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erwähnen, daß 1652 in Neisse 42 (?) als Hexenangeklagte alte Weiber verbrannt wurden. —
Im eisten schlesischen Kriege vertheidigte derOberst von Roth die Festung so tapfer, daß sichFriedrich, nach einer heftigen Beschießung, begnü-gen mußte, sie einzuschließen, und so ging sie, vomBischos von Breslau, dem Kardinal von Sinzen-d orf, mit Geld und Lebensmitteln versorgt, erst den31. Oktober 1741 durch Kapitulation über. Daherbezeichnete ein erleuchtetes Gemälde bei der allgemei-nen Landeshuldigung in Breslau den ?. Nov. dieverschiedene Einnahme der schlesischen Festungen also:Glog au im Schlafen, Vrieg im Wachen, Bres-lau im Lachen, Neisse im Krachen. Erst den18. März 1743 empfing der General von Marwitzzu Neisse im Namen des Königs den Huldigungs-eid der Oberschlesier. Die katholischen Neisser blie-ben aber den Preußen abgeneigt, und machten so-gar im 2. schlesischen Kriege den Anschlag, die ge-sammte Einquartirung an einem bestimmten TageAbends 9 Uhr zu ermorden, und die Festung denOestreichern zu übergeben; nur die Liebe eines Dienst-mädchens zu einem Tambour, welchem sie jenenMordanschlag wenige Minuten vor der Ausführungverrieth, rettete die Preußen von diesem grausamenSchicksale. Der Tambour schlägt sogleich General-marsch, die Soldaten eilen auf ihre Sammelplätzeund erfahren da den schauderhaften Mordplan derEinwohner. Zur Strafe mußte seitdem jeden Abend von9—19 Uhr das sogenannte Armesünderglöckchen geläu-tet werden, bis eine spätere Verordnung die Dauer aufeine Viertelstunde beschränkte, wie jetzt noch zumAndenken geschieht. — Durch einen Verrath an-derer Art ward Neisse, wie Einige erzählen, die nächsteVeranlassung zu Friedrichs Austritt aus demMaurerbunde. In der von ihm selbst gestiftetenLoge, welcher er als Meister vorstand, ward der In-genieur-General Wallrabe, dem der König dieVerbesserung der schlesischen Festungen übertragenhatte, als Verräther der Festungspläne durch denGeneralpostmeister angezeigt, welcher seinen Brief-wechsel mit dem Fürsten Kaunitz in Wien ent-deckte, an den er eben den Festungsplan von Neisseverkaufen wollte. Der König ließ die Loge zusam-menkommen und forderte ein freiwilliges Geständnißdes Verbrechers, indem er ihm Verzeihung zusicherte.Als sich aber Niemand meldete, schloß er die Logemit der Erklärung, daß er den Hammer nie wie-der führen werde, da er das Strafamt gegen einenBruder übernehmen müsse. — Auch war es in Neisse,wo ein preußischer Soldat das Marienbild bestahl,und bei der Untersuchung aussagte, Maria habeihm ein Geschenk gemacht, wie der Beherrscher Dio-nysius von Svrakus den Schmuck aus den Händender Götter nahm, indem er gleichfalls sagte, er em-pfange denselben von ihnen als ein Geschenk, wel-ches nicht anzunebmen thöricht sei, da man die Göt-ter täglich um Gaben bitte. — Friedrich fragtedie Geistlichkeit, ob es möglich sei, daß Maria demSoldaten ihren Schmuck selbst geschenkt habe, wiejener behauptete. Die Geistlichkeit bejahte es, und
der König begnadigte den Soldaten, verbot ihm aberbei Todesstrafe, künftig von Maria Gaben anzu-nehmen. —
Im 7jährigen Kriege ward Neisse 1758 imSept. vom General Harsch mit 29,999 Oestreichernvergeblich belagert, da sie der König schon im Okt.wieder vertrieb. Merkwürdiger wurde Neisse durchdie Zusammenkunft Josephs II. mit Friedrich II.den 25. Aug, 1769, wo beide Monarchen sich vielSchönes sagten, und der König den Kaiser mit denWorten empfing: „Dieser Tag ist der schönste mei-nes Lebens; denn es werden sich Staaten von nunvereinigen, die nur zulange Feinde waren, und diesich lieber hätten beistehen als aufreiben sollen;" wor-auf Joseph mit einem Seufzer erwiederte: „Undfür Oestreich giebt es kein Schlesien mehr!" — AlsFriedn ck seinen hohen Gast im Schlosse die Treppehinaufführen wollte, weigerte sich der Kaiser voran-zugehen. Indem sich beide Monarchen herumdrehe-ten und Keiner zuerst gehen wollte, sagte endlichder Kaiser zum Könige: „O Sire, wenn Sie an-fangen mit mir zu manöuriren; so ziehe ich denKürzern und ich muß gehen, wohin Sie mich na-ben wollen," und damit ging er voran. — Beider großen Tafel, zu welcher die vornehmsten Offi-ziere eingeladen wurden, sollte sich der General Lau-don untenan setzen; Friedrich rief ihm aber zu:„Kommen Sie, Herr General Laudon, setzen Siesich hierher; ich habe Sie alle Zeit lieber mir zurSeite, als mir gegenüber." —
Schwere Leiden trafen die Stadt 1897 durchdie französische Belagerung, welche den I.März be-gann und den 16. Juni mit der Uebergabe endete,nachdem der wackere Kommandant, General Steen-sen, unterstützt von dem gleich braven Artillerie-Ober-sten Wernitz und dem Ingenieur-Major Harway,mit 1<^9,999 Schüssen 89,999 der Belagerer beant-wortet hatte, und die gleich anfangs schwache Besatzungdurch Krankheiten und Tod zusammengeschmolzenwar, ohne daß der gehoffte Entsatz ankam. Auchhatte die Stadt durch das feindliche Feuer einige ih-rer schönsten Gebäude, namentlich das ehemaligeJesuiten-Collegium und die prächtigen Thürme derIesuitenkirche verloren, und an ihren Privathäu-sern sehr viel gelitten, während Krankheiten undTod unter den Bürgern, wie unter den Soldaten,und Mangel an Arznei und Lebensmitteln immermehr überband nahmen. — Erst am 23. Nov. 1898verließen die Franzosen Neisse wieder. — In Folgeder neuen Organisirung des preußischen Staates, nachdem unglücklichen Kriege, trat auch in Neisse 1899 dieneue Städteordnung in's Leben, und 1819 wurde derBischof für den Besitz des Fürstenthums Neisse mitbaaren Einkünften entschädigt, und die Verwaltungdesselben von der königlichen Regierung übernommen,während in demselben Jahre die Aufhebung des Kol-legialstiftes und der 3 vorbandenen Klöster erfolgte. —Mit Begeisterung nahm Neisse am BefreiungskampfeTheil und von Jahr zu Jahr wuchs, nach über-standenen Drangsalen, mit der Bevölkerung seinWohlstand.
Hierzu als Beilagen:
1) Hans Joachim von Zielen. 2) Friedrich der Große, nach der Schlacht beiKunersdorf.
3) Neisse.
Verlag von Eduard Pietzsch u. Comp, in Dresden. — Druck von B. G. Teubnei in Dresden.