Muleum lür preuhilche ^aterlandskunde.
Band ^>»
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Hans Joachim von Iieten,
kdnigl. preußischer General der Cavalerie.
Vertraue, wenn auf hochgethürmten WogenDer Sturm Dein Lebenssckiff im Kreise treibt,Und keine Aussicht Dir zur Rettung zeigt,Del eig'nen Kraft, sie hat noch »ie betrogen!Adalbert vom 3h»l«.
In der Iugenbgeschichte berühmter Männerliegt für den aufmerksamen Beobachter des mensch-lichen Thuns ein reichhaltiger Stoff zu Betrachtun-gen. Wer im Schoose des Glücks geboren wird,wer schon beim ersten Auftreten in der Welt durchZufall oder persönliche Verhältnisse sich begünstigt!sieht, dürfte selten zu der Höhe sich emporschwingen, !welche ihm die Bewunderung künftiger Geschlech-!ter sichert. Aber Widerwärtigkeiten verschiedener Art lstählen die Kraft und den Muth; durch die öftere,Reibung mit feindseligen Elementen entzündet sich!der göttliche Funke im Menschen, und vom Ehr-!geiz zur mächtigen Flamme angefacht, beleuchtet erdie dunklen Pfade des Erdenlebens. Nur der Schwäch-!ling beugt sich vor der Macht widriger Verhältnisse,!der Starke hingegen sucht sie zu überwinden, undwird fast immer siegreich aus dem Kampfe gehen,wenn Vernunft und Tugend seine Schritte leiten.
Zu den edelsten und erbabensten Erscheinungeneiner Zeit, welche des Rohen und Gemeinen vielaufzuweisen hatte, besonders im Militärstande, ge-hört Hans Joachim von Zielen, geboren zuWustrau im ruppiner Kreise der Provinz Bran-denburg, den 18. Mai 16W, gleich sehr ausge-zeichnet als Mensch und als Krieger. Sein Va-ter, ein unbemittelter Gutsbesitzer, war mit ei-nigen böswilligen Gränznachbarn in einen langwie-rigen Prozeß verwickelt, der ihm das Leben verbit-terte und eine noch sorgenvollere Zukunft in Aussichtstellte; weßhalb der Erziehung des kleinen Hansnur wenig Aufmerksamkeit gewidmet werden konnte.Dieser wuchs daher fast ohne Unterricht auf; doch nah-men Geist und Gemüth des feurigen Knaben eine vor-theilhafte Richtung, und machten ihn empfänglichfür Tugend, Rechtlichkeit und Edelmuth.
Im 14, Jahre erhielt der junge Zielen eineFahnjunkerstelle im schwendy'schen Infanterieregiment.Von schwächlicher und unansehnlicher Gestalt, ließer eben nicht den Helden von Hohenfriedberg, Hen-nersdorf, Prag, Kollin, Liegnitz und Torgau ah-nen; ohne Gönner und Vermögen, hatte er sogarvon seinen Kameraden viele Neckereien zu erdulden,die oft in Beleidigungen ausarteten, weil ei an ih-ren Trinkgelagen nur gezwungen Theil nahm. Dießzog ihm einige Zweikämpfe zu, die jedoch in jederBeziehung zu seinem Vortheil ausfielen. Diensteiferund sittliches Betragen galten damals bei vielenVorgesetzten nicht als die beßte Empfehlung; daher kames, daß Zielen im Regiment viermal zum Lieute-
nant übergangen wurde, und sogar seine Entlassungerhielt (1724), nachdem er vergeblich um Versetzungzu einem andern Regimente gebeten hatte. Er über-nahm nun die Verwaltung des Stammgutes Wustrauselbst, da sein Vater schon vor mehreren Jahren ge-storben war, sorgte mit unermüdlichem Eifer für dieMutter und Geschwister, und machte sich mit demStande des noch nicht erledigten Prozesses bekannt.Diese Beschäftigungen waren für Zielen von gro-ßem Nutzen, befriedigten jedoch seinen Ehrgeiz kei-nesweges; er stellte sich daher dem Könige bei je-der Gelegenheit in den Weg, erregte durch seine la-konischen Antworten dessen Aufmerksamkeit, und wurde1726 mit Beibehaltung seiner Anciennetät bei demwuthenau'schen Dragoner-Regimente als Premier-lieutenant angestellt. Hier erging es ihm aber nochschlimmer; denn obschon sein edler Charakter undsein Diensteifer nicht unbemerkt blieben, wurde erdoch von seinem Rittmeister, einem eben so sitten-losen als boshaften Manne, vielfach gekränkt. —Zwei Jahre lang ertrug Zielen dieses unwürdigeBenehmen; doch sah er sich endlich genöthigt, denRittmeister zum Zweikampfe zu fordern. Dieserwußte aber den Vorfall so darzustellen, daß seinGegner ein Jahr lang Festungsarrest erhielt. NachVerbüßung desselben begann der Rittmeister sein un-würdiges Spiel auf's Neue, und da Zielen Be-denken trug, ihn abermals zu fordern, griff ihn je-ner eines Tages auf offner Straße an. Als imVerlauf des Zweikampfes Zielens Degenklinge zer-brach, sein Gegner aber nur desto wüthender aufihn eindrang, warf er ihm das Degengefäß in'sGesicht, ergriff eine Stange, und vertheidigte sichdamit, bis ein dazu kommender Offizier der Sacheein Ende machte. Jener Akt der Nothwehr wurdeZielen verderblich; denn der Rittmeister machteabermals einen wabrbeitswidrigen Rapport, der zurFolge hatte, daß Zielen kassirt wurde, er selbstaber nur kurze Zeit auf die Festung kam.
Getröstet durch das Bewußtsein, ein besseresLoos verdient zu haben, zog sich der tiesgekränkteZielen abermals nach Wustrau zurück, wo «seineTage in stiller Zurückgezogenheit verlebte. Aber, ob-gleich der Gedanke, wahrscheinlich für immer vonder militärischen Laufbahn ausgeschlossen zu sein, ihmunerträglich war, konnte er sich doch nicht entschlie-ßen, Dienste im Auslande zu suchen. Dagegen be-warb er sich im Stillen um die Gunst der Gene-rale von Buddenbrock und von Flanz, schilderteihnen seine Lage und was ihn darein versetzt hatte,und wurde durch die Fürsprache derselben im Jahre1730 als Lieutenant bei der neu errichteten Leibhu-saren-Schwadron angestellt, woraus später das soberühmt gewordene zietensche Husaren-Regiment ent-stand. Die Art und Weise, in welcher der KönigZielens Wiederanstellung befahl, war nicht geeig-net, das Mitgefühl seines Commandeurs zu erwecken z