80
L n
-
.
^
> ,
»1
^^<>
früher neben einem Sonnengott« bestandne Mond-göttinn, die spater zu einer männlichen Gottheitund daher auch verschieden abgebildet wurde. Deß-halb er in der ersteren Eigenschaft nackend und aufeiner Säule stehend, mit einem Löwen-, Katzen-oder Hundekopfe, welchen eine Art Mähne umgab,die sehr grob durch wellenförmige, von vorn nachhinten laufende Striche bezeichnet war, mit einergroßen, stark vorstehenden Schnauze, unter welchersein struppig Haar auf die Brust Herabsiel, mit ei-nem Vogel auf dem Kopfe, der einer schwimmen-den Gans glich, mit einem starken Leibe, in demseitwärts ausgestreckten Arme einen Stiel von einerStreitaxt, der auf dem rechten Fuße ruhete, mitder linken Hand einen Ochsenkopf vor die Brusthaltend, und mit der Runenschrift Velbog undCzernebog —- ferner auch mit einer Schlange,Schnecke, Traube und einem Zauberstabe — in der letz-teren Eigenschaft als ein munterer Jüngling mit einemlockigen Haupte, auf welchem ein dem Adler ähnlicherVogel mit ausgebreiteten Flügeln saß, in der Rech-ten einen Schild mit einem Stierkopfe gegen dieBrust, in der Linken aber eine Lanze oder Helle-barde haltend — abgebildet wurde. Sein Haupt-tempel von Holz, an den Wänden mit geschnitztenGötzenbildern, stand zu Rhetra auf einem von Was-ser umgebenen Hügel. Auch er hatte ein heiliges,weissagendes Roß.
An mehreren Orten verehrte man 3 Hauptgöt-ter zugleich. Diese Götterdreiheit (Trias) auf Rü-gen hieß Swantowit, Radegast und Prowe(Prone) oder Porenit, Mondgott und Mondgöt-tinn zugleich, Göttinn der Gerechtigkeit, des Acker-baues und der Weisheit. Diese Gottheit wurde alseine größtentheils nackende Person, mit der Rech-ten entweder einen Pflugschar oder einen Vrustschild,auf welchem 12 Mondringe zu sehen waren, undin der Linken einen Spieß haltend, an dem einschmales Fähnchen hing, das Haupt gekrönt, nebstzwei langen Ohren, und die Füße gestiefelt, abge-bildet. Unter dem linken Fuße war eine kleineGlocke befestigt. Ihre Bildsäule stand zu Olden-burg in Wagrien auf einem Eichstamme, von ei-ner Menge anderer mehiköpsiger Götzen umgeben,und überhaupt in heiligen Hainen mit einer Um-zäunung, wo in ihrem Namen Gericht gehaltenwurde.
Auch zu Karenz (Garz) auf Rügen ward eineGötterdreiheit verehrt, welche aus Rugiwit, demKriegsgotte der Rugier, welcher mit 7 Köpfen und7 Schwertern am Gürtel, das achte in der Handhaltend, dem Porewit oder Barowit, dem Gottdes Friedens und Handels, welcher auch in Wol-gast und Iulin einen Tempel hatte, mit 4 Gesich-tern am Kopfe und einem auf der Brust, welcherdie linke Hand gegen die Stirn hielt, doch so, daßer durch die Finger sehen konnte, während die rechtedas Knie berührte, und dem Porenit bestand.Zu Rhetra bestand diese Trias, neben Rade-
gast, aus Rugiwit, Karewit und Hirowit.Die beiden ersteren wurden in einem Bilde mit4 männlichen und 2 weiblichen Köpfen und Gesichtern,sowie mit einem Löwenkopfe abgebildet. Hiro-wit, eine weibliche Gottheit, unstreitig Mondgöttinn,deren Beine ringförmig vereinigt waren, hatte ausdem Kopfe 4 Hörner, welche wahrscheinlich denLichtwechsel des Mondes anzeigten.
Diese 3 Obergottheiten der Wenden wurden aneinigen Orten, als vereinigt in einer Person, abermit 3 Köpfen dargestellt, und man nannte sie dannTriglaw. Dieß war der Fall in Stettin, Iulin,in Altbrandenburg auf dem harlinger Berge, undzu Oldenburg in Wagrien. Er hatte den vornehm-sten Tempel, und dieser stand in Stettin, wo erauch in- und auswendig mit erhabenen Figuren ver-ziert war, auf dem mittelsten der 3 Hügel, auf wel-chen die Stadt lag, und wo jetzt der Stadthof ist,wie der Tempel des Radegast zu Rhetra. Diereiche Handelsstadt Iulin hatte einen goldnen Trig-law; zu Stettin war er nur mit einem goldnenKopfputze bis an die Lippen bedeckt, übrigens vonSilber. Ihm war ein schwarzes, weissagendesRoß geweiht. Den stettiner Triglaw schickte derBischof Otto von Bamberg als Siegeszeichen desChristenthums über den Götzendienst an den PapstHonorius II. nach Rom. Triglaw wurde na-ckend, mit einem geraden und einem etwas gebo-genen Beine, einen Mond mit beiden Händen aufder Brust haltend, und mit einer runden Kopfbe-deckung abgebildet.
Auch die übrigen Wenden hatten solche Tria-den, nur unter anderen Namen und Gestalten;doch kommen darunter auch Swantowit und Ra-de gast vor, zu denen sich aber noch Flins, Krodound Iutrobog gesellten. Flins, dessen Existenzvon Einigen bezweifelt, von Anderen aber ange-nommen und folgendermaßen als Hauptgott derLausitzer und Sorben beschrieben wird, hatte die Ge-stalt eines alten Mannes, dessen Brust ein langerBart bedeckte, indem ein weiter Ueberwurf seinen Kör-per einhüllte; in der Rechten hielt er einen langen Stabmit einem Kienholzbüschel als einer Fackel, mit der linkenHand und Schulter trug er einen stehenden Löwenmit aufgesperrtem Rachen. — Krodo, der Haupt-gott der Wenden am westlichen Harze und in derAllmark, wurde als ein Greis, das Haupt ent-blößt, und mit blosen Füßen auf einem Fische ste-hend, in der Linken ein Pflugrad, in der Rechteneinen Korb mit Früchten haltend, in einem Lin-nengewande und umgürtet, abgebildet. Iutrobog,auch Belbog genannt, war der Gott der neuenMorgenröthe, der wiederkehrenden Frühlings-sonne, dem zu Ehren das Frühlingsfestvon den Wenden gefeiert wurde, wovon in derLausitz das sogenannte Todaustreiben noch einUeberbleibsel war. Von seiner bildlichen Darstellungist nichts bekannt. — Eine zahlreiche und mächtigePriesterschaft besorgte den Dienst der Götter.
Hierzu als Beilagen:
<',
l) Vacharach. 2) Friedrich der Große, mit seinem Lieblingshunde Biche, in Gefahr,von feindlichen Reitern gefangen zu werden. 3) Götzenbilder der alten Wenden.
Üeilag von Eduard Pietzsch u, Comp. in Dresden, — Druck von B. G, Teubner WDiesden,
l