die Sinne siel, ohne weiter darü-ber nachzudenken. So war denn auch das ptole-mäische System, welches der Grieche Ptolemäosin Alerandrien, 146 Jahre nach Christus, zur Er-klärung der himmlischen Erscheinungen, aufstellte,durchaus falsch und der wahren Weltordnung ent-gegen. Nach diesem Systeme ruht die Erde unbe-weglich in der Mitte, und die sogenannten 7 Pla-neten (Ptolemäos selbst zählt nur 5), der Mond,Merkur, Venus, die Sonne, Mars, Jupi-ter und Saturn, nebst der sie einschließendenSphäre der Firsterne, ganz so um sie kreisen, wiees die Erscheinungen der täglichen und eigenen Be-wegung mit sich bringen. Dessenungeachtet erhieltes sich unangefochten 14 Jahrhunderte hindurch, vonAstronomen, Philosophen und Theologen sogar ver-theidigt.
So lange diese irrige Ansicht bestand, konntedie Astronomie selbst keine wesentliche Forlschrittemachen. Copernicus sah dieß ein, und durchunermüdlichen Fleiß und großen Scharfsinn gelangteer zu einer richtigeren Erkenntniß von dem hochwich-tigen Gegenstande. Er machte sich darnach undder weisen Anordnung des Weltenbaumeisters gemäß,folgende Vorstellung von der Einrichtung des Welt-
gebäudes: es wird von der unbeweglichen Firsternen-sphäre eingeschlossen, innerhalb welcher sich in abneh-menden Kreisen Saturn, Jupiter, Mars, danndie von ihrem Monde begleitete und sich täglichum ihre Achse drehende Erde, endlich Venus undMerkur bewegen. In der Mitte befindet sich dieSonne, von welcher jene dunklen Himmelskörpererleuchtet werden. Alle spätere Beobachtungen, Ent-deckungen und Erfahrungen haben die Annahme(Hypothese) des Copernicus bestätigt und sie zumRange einer Wahrheit erhoben. Uebrigens konntesich der große Mann von dem Vorurcheile seinerZeitgenossen, welches diese von der gleichförmi-gen Kreisbewegung der Himmelskörper hatten,doch nicht ganz losreißen, und er behielt deßhalb zurDarstellung der eigentlichen Ungleichheit des Laufesder Planeten die alten eccentrischen Kreise und Epi-cykeln (kleine an diesen haftende) bei, wodurch er sichin ein Labyrinth versetzt sah, aus welchem er sich,bei allem Scharfsinn, nicht herauszufinden vermochte.Aus demselben Grunde legte er der Erde eine drei-fache Bewegung bei: eine tägliche um ihre Achse,eine jährliche um die Sonne, und endlich einedritte um die Pole der Ekliptik, durch welche erdie Abwechselung der Jahreszeiten und die Verschie-denheit der Tageslänge erklärte.
Kurz vor Beendigung des Druckes warf Alters-schwäche den sonst so kräftigen, 76jährigen Coper-nicus auf's Krankenlager, und bald lähmte einSchlagstuß seine rechte Seite; sein Gedächtniß schwandmit den übrigen Geisteskräften, und er bereitete sichzum nahen Abschied von der Erde vor. Da ward ihmdas erste fertige Exemplar seines Werkes überbracht:er sah es, berührte es auch noch, aber ohne sicht-bare Freude; denn sein Sinn war schon von demIrdischen auf das Himmlische gerichtet, wo sein Geiststets so gern verweilt hatte. Er starb den 24. Mai1543. Ohne Gepränge ward, im Dome zu Frauen-burg, vor dem Altare, wo er gewöhnlich Messe las,seine sterbliche Hülle begraben und seine Ruhestättenicht einmal durch einen Denkstein bezeichnet. Erst36Jahre nachher ließ der ermländische BischofKro-mer eine Marmorplatte mit einer Inschrift dahinlegen, welche aber längst nicht mehr vorhanden ist. —In der Iohanniskirche stellte der thorner Arzt Pyr«nesius (5 1589) ein 2 Ellen hohes, auf Holz ge-maltes Bild des Copernicus auf, welches aberweder als Kunstwerk, noch als Denkmal einigenWerth hat. — Im Jahre 1766 bat der FürstIablonowski den thorner Stadtrath um einenschicklichen Platz zu einem Monument für Coper-nicus. Man bestimmte den Markt dazu; alleindas Denkmal, eine Büste, gefiel bei der Ankunftso wenig, daß man es bei Seite setzte. — Auchder König Stanislaus Poniatowski erbot sich1785, im großen Saale des Rathhauses zu Thornein Denkmal setzen zu lassen; durch die nachfolgen-den Unruhen und Vorfälle in Polen ward aber dieAusführung verhindert. In unserem Zeitalter, wel-ches die Schuld der Vorfahren in dieser Hinsicht ab-tragen und jedem Verdienste dankbare Anerkennungzollen will, hat man auch den stillen und bescheid-nen Erforscher des Weltgebäudes nicht vergessen undihm zu Warschau und Krakau würdige Denkmälererrichtet. Das warschauer Denkmal, welches ihn in ko-lossaler Größe, in einem antiken Gewände, auf ei-nem antiken Sessel sitzend, mit einer Hand die Him-