Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
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eine kleine, aber schätzbare Sammlung von Gemäl-den und anderen Kunstseltenheiten eines Privatman-nes befindet. Vor der Stadt liegen die Pul-vermühle, 1 große Ziegelei, 1 Holzflößerei und dasBad Heinrichsbrunnen, 1819 von dem Iustiz-kommissär Görlich in Neisse errichtet. An der Straßenach Grottkau steht auf dem Kapellenberge, seit1816, ein gußeiserner Obelisk mit Marmorfuße zumAndenken an die im Befreiungskriege gefallenen Va-terlandsveriheidiger aus den Kreisen Neisse und Grott-kau, und zwar auf derselben Stelle, wo der Pfar-rer und Canonicus von Neisse, nachmaliger Fürst-bischof Sebastian von Roh stock, ein Denkmalseiner Befreiung aus schwedischer Gefangenschaft er-richtet hatte, welches aber die Franzosen 1867 muth-willig zerstörten. Neisse ist 2 Meilen von der öst-reichischen Gränze, 1.^ M. von Ottmachau an derNeisse in einer der schönsten Lagen Schlesiens, 7 M.von Oppeln, 8M. von Glatz, II M. von Breslcmund 56 M. von Berlin entfernt.

Neisse, eine der ältesten Städte Schlesiens,von deutschen Ansiedlern im 16. Jahrhunderte (966 ?)mit deutscher Verfassung und deutschem Rechte an-gelegt, gehörte schon im 12. Jahrhunderte zu den-jenigen Städten, aus denen man Rechtsvorschriftenholte. Bei einer Landestheilung, welche die SöhneBoleslavs des Langen 1178 machten, erhieltIaroslav Oppeln und Neisse. Dieser ward 1198Bischof von Bceslau, und als solcher bestimmte erhierauf die Stadt mit ihrem Gebiete zum Eigen-thume des Bisthums. Sie befand sich unter demKrummstabe sehr wohl, erbauete Kirchen und Klöster,hatte ihre eigne Stadtmiliz und einen lebhaften Ver-kehr, welcher auch Juden herbeizog, ohne jedochzu einer besonderen Vedeutendheit zu gelangen. Siewar fast jedes Mal der Zufluchtsort der Fürstbischöfeund ihrer Domherren, wenn sie bei ihren Streitig-keiten in's Gedränge kamen. Uebrigens theilte sie dieallgemeinen Schicksale des Landes durch Krieg, Pest,Mißwachs, Theuerung, Hungersnoth und Brand-unglück. Im Streite Heinrichs IV. mit demBischof Thomas II. (127482) ward Neisse vonErsterem belagert, erobert und geplündert; aber nochauf seinem Sterbelager ertbcilte er 1296 dem Bi-schöfe das vollkommene herzogliche Recht über Neisse,so daß derselbe landesherrliche Gewalt darüber hatte.Bald hätte auch Bischof Nanker ein solches Un-glück über die Stadt gebracht, da er sich, nack sei-nem Bannfluche über König Johann von Böh-men, nach Neisse in Sicherheit begab; aber glücklicherWeise für die Stadt, achtete der König, des Bannesnicht und Na nker lebte ruhig in Neisse bis anseinen Tod 1352. > Im Hussitenkriege verthei-digte sich die Stadt 1428 tapfer und glücklich, indemder Pfarrer und Schulmeister geharnischt an derSpitze der Bürger fochten. Wie anderwärts, muß-ten die Juden auch hier 1443 eine grausame Ver-folgung erleiden. Mit den übrigen Schlesiernblieben die Neisser erklärte Feinde der hussitischenBöhmen, und kämpften daher auch 146? mit denVreslaucrn gegen Georg Podiebrad, wiewohlder friedfertige Bischof Iodocus von Rosenbergsich in Neisse aufhielt und auch daselbst starb.Wahrend des Krieges zwischen Polen, Böhmen undUngarn hielt der Kardinal Marcus, zur Vermit-telung des Friedens, 1473 einen Landtag in Neisse,

aber ohne Erfolg. Traurig merkwürdig ward 149?der Fürstentag zu Neisse, als die beiden Brüder Jo-hann und Nikolaus II. von Oppeln mit anderenschlesischen Herzogen hier versammelt waren, undder Letztere, seine Gefangennehmung von den Uebri-gen fürchtend, in einem Anfall von Wuth den Her-zog Kasimir von Teschen und den Bischof Jo-hann von Roth mit seinem Dolche angriff, ohnesie jedoch zu todten. Die Fürsten übergaben den-selben hierauf als einen Verbrecher dem Stadtge-richt zu Neisse, welches ihn ohne Weiteres zumTode verurtheilte, und auf öffentlichem Markte hin-richten ließ. Die Reformation fand in Neisse, wiein ganz Schlesien, sogleich eine günstige Aufnahme,da sich die Geistlichen durch Unwissenheit, Sitten-losigkeit, Hab- und Herrschsucht Haß und Verach-tungzugezogen hatten und die Bischöfe Johann vonRoth, Thurzo, Jakob von Salza und Kasparvon Log au der Einführung derselben keine Hinder-nisse in den Weg legten. Die Schule in Neisseward frühzeitig mit evangelischen Lehrern besetzt, undder Bischof Jakob von Salza selbst ließ 12 Kna-ben darin unterrichten. Auch legte man 1561 eineBuchdruckerei daselbst an. Von gleich milder Ge-sinnung war auch der Bischof Gerstmann (1574bis 85), und so lebten die beiden Religionsparteienfriedlich neben einander. Allein unter dem BischofJohann von S i tzsch, seit 1666, begann schon dieReligionsverfolgung, und die Stadt Neisse mit ih-rem Gebiet mußte dieß schmerzlich empfinden, indemman hier schonungslos den Evangelischen ihre Kir-chen nahm. Noch größer ward dieser Druck unterseinem Nachfolger, dem Erzherzog Karl, BruderKaiser Ferdinands II., seit 1668: er erlaubte denEvangelischen nicht einmal, eine neue Kirche zu bauen,sondern befahl ihnen, sich zu seiner Pfarrkirche zuhalten. Diese gesteigerte Religionsbedrückung bewirkteendlich 1616 einen Tumult in Neisse, und in Folgedesselben verbot der Bischof allen evangelischen Got-tesdienst, verweigerte den Evangelischen das Bür-gerrecht, erschwerte ihnen allen Verkehr, und ver-sagte ihnen auch ein ehrliches Begräoniß. Die-ser traurige Zustand der Dinge dauerte nicht nurfort, sondern ward noch durch die Leiden des 36jäh°rigen Krieges verschlimmert. Der Markgraf JohannGeorg von Iägerndorf besetzte zwar 1619 Neisse,entließ den katholischen Stadtrath, und führte inder Pfarrkirche den evangelischen Gottesdienst wiederein; allein dieß wahrte nur kurze Zeit, und scha-dete den Evangelischen mehr, als es ihnen nützte, dader Markgraf, in Folge der Kriegsunfälle, die Stadtnach einer harten Brandschatzung verließ, und derBischof hierauf 1622 den Evangelischen nicht alleinihre Kirchen wieder nahm, sondern bei seiner Rück-kehr 1623 ihnen nur die Wahl ließ, entweder ka-tholisch zu werden oder auszuwandern. Im Jahre1627 erschien Wallenstein mit 46,066 Mann beiNeisse, und vergrößerte das Elend durch Raub, Plün-derung und Kriegssteuern. Der Religionsdruck imFürstenthum Neisse, wie in ganz Oberschlesien, wounter L eop old I. keine gemischte Ehe geschlossen wer-den durste, wenn nicht der evangelische Theil ka-tholisch wurde, blieb bis zur Eroberung Schlesiensdurch Friedlich den Großen, welcher die Evan-gelischen unter seinen Schutz nahm und die Katho-liken bei ihren Rechten ließ. Zur Geschichte desAberglaubens ist noch aus dem 17. Jahrhunderte zu

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