L
Spanier die Stadt, öffneten das Grab des heil.Goar und schickten seine Gebeine nebst der Biblio-thek nach Spanien. Noch trauriger war St. GoarsSchicksal in den Kriegen mit Ludwig XIV., wodie Franzosen hier, wie überall am Rheine, mitvandalischer Zerstörungswuth hausten. MehrereFeuersbrünste und das Aufstiegen eines Pulverma-gazins 1758 thaten spater noch großen Schaden. —Die französische Revolution wirkte zuerst nachtheiligauf den Verkehr und Handel des Ortes, undder Revolutionskrieg brachte dann eine verderblicheVeränderung in alle Umstände und Verhaltnisse.Erst seitdem St. Goar preußische Kreisstadt ist, hates angefangen, mit neuem Leben zum alten Wohl-stand zurückzukehren.— Die stattliche Beste Rh ein-fels ward auch durch die Franzosen zur Ruine.Im Jahre 1692 belagerte sie Tallard vergeblich.Spater ward sie noch mehr befestigt und blieb indiesem Zustande bis 1794, wo sie sich einem franzö-sischen Corps auf die erste Aufforderung ergab undhierauf 1795 von den Franzosen gesprengt wurde. —Einen prachtvollen Anblick gewahrt St. Goar mitseinen Umgebungen bei Mondschein. Ein wenigunterhalb der Stadt öffnet sich das Mühlenthal vonWer lau, welches reich an malerischen Ansichtenist, und bei dem Dorfe, ^ Stunde vom Rheine, be-findet sich eine zugleich silberhaltige, reiche Bleimine.
2.
99
Nicolans Gopernieus.
Groß und herrlich stehen viele verdienstvolleManner in der Bildungsgeschichte des Menschenge-schlechts da, aber nur zwei, Colombo und Co-pernicus, ragen einzig und allein, durch kühnenGeist und Muth, über ihr ganzes Zeitalter hervor:der Erstere durch seine unerschütterliche Ueberzeugungvon dem Festlande der anderen Halbkugel unsererErde, der Andre durch seine richtige Erkenntniß undErklärung unseres Weltgebäudes, mag auch übri-gens Eolombo durch die Betrachtung von Be-haims Erdkugel, und Copernicus durch die Be-kanntschaft mit den alten Astronomen darauf gelei-tet worden sein. Beider Ruhm wird so lange dauern,als die Welt besteht, und sich so weit verbreiten,als Kultur und Humanität unter den Menschen. -—Copernicus gehört, seiner Abkunft nach, den Deut-schen, seinem Geburtsorte nach, Preußen an, und er hatein um so größeres Anrecht auf eine Ehrenstelle in derBorussia, als er nicht blos ein weltberühmter Astro-nom, sondern auch ein ausgezeichneter Mensch war.
Nicolaus Copernicus, geboren den 19.Februar 1473 zu Thorn, war der Sohn des Wund-arztes N. Köpernik, welcher sich 1463 in Thornniedergelassen und die Schwester des nachmaligenBischofs von Ermeland, Lukas Waißelrodt, ge-nannt von Alten, geheirathet hatte. Der Vaterwar aus Krakau gebürtig, aber seine Familie stammtewahrscheinlich aus Westfalen. Mit großer Sorgfaltnahm sich der mütterliche Oheim seines talentvol-len Neffen, des jungen Köpernik an, wel-cher spater, nach damaliger Gelehrten-Sitte, alser zu schreiben anfing, seinen deutschen Namen inden lateinischen Copernicus verwandelte. Nach-dem er sich, auf der Schule zu Thorn, durch dasStudium der Alten, gehörig vorbereitet hatte, wid-mete er sich der Arzneikunde auf der Universität zu
Krakau. Von früher Jugend auf fühlte er großeNeigung zur Mathematik, und studirte sie daher,neben der Medicin, Philosophie und alten Philolo-gie, mit beharrlichem Eifer, obgleich damals nochsein Hauptfach die Medicin war, in welcher er auchdie Doctorwürde erlangte. Damals hörte er auch mitbesonderem Vergnügen die astronomischen Vorlesun-gen Brudzewskis, was ihm nicht nur den nähe-ren Umgang mit diesem Mathematiker verschaffte,sondern ihn auch mit den Namen und dem RuhmePeurbachs (aus Peurbach in Oberöstreich, geb. 1423,-1/1461) und Regiomontans (aus Königsberg inFranken, geb. 1436, -1/1476), dieser Wiederherstel-let der Astronomie in Deutschland, selbst aller wah-ren Astronomie in Europa überhaupt, näher bekanntmachte. Der große Ruhm dieser Männer, vornehm-lich Regiomontans, siel, wie ein elektrischer Fun-ken, auf sein astronomisches Genie und trieb ihnunwiderstehlich auf die Bahn zur Unsterblichkeit, in-dem er sich diese Männer zu Mustern nahm, undsich auch durch den Wetteifer mit einigen Jugend-freunden anspornte. Am meisten strebte er nach demRuhme des Mannes, welcher den Himmel sorgfältigerbeobachtet und besser gekannt hatte, als alle seine Vor-gänger; den Rom zu sich rief, um von ihm zu leinen,und für seine Verdienste im Pantheon begrub; —den Deutschen Regiomon tan (Johannes Müller).
Nachdem Copernicus unter den mathemati-schen Wissenschaften, außer der Astronomie, sich be-sonders mit der Perspektive beschäftigt hatte, derenRegeln er durch Uebung im Zeichnen und Malenin Anwendung brachte, und Polen und Preußen sei-nem wißbegierigen Geiste keine Gelegenheit zu höhererKenntniß in seinen Lieblingswissenschasten darboten,faßte er den Entschluß, eine Reise nach Italien zumachen, wo damals Künste und Wissenschaften involler Blüthe standen. Zwei Jahre nach seiner Rück-kehr von Krakau hatte er noch in Thorn zugebracht,und reiste hierauf, 23 Jahr alt, zuerst nach Bo-logna, wo damals Dominicus Maria Novarradie Astronomie mit großem Beifall lehrte. Diesergewann unsern Copernicus wegen seines wissen-schaftlichen Geistes bald so lieb, daß er ihn nichtals seinen Schüler, sondern als Freund undGehilfen behandelte und an allen seinen Beob-achtungen Theil nehmen ließ. Großen Nutzen zogCopernicus aus seiner Fertigkeit im Zeichnenund Malen, indem er sich von allen interessantenGegenständen Zeichnungen und Bilder machte. InBologna beobachtete er auch, wie er selbst erzählte,den 9. März 1497, um 11 Uhr des Nachts,eine Bedeckung desAldebaran durch den Mond.
Von Bologna wendete er sich nach Rom, woer die Zeit seiner Ankunft durch die Beobachtungeiner Mondfmsterniß, die er am 6. Novbr. 15Wmit großem Fleiße anstellte, selber bezeichnet hat.Hier rechtfertigte er den vorausgegangenen Ruf indem Grade und erwarb sich in kurzer Zeit eine sohohe Achtung, daß man ihn fast dem Regiomon-tan gleich schätzte und ihm eine mathematische Lehr»stelle übertrug. Seine öffentlichen Vorlesungen vorKünstlern, Gelehrten und verschiedenen hohen Per-sonen wurden zahlreich besucht und fanden allgemei-nen Beifall. Nach einigen Jahren kehrte er jedochin sein Vaterland zurück.
Unterdeß war sein Oheim Bischof geworden, undverlieh ihm eine Domherrnstelle zu Frauenburg,