Muleum kür preuhilrhe ilaterlandskunde.
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Lief. KI.
Paderborn,
gleichnamige Kreisstadt im Regierungsbezirk Minden,unweit der Lippe und Ems, zwischen dem teutobur-ger Walde und Rothlagergebirge, an der Pader,welche unter dem Dome aus 5 Hauptquellen mitsolcher Stärke hervorquillt, daß sie 20 Schritte da-von schon Mühlen treibt und Kähne trägt, zwareng, finster und winkelig gebauet, aber ausgezeich-net durch ihre angenehme Lage, den herrlichenDom und andere Gebäude, sowie höchst merkwür-dig durch ihr hohes Alter und große Erinnerungenaus der germanischen und christlichen Vorzeit, hatgegenwärtig eine Bevölkerung von 8500 Einwohnern,meist Katholiken, in 920 Häusern, 1 Vorstadt, 5Thore, 2 öffentliche Plätze, 4 katholische Kirchen, 1evangelische Kirche, 1 Synagoge, 1 Theater, IPriesterse-minar, 1 katholisches Gymnasium, 2 Freischulen fürarme Knaben und Mädchen, 2 Mönchsklöster, de-ren eines noch fortbesteht, während das andere zurAufnahme alterschwacher Pfarrgeistlichen dient, 1Nonnenkloster zu St. Michael mit einer Erziehungs-anstalt für arme Mädchen, mit welcher eine höhereTöchterschule verbunden ist, 1 Hebammeninstitut,I Waisenhaus, 1 Provinzialkrankenhaus ?c. Auchbefindet sich hier ein Verein für Geschichte und Al-terthümer Westfalens. Außerdem ist die Stadt der Sitzeines Bischofs nebst Domkapitel, eines Oberlandesge-richts, eines Landrathamtes, eines Hauptzollamtes, einesLand- und Stadtgerichts, eines Inquisitoriats und einesRentamtes. Die Hauptnahrungszweige der Einwohnersind Ackerbau, Viehzucht, Bierbrauerei, Branntwein-brennerei, Tuch- und Leinweberei nebst einigen Stärke-und Tabacksfabriken. Paderborn ist 8 Meilen vonMinden und 58 M. von Berlin entfernt.
Unter den Kirchen steht der Dom obenan, des-sen majestätisches Innere bei der Abbildung (s. Bor.Bd. II. S. 190) bereits beschrieben worden ist. SchonKarl der Große bauete 77? eine Kirche, welcheaber noch in demselben Jahre von den heidnischenSachsen wieder zerstört wurde. Die spätere Dom-kirche, mehrmals durch Feuersbrünste eingeäschert,ward hierauf 11.33—43 vom Bischöfe Bernhard I.von Orsede, größtentheils in ihrer jetzigen Gestalt,weit fester und prachtvoller als zuvor, wieder auf-gebauet. Sie ist 360 F. lang und 100 F. breit,wird durch 12 gewaltige Säulen in 3 Schiffe getheilt,und bildet mit 2 Quergebauden die beliebte Kreu-zesform. Die unter dem erhöheten Chor befindlicheKrypta stammt aus dem 10. Jahrhundert. DasSchönste, was die Außenseite des Domes zeigt, sinddie 2 großen Bogenthüren der Nord- und Südseite,Auch der Kreuzgang enthalt manches schöne Denk-mal der Bau- und Bildhauerkunst aus verschiede-nen Jahrhunderten. — Im hohen Chor werden dieirdischen Ueberreste des Bischofs Liborius, welcheman 836 aus Frankreich dahin brachte, in einem
silbernen, stark vergoldeten Sarge aufbewahrt. Un-ter den vielen Kostbarkeiten und Schätzen des Do-mes befanden sich sonst auch die goldnen Bildnisseder 12 Apostel. — Die gegenwärtige busdorferKirche ist ein Werk des 15. Jahrhunderts. — Dieehemalige Iesuitenkirche, jetzt Gymnasial-, Semi-nar- und Pfarrkirche, von dem als Geschichtsforscherund Dichter bekannten Fürstbischöfe Ferdinandvon Fürstenberg 1682 erbauet, ein Prachtgebaudeim Geschmacke jener Zeit, siebt zugleich in Verbin-dung mit dem ehemaligen Iesunencollegium, jetzi-gen Gymnasium, in welchem gegen 400 Schülervon 18 Lehrern unterrichtet werden, und wozu einetheologische und philosophische Facultät, 1592 alsUniversität von dem Fürstbischöfe Theodor vonFür-stenberg gestiftet, vom Papst Paul V. und Kai-ser Matthias bestätigt und 1623 feierlich einge-weihet, nebst einem bischöflichen Seminar für 50Zöglinge als künftige Psarrgeistliche, gehört. — DerFürstbischof Ferdinand gründete auch das Fran-ziskanerkloster mit einer schönen Kirche, so wie einKapuzinerkloster. In das später gestiftete Kapuzi-nessenkloster ist in neuern Zeiten das am Endedes vorigen Jahrh, gegründete Hospital, mit wel-chem man das Hebammeninstitut vereinigt hat, ver-legt und die Verpflegung der Kranken von den barm-herzigen Schwestern übernommen worden. —Die Gaukirche ist die älteste Pfarrkirche. Die Be-nediktiner-Abtei Abdinghof ward 1803 aufgeho-ben, die Klostergebäude zur Kaserne und die Äbtei-kirche zu Pferdeställen eingerichtet.
Es giebt in Paderborn auch einige interessantePrivatsammlungen von Alterthümern, Naturalien,Gemälden und Münzen. Merkwürdig sind auch dieQuellen der Pader, welche Sommer und Winter8" Ne»!im. Wärme enthalten und daher im Win-ter desto stärker dampfen, je größer die Kalte ist.Die Pader entspringt am Fuße der Anhöhe, aufwelcher der Dom steht, aus fast 300 Quellen, die4Flüßchen und 1 Bach bilden, innerhalb der Stadt9 Müh!en treiben, und beim Ausflüsse aus dersel-ben sich in einen Fluß vereinigen, welcher bei demFlecken Neuhaus, 1 St. von Paderborn, in derNähe des ehemaligen Residenzschlosses, welches jetzteine Caoaleriekaserne ist, in die weit kleinere Lippefließt. Diese hat ihre Quellen bei Lippspring, 1.^Stunde von Paderborn, nahe bei den malerischenRuinen einer ehemaligen Tempelherrenburg und derin neuern Zeiten berühmt gewordenen Heilquelle,deren Ruf bald Badegäste aus der Nahe und Ferneherbeizog. Diesen dienen die vielen merkwürdigenPunkte der schönen Umgegend zu angenehmen Aus-flügen, namentlich der teutoburger Wald, in wel-chem die römischen Legionen unter Varus, 9 nachChristus, vom Cherusker-Fürsten Hermann (Ar-minius) gänzlich vernichtet und die Deutschen vomRömer-Joche befreit wurden; wo noch jetzt das Win-