Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
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Der König ließ den Müller zu sich kommen, underbot sich, ihm die Mühle abzukaufen. Der Müllerhatte sie aber von seinem Vater geerbt, und wolltesie auch wieder an seine Kinder bringen. Der Kö-nig versprach ihm, eine andre Mühle anderwärts zubauen, ihm Wasserlauf und Alles frei zu geben undselbst die Summe baar zu bezahlen, welche er fürseine Mühle fordern würde. Aber der Müller bliebhartnäckig bei seinem Entschlüsse; darüber ward end-lich der König verdrießlich, und sprach auffahrend:Weißt Du wohl, daß ich Dir Deine Mühle neh-menkann, ohne einen Groschen dafür zu geben?"Ja, Ew. Majestät," entgegnete derMüller,wenndas Kammergericht in Berlin nicht wäre!"DemKönige gefiel diese freimüthige und zuversichtliche Ant-wort, und er drang nicht weiter in den Müller.Dieser behielt ungestört seine Mühle, und der Kö-nig dachte groß genug, seinen Plan ändern zu lasten.

So war es auch dem Könige unangenehm, daßdie Allee zum Haupteingange von Sanssouci beider Anlage nicht anders geführt weiden konnte, alsdaß sie einen Winkel machte. Bei der Tafel thatenseine Gesellschafter verschiedene Vorschläge, wie demabgeholsen werden könne. Die Schwierigkeit lagvornehmlich in der unüberwindlichen Liebe einer ar-men Frau zu ihrem kleinen Hause, gleichfalls einemErbstück, das sie um keinen Preis der Welt verkau-fen wollte. Der General Graf Rothenburg be-hauptete, nach seinem militärischen Charakter: derKönig könne sie zwingen, einen dreifachen Ersatz desWerthes, oder ein viel besseres Haus auf einer an-deren Stelle dafür anzunehmen. Der Marquisd'Argens war entschieden anderer Meinung undbehauptete mit der ihm eigenen Lebhaftigkeit:DieKönige dürften Niemanden das Seinige, auch gegenvortheilhafteren Ersatz, mit Gewalt nehmen; dennsonst könnte man es auch bald von einem Hauseauf die Frau oder Tochter eines Mannes anwenden,wo offenbar der größere Werth an Geld nicht dasVerlorne ersetze." Friedrich sagte hierauf:d'Argens hat Recht."

Das Schloß Sanssouci, rechts von der Bil-dergalerie, links von dem sogenannten Kavalier-hause umgeben, ist von einfacher Bauart und nurein Geschoß hoch, 2U2 F. lang und 49 F. tief. Vonder Vorderseite nach dem Garten tragen 36 Karya-tiden in übernatürlicher Größe, ferner 42, zwischenjedem Fenster 2, gereifelte, korinthische Master, 4Eckpilaster und 8 Wandsäulen das Gesimse. Inder Mitte hat das Gebäude eine runde Ausbeugung,mit einer kleinen offnen Kuppel, welche das Lichtvon oben erhält, auf jedem Ende eine Rundungmit Blenden, worin schöne marmorne Antiken, rechtsein Bacchus, links ein römischer Senator, mitder Bulla um den Hals, aus der polignacschen Samm-lung stehen. Die Brüstung auf dem Gesimse trägtKindeigruppen und Vasen. Die Hinterseite hat 3große Auffahrten von Bruchsteinen; die mitteisteführt in eine Kolonnade, welche aus 96 gereifeltenund gekuppelten korinthischen Säulen besteht, obenmit einem Dache versehen, und im Sommer mitLorbeerbäumen besetzt, während die Balustrade mitVasen und Kindergruppen verziert ist. Die Säulenstehen in 2 Reihen, von einem Eorps de Logis biszum andern, in einem Halbkreise herum. Gegen-über liegt der Hühnenberg mit einem großen

Wasserbecken, welches zu einer nicht ausgeführtenWasserkunst bestimmt war, und um welches künst-liche Ruinen: das Stück eines Amphitheaters, einkleiner Tempel mit 16 dorischen Säulen, 2 ganzeund 1 zerbrochene größere antik ionische Säule, mitihrem Gebälk stehen, weßhalb er auch der Ruinen-berg heißt. Jene Wasserkunst wird jetzt, vermit-telst einer Dampfmaschine, bewerkstelligt werden.

Die sehenswerthen, in Hinsicht auf Baukunst,Bildhauerei und Malerei mit großer Pracht undSchönheit, namentlich mit Antiken und Marmor-werken von Heymüller, Venkert, Adam U.A.,so wie mit Gemälden von Watteau, deTroy,Pesne, Lancret, Vanloo und Huysum aus-gestatteten Zimmer sind: 1) ein Saal von Gypsmar-morund Gold mit korinthischen Säulen. Zwischen denSäulen stehen 2 Marmorstatuen, der Kaiser Trajan,eine Antike, und der KriegsgottMars, eine Kopie; 2)der länglich runde Marmorsaal, dessen Gesimse 16 gerei-felte korinthische Säulen von weißem Marmor tragen,und Gruppen von Genien der Künste und Wissenschaf-ten zieren. Die Wölbung der darüber stehenden Kuppelist mit vergoldeter Stuckaturarbeit bekleidet und derFußboden mit Blumen aus verschiedenem Marmorgeschmückt. In zwei Nischen stehen schöne Statuen,Venus Urania, mit Sinnbildern, und ein Apollo,mit den Werken des Lucretius. Links erblicktman die eherne Büste Karls XII. von Schweden;3) das Audienzzimmer, in welchem zuerst aufeinem mit Achat überzogenen Tische eine Antike, derjunge Herkules, eine Schlange tödlend, dann einKamin von carrarischem Marmor mit Vasen vonschlesischem Jaspis und endlich 22 Gemälde dieAufmerksamkeit erregen; 4) das Konzertzimmer,mit einer reich vergoldeten Stuckaturdecke, 2 Mar-morantiken in Mosaik und 5 Gemälden von Pesne;

5) das Schlafzimmer Friedrichs II., dessenDecke mit Arabesken gemalt ist; an der Wand hängtdas Bild Gustav Adolfs. Im Alkoven steht nochdes großen Königs Bett neben 2 schönen Säulenauf Porphyrart und gut gemalten Pilastern; ein Ge-länder von vergoldetem Metall mit 4 Genien um-giebt es. An der Wand hängen 2 schöne Zeichnun-gen von antiken Tempeln unter Glas und Rahmen;auf dem marmornen Kamin von Schwizer stehtein antikes Bruststück Mark Aurels, des Lieb-lings Friedrichs, dessen Kopf von weißem Mar-mor, das Gewand von buntem Achat und deßhalbberühmt ist. Das Seitenstück ist eine Antike vonMarmor; ferner Julius Eäsar als Kind, eineAntike. Vor dem Kamine steht noch der Schirmvon Friedrichs Schwester, der Herzoginn vonBraunschweig. Auch findet sich darin eine große,schöne Uhr, welche die Monate, Wochen und Tageanzeigt, und ein kostbarer Tisch von schlesischem Ame-thyst, auf welchem eine kleine antike Vase steht;

6) das Bibliothekzimmer, mit Eedernholz ge-täfelt, enthält die Bücher in Glasschränken, aufwelchen 4 antike Marmorköpfe stehen: Apollo, Ho-mer, Sokrates und ein anderer Philosoph; 7)die kleine Galerie hinter den Zimmern des Kö-nigs. In den Nischen stehen 4 Marmorstatuen:Bacchus, Minerva (medica), Apollo,und Mar-syas an einen Baum gebunden; ferner 8 antikeBruststücke auf Gestellen, die mit Achat und Mar-mor ausgelegt sind: ein Eonsul, Faustina, 2 Un-bekannte, Lysias, VenuF, Petronia undAgrip-