Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
79
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Feinden entweder gefangen oder erschossen zu wer-den. So hatte er sich einst, nur von seinem Lieb-lingshunde Wiche begleitet, bei einer Recognosci-rung zu weit vorgewagt, und befand sich plötzlichin der Nähe eines Trupps Panduren. Noch -ge-lang es ihm zwar, sich mit seiner treuen Vicheunter einer Brücke zu verbergen; allein er mußtebefürchten, daß der Hund, während die Pandurenüber die Brücke ritten, bei dem Lärm der Huftrittebellen und ihn verrathen möchte. Das treue undkluge Thier schmiegte sich jedoch an ihn und gabkeinen Laut von sich, gleichsam die Gefahr seinesHerrn erkennend. Als Friedrich hierauf seinenZufluchtsort verlassen hatte und dem General vonRothenburg begegnete, stellte er diesem seineBiche als seine treueste Freundinn vor.

So wie die Ruhe wieder hergestellt war, singFriedrich von neuem an, auf Einrichtungen zudenken, die den Wohlstand und das Glück seinerUnterthanen befördern sollten. Die Nothwendigkeit,ein allgemeines Gesetzbuch für den aus so verschie-denen Bestandtheilen kombiniiten Staat, und wodie verschiedensten Provinzialrechte galten, zu haben,sprang in's Auge. Der König entwarf zu einemsolchen selbst den Plan, dessen weitere Ausführunger dem Iustizminister von Eocceji übertrug. Spä-terhin arbeiteten unter dem Staatsminister von Car-mer mehrere ausgezeichnete Juristen daran, docherlebte der König die Beendigung seines Werkesnicht. Erst am 1. Juni 1794 ward dasAll-gemeine Landrecht" mit gesetzlicher Kraft in den preu-ßischen Staaten eingeführt.

In dieser Zeit begann der König mehrere ge-meinnützige, bedeutende Werke. Er ließ die morasti-gen Gegenden längs der Oderufer, von Schwine-münde bis Küstrin, und an mehreren Punkten nochweiter stromaufwärts austrocknen, und siedelte inden urbar gemachten Gegenden Kolonien, im Be-trage von beinahe viertehalbtausend Menschen, an.(Fortsetzung folgt.)

2.

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Die Götter der alten Wenden.

Soviel man auch über die Religion der altenSlaven im Allgemeinen und der alten Wenden imBesonderen bis jetzt geschrieben hat, so wenig istdoch dadurch der Gegenstand auf's Reine gekom-men, und man kann aus diesen Schriften eben sowenig das Wesen und die Beschaffenheit dieses Na-turcultus, als aus den christlichen Religionsbüchernden Geist des wahren Christenthums sicher erkennen.Schon die eisten Quellen, aus denen man dieKenntniß davon geschöpft hat, die Schriften Dit-mars von Meiseburg (1-1030), Adams von Bre-men (1072) und Helmolds (1170) sind sehr man-gelhaft und unzuverlässig. Unter diesen Umständen,und da hier weder Raum, noch der Ort ist, denGegenstand kritisch zu untersuchen, scheint es amangemessensten, darüber dasjenige kurz mitzutheilen,was davon allgemein bekannt und beglaubigt ist, ohnees jedoch für das Wahre an der Sache zu erklären.

Die Religion der alten Wenden, oder der Sla-ven in Pommern, Meklenburg, Brandenburg, Schle-sien, den Lausitzen, Meißen und dem Osteilande,war überhaupt Vielgötterei, welche jedoch zunächstin einer Verehrung der Sonne und des Mondes

bestand, und unverkennbar fremde, namentlich ger-manische Religionslehren, mit einer reichen Sym-bolik, in sich aufgenommen hatte. Man verehrteeine große Menge Götter und Göttinnen auf heili-gen Bergen, in heiligen Hainen und Tempeln mitThier- und Menschenopfern. Das höchste Wesenhieß überhaupt Bog; dieses unterschied man aberals Bel-, Viel- oder Bialbog und Ezernebog,oder weißen und schwarzen Gott, wovon jenerder gute oder lichte Sonnengott, dieser der böseoder der dunkle Mondgott Mondgöttinn war.Bielbog hatte seinen Sitz im Himmel, und wurdeweder abgebildet, noch in Tempeln mit Opfern ver-ehrt; der feindselige Ezernebog dagegen hatte sei-nen Sitz in der Erde, und wurde als ein Unge-Keuer dargestellt und nur durch Opfer versöhnt.Belbog hatte viele Söhne, welche für ihn dieWelt regierten; aus diesen wählte sich jeder Stamm,Ort oder Gau seinen besonderen Schutzgott, wel-cher daselbst die größte Verebrung genoß. Gewöhn-lich hatten die Bildsäulen dieser Götter mehre Köpfe,wie es scheint, nach Maßgabe ihrer Eigenschaften,und standen in besonderen Tempeln (Kontinen).

Die vornehmsten unter den besonderen Gott-beiten waren Ezernebog, Swantowit, Siwa,Radegast, Prowe, Porewit, Triglaw,Flins und Krodo, zum Theil auch unter ande-ren Namen.

Swantowit, der Licht- oder Sonnengott,von der ganzen Nation verehrt, wurde als Krieger,Seher und Segenspender dargestellt, der in derLinken einen Bogen, in der Rechten ein metallnesTrinkhorn hielt, und vier Köpfe hatte, welche nachden 4 Weltgegenden gerichtet waren. Seinen Leibdeckte ein kurzes, slavisches Gewand und am Gür-tel hing ein langes Schwert; mit den Füßen stander auf einem in die Erde gelegten Gestelle. Sostand er in kolossaler Größe (6 Ellen lang) von Holzund vergoldet im Tempel zu Arkona auf Rügen.Neben ihm hingen Sattel, Zaume und Sporen.Sein Tempel, im Innern mit purpurrothen Tep-pichen geschmückt, von außen mit künstlichem Schnitz-werk verziert, besaß durch Geschenke und Abgabenjeder Art große Reichthümer. Als dem Anführerseines Volkes im Kriege war ihm ein weißes Roßgeheiligt, welches außerdem auch zur Weissagungdiente. Swantowit unterhielt auch 300 Reiterauf seine Kosten und bei jeder Opferstätte hatte manheilige Rosse, welche den Streitwagen des Gottesim Kriege zogen. Ihm zu Ehren feierte man dasErntefest, wobei der Oberpriester dem Volke ausdem Trinkhorn Segen oder Mißwachs prophezeihteund von demselben mit einem so großen Honigkuchenbeschenkt wurde, daß er sich dahinter verbergen konnte.

Siwa, Ziwa, Ziza oder Siebog, die Ge-mahlinn des Sonnengottes, die Mondgöttinn undzugleich Göttinn des Lebens und der Liebe, derenHaupttempel zu Ratzeburg stand, an dessen Stelle1159 die Domkirche erbauet wurde, war daselbstnackend, und hielt in der Rechten einen Apfel, inder Linken eine Weintraube, während sie in Rhetrabekleidet war und auf dem Kopfe einen schlafenden,nackten Mann trug.

Hatte Swantowit die Eigenschaften einesreinen Sonnengottes, so war Radegast ein In-begriff von Elementen, ein Bielbog und Ezer-nebog zugleich, Mann und Weib vereint, eine