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wahrend ihn der Magistrat zu Thorn zumPropst an der dortigen Iohanniskirche ernannte.Anfangs konnte er nicht so, wie er wünschte, sei-nen mathematischen Studien obliegen, theilswegen der mannichfaltigen Verdrießlichkeiten, wel-che er wegen seiner Beförderung erdulden mußte,theils wegen verschiedener Geschäfte, die er für dasBisthum oder Domkapitel in Streitigkeiten mit demOrden zu besorgen hatte. In den letzteren Fällenzeigte er sich stets als einen eifrigen Verfechter derRechte seines Stiftes, und ward dadurch dem Ordenso verhaßt, daß er deßhalb von demselben sogar ineiner Schmähschrift angegriffen wurde. Nachdem ersich endlich mehr Muße verschafft hatte, setzte er sichzur Richtschnur drei Lebensregeln vor: 1) stets seineAmtspflichten streng zu erfüllen; 2) jedem Armenunentgeltlich ärztlichen Beistand zu leisten und 3) alleübrige Zeit seinen Lieblingswiffenschaften zu widmen.So lebte er in stiller Zurückgezogenheit seinen Amts-pflichten, den Armen und seinen Studien, ohne sichum die Angelegenheiten des Bisthums oder Kapitelszu bekümmern, wenn er nicht dazu aufgefordertwurde, wo er aber auch dann mit Einsicht, Kraftund Muth zu handeln pflegte. So ward er 1521einstimmig vom Kapitel als dessen Abgeordneterauf den Landtag nach Graudenz gesendet, wo diewichtigsten Gegenstände verhandelt werden sollten.Ein Hauptgegenstand der Berathung war die Verbes-serung des Münzwesens. Es war nämlich währenddes 13jährigen Bundes-Krieges der Silbergehaltder Münzen sehr verringert (die Mark fein zu INMark) und kurz vor dem Landtage vom Hochmeisternoch mehr herabgesetzt worden. Es war daher dieFrage: „ob man den alten Münzfuß zurückführen,ober bei dem geringern verbleiben, und woherman Silber zum Münzen nehmen sollte, da dieKaufleute alles Silber in Barren für Gewürze nachPortugal schickten. Copernicus verfertigte deß-halb Vergleichungs- und Reductionstabellen des Wer-thes aller im Königreich Polen gangbaren Münzen,und übergab sie, mit verschiedenen Vorschlägen, dempolnischen Reichsrathe, welcher sie günstig aufnahm,jedoch als vor der Hand nicht anwendbar zu den Ak-ten legte. In Preußen erregten sie dagegen Miß-vergnügen und am meisten waren die 3 großen Han-delsstädte Danzig, Elbing und Thorn mit dem Vor-schlage des Copernicus unzufrieden, daß sie ihreMünzen an einem besonderen Orte unter obrigkeit-licher Aufsicht schlagen sollten.
Je wenigeres unserem Copernicus, diesen schwie-rigen Münzstreit, wegen des Eigennutzes jener Han-delsstädte, durch seine mühselige Arbeit, beizulegengelungen war, desto lieber zog er sich wieder zu sei-nen Studien und der ärztlichen Pflege der Armenzurück, welche ihn als ihren Schutzengel verehrten.Seine Arzneien bereitete er selbst und erlangte durchglückliche Kuren einen solchen Ruf, daß man ihnmehrmals, in dringenden Fällen, an den hochmei-sterlichen Hof nach Königsberg kommen ließ. Beidem Domkapitel stand er durch seinen Scharfsinnund seine Klugheit in solchem Ansehen, daß mani-hn jeder Zeit um Rath fragte und in Stiftsange-legenheiten wegschickte. Auch mußte er deßhalb häu-sig die Stelle des abwesenden Bischofs versehen,und nach dem Tode des Bischofs Fabian von Lo-sengen (1523) ward er vom Domkapitel, wie-wohl gegen seinen Willen, einstimmig zum Gene»
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ralvikar erwählt. In dieser Stellung gab er einensprechenden Beweis seines Muthes und seiner Stand-haftigkeit, indem er, unbekümmert um die Feind-schaft der Ordensritter und der polnischen Großen,welche selbst Drohungen und Verfolgungen anwen-deten, vom Könige von Polen einen Befehl auswirkte,nach welchem mehre Stiftsgüter, welche der Ordensowohl als einige Personen am Hofe sich angemaßthatten, von diesen ohne Weiteres dem Bisthumezurückgegeben weiden mußten. — Aber nicht blosin dem höheren Geschästsleben wußte sich der tiefeMathematiker als ein kluger und gewandter Mannzu bewegen; er verstand es auch, große, kunstvolleBauten auszuführen, wie die Wasserleitungen inFrauenburg und Graudenz davon Zeugniß geben.
Bei seinen mathematischen Arbeiten war eshauptsächlich die Erklärung des Weltgebäudes, welchesein Nachdenken und Forschen beschäftigte, da ei-nem so scharf denkenden Geiste, wie der seinigewar, die alte ptolemäische Weltordnung mit ihrenWidersprüchen durchaus nicht befriedigen konnte, under deßhalb auf eine naturgemäßere Darstellung derscheinbaren Bewegungen der Himmelskörper denkenmußte. Dazu kam noch die Abweichung der da-maligen Astronomen in ihren Beweisen von einan-der, wodurch Copernicus zuerst, wie er selbstsagt, veranlaßt wurde, diesem wichtigen Gegenstandeweiter nachzuforschen und wo möglich eine mit derWirklichkeit übereinstimmende Erklärung des Welt-gebäudes zu Stande zu bringen.(Beschluß folgt.)
Thorn,
Kreisstadt und Festung 2. Ranges im Regierungsbe-zirk Marienwerder, liegt am rechten Ufer der Weich-sel, über welche eine 2469 F. lange hölzerne Brückeführt, den jetzt zu ihr gehörigen Flecken Pobgorscham linken Weichselufer mit ihr verbindend, und wirdin die durch Mauern und Gräben getrennte Alt-und Neustadt getheilt. Die Einwohnerzahl belauftsich, mit Einschluß der Besatzung, auf 8 bis 9000,Katholiken, Evangelische und Juden. Die Stadttreibt einen beträchtlichen Holz- und Getreidehandel,und ihre Pfefferkuchen, Seife und Steckrüben, welcheden teltowern gleich geschätzt werden, haben einenausgebreiteten Ruf. Außerdem beschäftigt man sichmit Tuck-, Zeug- und Leinweberei, Starke- undPudeibereitung, Hutmacherei, Roth» und Weißger-berei. Auch ist die Stadt der Sitz eines Kreisam-tes, eines Land- und Stadtgerichts 1.Klaffe, einesInquisitoriats, eines Hauptzollamtes und einer Su-perintendent«»:. Als Festung hat sie eine Kommandan-tur :c., nach Verschiedenheit des Glaubensbekennt-nisses 2 evangelische und 3 katholische Kirchen, einNonnenkloster und eine Synagoge. Unterrichts- undWohlthätigkeitsanstalten sind; ein evangelisches Gym-nasium, mit einer Bibliothek und Buchdruckerei, einekatholische Stadtschule, früher Iesuitencollegium, einWaisenhaus,vier Elementarschulen, eine Mädchenschule,vier Hospitäler, ein Kranken-, Spinn- und Arbeitshaus.Von den übrigen öffentlichen Gebäuden (über-haupt 36) verdienen noch erwähnt zu werden: das bom-benfeste Kommandanturgebäude; das Rathhaus, einviereckiges Gebäude mit vier Eingängen, einem Hof inder Mitte, dessen Boden mit weißem, geschnittenem