Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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pina; ferner 2 moderne Büsten von Adam, Nep-tun und Amphitrite und 16 Gemälde.

Wenn auch das Innere des Schlosses nach demTode Friedrichs mehrfach geändert worden ist;so haben dock seine Arbeits-, Schlaf- und Viblio-thekzimmer noch ganz ihre frühere Einrichtung be-halten. Hier erinnert noch Alles an den unsterb-lichen Gründer des Schlosses. Von trefflicher Wir-kung für die Helle und Freundlichkeit der Zimmersind die schönen großen Fenster von Spiegelglas, welchezugleich die klarste Aussicht auf die schöne Umgebunggestatten. Auch von der Plattform vor dem Schlosse istder Blick nach der Havel und dem Tornow herrlich.

Aus dem brandenburger Thore führt eine Alleezu dem Obelisk aus Sandstein, mit hieroglyphischenFiguren, vor den großen Eingang des Gartens.Tritt man durch das aus 8 korinthischen Säulenbestehende und mit einem Gitterthorwege von vergolde-tem Eisen versehene Portal in den Garten, so kommtman in den mit 12 marmornenBruststücken ausderpolig-nacschen Sammlung geschmückten Quergang, in derHauptallee zu 2 Hauptzirkeln mit 6 antiken Büsten, zueinem mitß Mormorbüsten loranische Prinzen und Prin-zessinnen, den großen Kurfürsten und seine Gemah-linn Luise vorstellend) umgebenen Blumenberg,und in gerader Linie zu einem großen Bassin,um welches 8 marmorne Bildsäulen und Gruppenvon Pigalle, Adam und Michel stehen. Esist eine wabre Götterversammlung, in welche mantritt. Im Mittelpunkte des Bassins erhebt sich einekleine Insel, auf welcher eine 6 F. hohe Säule mitder Büste des Herzogs Paul Jordan von Brac-ciano, beide von rothen ägyptischem Porphyr, zwi-schen 2 Bäumen steht. Vor demselben erhebt sichrechts das Schloß, zu welchem 6 steinerne Treppenüber die 6 Terrassen führen. Jede Terrasse ist 500 F.lang; sie haben zusammen unter 840 GlasfensternGewächse, Weinstöcke und Fruchtbäume aller Artund an ihrem Rande Hecken von Obstbäumen; imSommer steht Orangerie hier. An den Seiten sindGras - Rampen. Oben sind marmorne Gruppen undBruststücke; zu beiden Seiten des Schlosses Lau-bengänge und 2 eiserne Gitterbogenlauben mit mar-mornen Bildsäulen und Bruststücken, wo FriedrichderGroße am liebsten verweilte, wenn er sich, wäh-rend der ganzen schönen Jahreszeit, in Sanssouci auf-hielt. Schloß, Garten :c. kosteten gegen I^Mill. Thlr.

Der ganze Garten hat, von dem Obelisk amEingange bis an die Brücke hinter dem neuen Pa-lais, eine Länge von 6UW rheinl. Fuß; er ist voneinem aus der Havel abgeleiteten Kanal eingeschlos-sen und wirb von Bassins in kleineren Wasserlei-tungen bewässert. Die Künstler Pigalle, Adam,Michel u. A. haben mit ihren Kunstwerken diePlätze und Gänge geschmückt, und der Reichthum andiesen Bildwerken macht den Besuch des Gartenseben so anziehend als seine übrigen Natur- undKunstschönheiten ergötzen. Auch befinden sich nochmehrere durch Kunstwerke ausgezeichnete Salons imGarten, namentlich das japanische Haus, derFreundschafts- und Antikentempel, der Ro-tunda in Rom nachgebildet, im Innern mit schlesi-schem Marmor bekleidet und durch eine Kuppel er-

hellt, der sonst voll von Bildsäulen, Büsten undandern Alterthümern war, gegenwärtig aber das zumzweiten Male von Rauch gefertigte Marmorbild derKöniginn Luise bewahrt, welches durch seine voll-endete Kunst alle Beschauer bezaubert. Jene An-tiken sind nach Berlin, in's neue Museum, gekommen.

Friedlich derGroße erlaubte es Jedem, selbstin der Zeit, während welcher er sich in Sanssouciaufhielt, frei dahin zu kommen um seine Neugierdezu befriedigen. Den Ausländern bewies er, wennsie ihm aufsielen, eine besondere Aufmerksamkeit undließ sie nicht selten nach ihrem Namen und Standbefragen. Ein reicher Pastetenbäcker aus Hamburg wan-delte einst auch in den Alleen umher und ward von demKönige, wegen seiner körperlichen Starke, bald bemerkt.Kaum hatte der König erfahren, wer der Fremdesei, als er sich erinnerte, von der Geschicklichkeit desMannes in seinem Fache irgend einmal gehört zuhaben. Der Page ward also wieder an denselbenabgeschickt, um ihm zu sagen, daß es dem Königelieb sein würde, wenn er sich, nach befriedigterSchaulust, in die Hofküche begeben und dort mit denköniglichen Köchen eine Kunstunterhaltung anknüp-fen wollte. Der Pastetenbäcker mochte diesen An-trag für zu gefährlich für sein Pastetenarcanum hal-ten und antwortete ganz trocken: er habe keineZeit.'Ja nun, wenn das ist;" erwiederte derKönig, als man ihm die unerwartete Antwort brachte,und suchte seine Empfindlichkeit darüber hinter ei-nem Lächeln zu verbergen. Er gab hierauf sogleichBefehl, einen Küchenwagen mit 8 Mauleseln zubespannen und für das eiligste Fortkommen des Man-nes, der keine Zeit habe, zu sorgen. DerPage mußte nun, in Begleitung eines Leiblakaien,noch einmal zu dem Hamburger gehen und ihm sa-gen:daß es dem Könige sehr leid thäte, daß erkeine Zeit habe, weßhalb er ihn auch gar nicht wei-ter aufzuhalten gedächte;" zu gleicher Zeit ward erzum Schloßgarten hinausgeführt, und ohne ihm zueiniger Besinnung und Entschuldigung nur Zeit zulassen, auf den Wagen gehoben, der, indem manihm noch eine glückliche Reise wünschte, mit ihm ei-ligst davon fuhr.

Vergebens hoffte der Pastetenbacker, daß manihn nach dem Nrthshause bringen würde, wo eram Morgen abgestiegen war, und wo er sein Ge-päck gelassen hatte. Die Fahrt ging um die Stadtherum und in vollem Jagen nach Berlin, wo schonwieder ein andrer Wagen bei seiner Ankunft vordem PostHause in Bereitschaft stand, den ein vor-ausgeschickter Jäger für ihn bestellt hatte. Auch wardihm versichert, daß, weil man wüßte, er habekeine Zeit, Alles für ihn schon vorbereitet sei.Unter dieser Versicherung ward er überall aus einemWagen auf den andern gehoben, bis er, in weni-ger als 24 Stunden, das märkische Glänzpostamterreicht hatte, wo er, ohne während dieser Zeit ge-gessen und getrunken zu haben, erschüttert und er-müdet ankam. Erst auf der bcandenburgischen Gränzelud man ihn ab, mit der Versicherung, daß seineSachen bald mit der Post nachfolgen würden, undwünschte ihm noch eine glückliche Reise und überalleine eben so prompte Bedienung.

Hierzu als Beilagen:1) Nicolaus Eopeinicus. 2) Thocn. 3) Schloß Sanssouci bei Potsdam.

Verlag von Eduard Pietzsch u, Comp, in 2 iesd«n, Druck von B. G, Teubner in Dresden,

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