Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
101
Einzelbild herunterladen
 

L

Sandstein gepflastert ist; im Innern mit kostbarer Ein-richtung, wo die Thüren mit Elfenbein u. Ebenholzausgelegt sind, und gleich den Marmoitischen undWandgemälden, an den ehemaligen Reichthum derStadt erinnern, 1602 nach dem Muster des am-sterdamer durch Heinrich Strohband erweitertund verschönert; der sogenannte schiefe Tburm; derim gothischen Style erbauet« Dom; die Kirche desehemaligen Dominikanerklosters, mit dem prächtigenDenkmale der schwedischen Prinzessinn Anna, Sigis-munds III. Schwester, aus weißem und schwarzemMarmor, ist auch dadurch merkwürdig, daß sie 1343durch einen Mönch des grauen Klosters eine Orgel,die erste in Preußen, mit 22 Pfeifen erhielt; die evange-lische Iohanniskirche mildem Epitaphium desEo-pernicus; dessen Geburtshaus (den 19. Febr. 1473),welches noch 1826 ein Nachkomme seiner Familie, der89jährige ZeichenmeisterMatthesius, bewohnte, undmit Vergnügen die in seinem Besitze befindlichenMerkwürdigkeiten, das von dem großen Manne selbst,mit Hilfe eines Spiegels, eigenhändig verfertigteBild desselben:c. zeigte. Sehenswerth ist auch dieRuinedes alten Schlosses als Andenken an die Befesti-gungikunst der deutschen Ritter: ein großer Bogenvon kühner Bauart und ein Thurm.

Die Stadt ist gegenwärtig eine der stärkstenWeichselfestungen, besonders wichtig als Brücken-kopf, weil hier die einzig stehende Brücke, 1838 vomEisgang zerstört, von Polen abwärts auf der Weichselist, und sie überdieß die Weichsel vollständig sperrt, sodaß diese um so sicherer zum Transport von Kriegs-material bis zur Gränze benutzt werden kann. DieseBrücke wurde schon 1301 angelegt, 1372 aber in eineSchiffbrücke verwandelt und in späterer Zeit als Pfahl-brücke mit 48 Joch wiederhergestellt. Sie besteht aus 2Theilen, der deutschen und polnischen Brücke, die durcheine, Bazarkämpe genannte, Insel getrennt wer-den. Die deutsche Brücke ist von der Stadt biszur Insel 1246 F., die polnische 927 F. lang. Thornserste Befestigungswerke waren nur Mauern, Thürmeund Gräben; allein 1629 ließ Gustav Adolf mehreBastionen aufführen, und 1655 befestigten sie dieSchweden unter Karl Gustav noch mehr. Da-gegen bombardirte sie Karl XII. 1793 auf seinemZuge nach Polen. Diese Festungswerke sind in derneuesten Zeit sehr verstärkt worden. Thorn ist2 Meilen von der polnischen Gränze, 12 M. von Ma-rienwerder, 19M von Posen, 29M. von Danzig,26 M. von Warschau und 54 M. von Berlin entfernt.

Thorn ging aus der alten Burg Turno her-vor, welche schon bei der Ankunft der deutschen Rit-ter im Kulmerlande vorbanden war. Durch eineSchenkungsurkunde des Bischofs Christian wardsie Eigenthum des Ordens, und vom DeutschmeisterHermann Balk als Eingangspforte in das zuerobernde Land neu befestigt und von ihrer Bestim-mung spater Thorn genannt. Sie lag beim jetzi-gen Kirchdorf Altthorn, 1 Meile unterbalb derStadt Thorn, und war die erste Ritterburg inPreußen. Hierauf gründete 1231 eine Schaar deut-scher Ansiedler, unter dem Schutze der Burg unddes Ordens, die Stadt Thorn, welche von ihrerLage ein halbgeöffnetes Thor zu ihrem Wappen be-kam. Mit der gleichzeitig gegrünbeten Schwester-stadt Kulm erhielt sie 1233 ihre bürgerlich« Ver-fassung durch jene berühmte Urkunde, welche unterdem Namen der kulmer Handfeste bekannt ist.

8 8 1». 101

Wegen der unbequemen Lage, welche die Stadt häu-sigen Ueberschwemmungen aussetzte, ward sie 1235an den gegenwärtigen Ort verlegt. Die große St.Nicolaikirche ward vom Orden 1263 erbauet,und später den Dominikanern übergeben. Auchertheilte der Hochmeister Heinrich von Kniprode1365 derStadt dasStapelrecht. Thorn betriebden Handel zwischen Danzig und Polen, und machtesehr große und vortheilhafte Geschäfte; der Ackerbaublühte in der Umgegend, und selbst der Weinbauwurde eingefühlt. Der Landmeister Ludwig vonBaldersheim ward schon 1264 der Gründer derNeustadt, da die bequeme Lage des Ortes denVerkehr und Handel der neuen Stadt beförderte.Schon 1319 hatte sich eine Handelsgesellschaft ge-bildet, und man erbauete die Börse, ein gewölbtesGebäude am altstädtischen Markte, mit kleinen Thür-men lc. verziert. Zu Ende des 14.Jahrhunderts (1393)verwandelte man das hölzerne Rathhaus in ein mas-sives Gebäude. Thorn trat frühzeitig in den han-seatischen Bund und gehörte später, durch den Han-del immer volkreicher, blühender und angesehenergeworden, zu den 7 preußischen Städten (Danzig,Thorn, Kulm, Elbing, Marienburg, Marienwerderund Königsberg), welche an der Spitze desBürgerstandesin der Blüthenzeit des deutschen Ordens standen. Sienahm seit dieser Zeit an der Landesregierung Theil, undsuchte sich im Besitze der dem geschwächten und im Ver-fall begriffenen Orden abgeklungenen Privilegien undVorrechte durch den preußischen Bund zu behaup-ten, welcher 1449 in Marienwerber geschlossen wurde.Ehe es zwischen dem Lande und Orden zum Aus-bruch des Krieges kam, rüstete sich Thorn durcheine neue Befestigung, welche 1459 zu Stande ge-bracht war, und machte durch Ueberrumpelung desOrdensschlosses den Anfang zu jenem unglücklichenKriege, welcher 13 Jahre hindurch Preußens Wohl-stand zerstörte. Während dieses Krieges schützten be-waffnete Fahrzeuge den Handel zwischen Danzig undThorn, welches sogar 3999 Söldner in seinem Diensthatte, Echwetz eroberte und es an den König vonPolen gegen das näher liegende Birgelau vertauschte.Schon 1454 begab sich Thorn als Republik unterPolens Schutzherrschaft, und in ihren Mauern wurde1466 der Friede geschlossen, welcher den traurigenKrieg endete, ganz Westpreußen an Polen brachte,und den Untergang des Ordensstaates vorbereitete.Niemand hatte dieß mehr zu beklagen als Thorn.Die Stadt verlor seitdem ein Vorrecht nach demandern, und damit ihren Handel, ihre Schifffahrt,ihren früheren Reichthum und somit auch den Bei-namen der Schönen, welchen sie in den beiden er-sten Jahrhunderten geführt hatte. Damals zeichnetesie sich auch, neben Königsberg und Danzig, durchdie Pflege der Künste und Wissenschaften aus.Die Reformation fand hier frühzeitig eine gün-stige Aufnahme, und der König Sigismund II.August (154872) gab 155? den Evangelischendie Freiheit, ihren Gottesdienst lutherisch zu halten,und bestätigte sie im Besitze von vier Kirchen. Soblieb es bis zur Ankunft der Jesuiten in Polen,1582. Diese nisteten sich bald auch in Thorn ein,und nun war es um Ruhe und Freiheit geschehen.Unter Begünstigung des Hofes entrissen die Jesui-ten den Evangelischen ihre Kirchen, Rechte und Frei-heiten. In Folge dieser Unduldsamkeit und Be-drückungen kam es zu Unruhen und Angriffen der