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Bürger auf die Katholiken. Solche Auftritte ereig-neten sich schon unter König Sigismuno III.(158?—1632), und wiederholten sich unter der Re-gierung Augusts II. von Sachsen (1697—1733).Wahrend dieses Glaubensdruckes trafen die Stadtauch andre Leiden, da sie seit ihrer Vereinigung mitPolen dessen Schicksale theilen mußte. So erlitt ihrWohlstand einen Hauptstoß 1629, als der polnischeOberst Graf von Don hos die Bürgerschaft bewo-gen hatte, die Vorstädte zur besseren Vertheidigunggegen die Schweden abzubrennen. Die Stadt ent-ging zwar dadurch der Eroberung durch die Schwe-den; hatte aber an Gebäuden und Waaren einenVerlust von 4 Millionen Reichsgulden. — Im spä-teren schwedisch-polnischen Kriege ward die Stadt1655 von den Schweden erobert, und erst 1658,nach hartnäckiger Belagerung, den Polen eingeräumt,welche sie wiederum 1793 vom 26. Mai bis zum13. Okt. gegen Karl XII. vertheidigten. Bei die-ser Belagerung wurde besonders das Rathhaus sehrbeschädigt und erst 1733 wiederhergestellt.
Trauriger als dieses Alles waren aber die Re-ligionsverfolgungen der Evangelischen durch die Je-suiten. Schon 1596 entrissen sie denselben die St,Iohanniskirche und errichteten dabei ihr Colle-gium, wo sie sich auch noch, nach Aufhebung desOrdens, mit ihrer Anstalt erhielten. Endlich besa-ßen die Evangelischen 1724 nur noch die einzigeMarienkirche in der Stadt. Dabei stand dasevangelische Gymnasium, um dessen treffliche Einrich-tung und Bereicherung mit einer Bibliothek undBuchdruckern der patriotische Heinrich Stroh-band, welcher 1661 in der Neustadt eine evange-lische Schule und ein Krankenhaus bei der Iakobs-kirche errichtete, die 166? auch den Evangelischenentrissen und den Benediktiner-Nonnen überlassenwurde, und in der Altstadt ein Wachthaus miteinem Thurme bauete, sich große Verdienste erwarb.Er errichtete auch ein Kollegialgebäube, worin armeSchüler unterhalten werden sollten. Allein diesewohlthätigen Stiftungen, nebst der Marienkirche,sollten den Evangelischen, durch eine schändliche Ver-anlassung und himmelschreiende Ungerechtigkeit, entris-sen werden. Dazu diente die „thorner Tragödie"oder das „thorner Blutbad." Die schimpflicheMißhandlung einiger evangelischen Vürgerkinder (am16. Juli 1724), welche in ehrfurchtsvoller Entfernungeiner Prozession zusahen, durch einen boshaften Je-suiten-Schüler und dessen weitere Unbilden, mit ei-nigen seiner Gesellen, in den Straßen der Stadt,gegen jeden ihnen begegnenden Evangelischen, verur-sachten einen Volksauflauf und Angriff auf das Ie-suitencollegium. Ungeachtet der Bürgermeister Rö s-ner dem Unfuge mit Kraft und Milde gegen dieUrheber gesteuert hatte, wurden die Evangelischendennoch höchst verläumderisch beim Könige angeklagt,und sie mußten großes Unrecht gethan haben undschwer dafür büßen. DerBürgermeisterRösner wardverurtheilt, mit 8 unschuldigen Bürgern, am 7, Der.1724 das Blutgerüst zu besteigen, und man sah da-bei ganz passende Vorspiele zu den empörendsten pa-riser Gräuelscenen während der französischen Schre-ckensregierung. Man bot den unschuldigen Schlacht-opfern Gnade an, wenn sie zur katholischen Kircheübertreten wollten, aber sie zogen den Tod dieserKirchengemeinschaft vor. — Zum Andenken wurdevon den Jesuiten ein Marienbild, auf einer Säule
stehend, von 8 Kugeln umgeben, welche an die Köpfeder Hingerichteten erinnern sollten, auf demJohan-niskirchhofe errichtet. Dieß war aber dieser je-suitisch-polnischen Justiz noch nicht genug: mannahm den Evangelischen auch ihre einzige Marien-kirche, nebst dem dabei erbaueten evangelischenGymnasium, welches man in ein Bernhardiner-Mönchs-Kloster verwandelte; ebenso die evangelischeSchule und das Krankenhaus bei der Jakoös-tliche. — Von 1724 bis 1756 diente hierauf dieBörse den Evangelischen zu ihren gottesdienstlichenVersammlungen. Seit 1756 endlich gestattete manihnen die Einrichtung eines Vethauses, doch unterder ausdrücklichen Bedingung, daß es durchaus dasAnsehen eines Bürgerhauses haben müsse. Aufdem neustädter Rathhause, wohin man schon dieevangelische Schule verlegt hatte, ward 1?6? dieevangelische Dreifaltigkeitskirche gestiftet.
Bei der ersten Theilung Polens 1772 bliebThorn noch der polnischen Krone unterworfen; ver-lor aber seitdem, wie Danzig, den Handel gänzlich.Nach 2 Jahren schwand der Wohlstand vollends ausseinen Mauern, und leere Häuser und Speicher wa-ren die sprechenden Zeugen seines harten Schicksals.Polens innere Zerwürfnisse führten 1793 die 2. Thei-lung herbei: Thorn und Danzig mußten den 7.Mai dem Könige von Preußen huldigen. Erst seitder Wiedervereinigung mit Preußen kehrten glückli-chere Zeiten für Thorn zurück, und es feierte daher am27. Dec. 1831 das 699jährige Jubiläum seiner Grün-dung mit großer Freude, zugleich das dankbare Andenkenan den ritterlichen Helden, Hermann von Salza,feierlich erneuernd.
Merkwürdig ist Thorn auch als Geburtsort desCopernicus, des Anatomen Sömmering (1754),welcher 1828 in Frankfurt am M. sein 59jähriges Doc-tor- Jubiläum feierte und daselbst 1836 starb, U.A.
Sansfouci,
das berühmteste und merkwürdigste Schloß bei Pots-dam wegen seines königlichen Erbauers und als des-sen Lieblingsaufenthalt — Friedrichs des Gro-ßen — hat seinen Namen daher erhalten, daß der-selbe, als er einst, dem Fenster seiner Studieistubegegenüber, sich eine Gruft errichten ließ, und imAnfange des Baues auf jenem Platze mit dem Mar-quis d'Ärgens spazieren ging, die bedeutungsvollenWorte sagte: ,,HukM<! )e serai 1^, je zerai 83N3zauci." — Am 14. April 1745 ward der Grundsteindazu gelegt und der ganze Bau bis 1747 vollendet,nachdem der Baumeister Dietrichs den 69 F. ho-hen Berg, welcher das Schloß tragen sollte, mit ei-ner Mauer umgeben und zu 6 Terrassen, jede 19F. hoch, gestaltet hatte. Schloß und Garten wur-den, nach den beiden ersten schlesischen Kriegen, ausSand- und Lehmbergen gleichsam hervorgezaubert,als der große König noch im Besitze seiner reichenSchätze war. Die Zeichnung zum Gebäude wurde,nach der eignen Idee Friedrichs, von dem Frei-herrn von Knobelsdorf, der vergrößerte Riß abervon dem Baumeister Dietrichs entworfen. DenBau selbst leiteten die Baumeister Boum ann undMärten, mit Hilfe der Konduktoren Bühring undHildebrandt. Eine Mühle stand dem ursprüng-lichen Plane des Schlosses und Gartens im Wege.