Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
98
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folgte der Einmaisch einer russisch-preußischen Armee.Den 2. Septbr. 1772 machte der russische GesandteRepnin den 1. Theilungsplan Rußlands, Preußensund Oestreichs bekannt, und der Reichstag mußteden 18. Septbr. 1773 den schon vollzogenen Thei-lungstraktat bestätigen. Polen verlor 3400 ^Meilen,wovon Preußen Polnisch- ober Westpreußen, außer Dan-zig und Thorn,und den Netzdistrikt, Marienburg, Erme-land, Michelau und Kulm erhielt. Seit 1775 gab Ruß-land eine neue Regierungsform und der russische Ge-sandte herrschte in Warschau. Um dem nahen Untergangdes Staates noch vorzubeugen, traten 1790 die Pa-trioten zusammen, und unter ihnen entwarf IgnazPotocki eine neue Verfassung des Reichs, durchein Schutzbündnis^ mit Preußen ermuthigt, welchesjedoch für die Garantie der Konstitution vom 3. Mai1791 Danzig und Thorn verlangte. Nach dersel-ben sollte künftig der Thron erblich und dem Kur-fürsten von Sachsen übertragen werden; dieser lehnteihn jedoch, unter den obwaltenden Umstanden, weis-lich ab. Rußland unterhielt die Uneinigkeit und be-wirkte 1792 die Konföderation zu Targowitz unterFelix Potocki für die alte Verfassung. Der Kö-nig leistete anfangs mit Kosciuszko Widerstand;als aber die targowitzer Konföderirten Rußlands Schutzanriefen, schloß er sich denselben an, ohne für dieRettung des Staates Etwas thun zu können. Unterdem Vorwande, die Parteienwuth zu unterdrücken,ließ der König von Preußen abermals Truppen ein-rücken und Danzig, Thorn und Posen wegnehmen,indem er zugleich mit Nußland erklärte,daß, dadie Gefahr von den eignen Gränzen abgewendet wer-den müsse, es nothwendig sei, der Republik Polenengere Gränzen zu ziehen, worüber sofort ein Reichs-tag berathen solle." Dieß geschah und es erfolgtedie 2. Theilung Polens zwischen Rußland und Preußen.Durch den Cessions-Vertrag von Grodno, den 3. Sept.1793, siel der größte Theil Großpolens mit Danzig undThorn an Letzteres, jedoch mit Verzichtung auf wei-tere Ansprüche und Garantie des noch übrigen Po-lens. Gegen diese 2. Theilung und Rußlands fort-dauernde Herrschaft erhoben sich, im März 1794, dieVaterlandsfreunde unter Kosciuszko, Madalinskiund Dombrowski, und nöthigten die russischenTruppen das polnische Gebiet zu räumen; alleindie Polen unterlagen bald der Uebermackt ihrerFeinde, und der ungleiche Kampf endete 1795 mitder 3. und gänzlichen Theilung Polens zwischen Ruß-land, Oesterreich und Preußen. Das Letztere erhielt dasübrige Großpolen bis an die Weichsel- Südpreußen Warschau und Neuostpreußen zwischen Bug undNiemen. Die preußische Regierung that zwar einerSeits alles Mögliche, den traurigen Zustand ihrerpolnischen Besitzungen zu verbessern, andrer Seits aberauch manche Mißgriffe, welche die schon verletztepolnische Nationalität noch mehr kränkten. Als da-her Napoleon 180? in Polen einrückte, ergriff Preu-ßisch-Polen, von ihm aufgerufen und mit der Hoff-nung auf Polens Wiederherstellung geschmeichelt,sogleich für ihn die Waffen, und im tilsiter Frieden189? mußte Preußen überdieß diese polnischen Er-werbungen wieder abtreten. Napoleon errichtetedaraus das Herzogthum Warschau und gab es demKönige von Sachsen, welchem diese Verbindung mitPolen eben so wenig, als die frühere, zum Vor-theile gereichte. Dieses Herzogthum erhielt eine derfranzösischen ähnliche Versassung, nach welcher die

Leibeigenschaft aufgehoben und das französische Ge-setzbuch eingefühlt wurde, litt aber sonst, so viel auchdie sächsische Regierung that, unter französischen Be-drückungen jeder Art. Indessen erhielten sich dochdie in den Departements Posen und Bromberg er-richteten Tuch- und Linnenmanufakturen. Na-poleons Krieg mit Oesterreich 1899 vermehrte dieNoth des Landes, erweckte aber neue Hoffnungen,welche durch die Vergrößerung des Herzogthums mitWestgalizien zum Theil in Erfüllung gingen. In-dessen war der einmüthige Wunsch aller Polen dieHerstellung des alten Königreichs Polen unter einemeingebornen König. Napoleon schmeichelte ihrerHoffnung damit, daß er seinen Krieg gegen Ruß-land 1812 den 2. polnischen nannte. Das Herzog-thum rüstete über 89,090 Mann aus, ward abereben so grausam als die ganze polnische Nation vonNapoleon getäuscht. Nach dessen Sturze kam dasHerzogthum unter russische Verwaltung. Auf demwiener Kongresse ward 1815 aus dem ehemaligenNetzdistrikte und einem Theile Großpolens, dasGroßherzogthum Posen für Preußen gebildet undnach der Hauptstadt Posen genannt. Mit landesvä-terlicher Liebe sorgte seitdem die preußische Regierungfür alle Bedürfnisse des Landes, und beförderte denWohlstand desselben durch Aufmunterung des Acker-baues, der Gewerbe, des Kunststeißes und Handels.

St. Goar und die Beste Rheinfels.

(Beschluß.)

Aus Dankbarkeit schenkte der Kaiser dem h. Goarden Hof von Näsen und ließ ihm eine Kirche nebstKloster bauen. Dabei entstand durch Anbau derOrt; das Kloster aber wurde 1137 in ein Domstiftverwandelt. Reichlichen Erwerb gab dem Ortespäter der Lachsfanq, welcher schon 1418 ein Regalwar und in guten Jahren 8000 Pfund abwarf. Auchdie Tempelherren ließen sich in St. Goar niederund hatten daselbst einen Tempelhof, wie mannach ihnen auch einen Tempelplatz benannte.

Graf Dielher III. von Katzenelnbogenward vom Kaiser Friedrich II. mit dem Rheinzollvon St. Goar beliehen, und erbauete zu dessen Si-cherung 1219 die Veste Rheinfels. Die rheini-schen Städte waren aber dagegen und belagerten sie1225, jedoch vergeblich. Sie verbündeten sich deß-halb noch mit andern Städten, und so kam 1247der rheinische Städtebund zu Stande, 1255vom Kaiser Wilhelm von Holland bestätigt, durchwelchen die meisten Raubschlösser am Rheine zerstörtwurden. Rhcinfels ward der Sitz der Grafender niedern Grafschaft Katzenelnbogen, welche 1470mit Philipp dem Aeltern ausstarben. Durch seineTochter Anna, Gemahlinn des Landgrafen Hein-rich IV., kam es mit allen übrigen Besitzungen anHessen, welches hier die neue Linie Hessen-Rheinfels stif-tete, aber erst noch einen 59jährigen Prozeß mit Nassaudarum führen mußte. Die Stadt Goar war schonvon den Aebten von Pcüm an die Grafen vonKatzenelnbogen verpfändet worden, und der KurfürstJakob von Trier verkaufte sie an Hessen, als erVerweser von Prüm war.

St. Goar und Rheinfels haben in allenKriegen viel gelitten, deren Schauplatz die schöneRheingegend war. Im Jahre 1626 eroberten die