Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
77
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L

der in denZeitgenossen" (HeftXIll.) gegebenhatte.

Friedrich der Zweite, der Große,

König von Preußen.(Fortsetzung.)

Durch das Lesen von Meisterwerken brachte derPrinz es bald dahin, daß er kleine prosaische Auf-sätze und französische Gedichte zu machen im Standewar; sie verriethen viel Gefühl, Empfindung undeine lebhafte Phantasie. Seine Begriffe von Phi-losophie berichtigte Friedlich theils durch Lectüre,theils durch einen anhaltenden Briefwechsel mit Ge-lehrten, unter denen besonders Algarotti, Mau-pertuis, Voltaire, der Marquis d'Argens,Rollin, Fontenelle, Wolf und Suhm zunennen sind. Die Verbindung mit solchen Männernübte natürlich einen mächtigen Einfluß aus denPrinzen aus, und dieser wußte für Geist und Herzden größten Vortheil daraus zu ziehen. Zu Vraun-schwcig, wohin der Prinz mit dem Könige reiste,ließ er sich in den Freimaurerorden aufnehmen; dochgeschah dieß, ohne daß der König darum wußte.Friedrich schätzte stets den Orden. Bald nach sei-ner Thronbesteigung hielt er zu Charlottenburg Loge,bei welcher Gelegenheit drei Prinzen in den Ordenaufgenommen wurden; nach dieser Zeit besuchte erjedoch die Loge nicht wieder. > Im Jahre 1739schrieb der Prinz seinenAntimacchiavell" undschickte das Manuscript an Voltaire mit der Bitte,daran so viel zu ändern, als er für gut findenwürde, was dieser jedoch in einem Grade that, daßFriedlich spater die Unterdrückung der ersten Aus-gabe wünschte. Auch seine Gedichte sendete derPrinz an den genannten Dichter zur Beurtheilungund Sichtung. Im Jahre 1740 den 31. Maistarb der König Friedrich Wilhelm I. Ausden Briefen Friedrichs anVoltaire geht hervor,daß der Sohn den Vater aufrichtig betrauerte, unddie guten Eigenschaften des Verstorbenen in ihremvollen Werthe anerkannte.Wir haben," sagt erin denUemoirW cle Drancledoiirß,"die Fami-lienverdrießlichkeiten dieses großen Fürsten mit Still-schweigen Übergängen. Man muß in Betrachtung derTugenden eines solchen Vaters mit seinerStrenge gegendie Fehler der Kinder einige Nachsicht haben;"einAus-spruch, der von dem Herzen und der SelbstkenntnißFriedrichs ein schönes Zeugniß ablegt. Am22, Juni geschah die feierliche Beisetzung der Leichedes Königs, und schon den Tag darauf ward dasbekannte Potsdamer große Leibregiment zum Theilaufgehoben, und die Soldaten unter andere Re-gimenter vertheilt. Anstatt des Ordensder Groß-muth" stiftete Friedrich den Verdienstorden (?<>»rle mei-ite). Friedrich reiste nun nach Preußen,um die Huldigung einzunehmen, welche am 20. Julizu Königsberg Statt fand. Schon sein Vater hattedie Ceremonie einer feierlichen Krönung weggelassen,indem er solche, nach dem Grundsatze:daß in ei-nem Erbreiche der König nie stirbt," für überflüssighielt. Die Huldigung zu Berlin ging am 2. Au-gust vor sich. Nach einer Reise an den Rhein, woder König Straßburg incognito besuchte, jedoch balderkannt ward, und zugleich, in der Gegend vonCleve, Voltaire persönlich kennen lernte, erhielt

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Friedrich zu Berlin die Nachricht, daß KaiserKarl VI. in der Nacht vom 19. zum 20. Okt.gestorben sei. Der König hatte bei seinem Regie-rungsantritt ein gut disciplinirtes Heer von 70,000Mann und einen Schatz von 78 Millionen Tha-lern vorgefunden. Beides sah er als die geeignetstenMittel an, seine unleugbaren Rechte, die er aufeinige schlesische Fürstenthümer hatte, geltend zumachen, und er fand, daß jetzt der geeignetste Zeit-punkt zu dieser Unternehmung sei. Er ließ daherder Kaiserinn Maria Theresia, der ältestenTochter und Erbinn Kaiser Karls, den Vorschlagmachen, ihm ganz Schlesien für eine Vaarzahlungvon 2 Millionen Thalern abzutreten, er wolle da-gegen mit ihr, Rußland und den Seemächten inein Bündniß treten, zur Vertheidigung gegen ihreFeinde 30,000 Mann Truppen stellen, und ihremGemahl, Franz von Lothringen, zur deutschen Kai-serkrone verhelfen. Maria Theresia weigertesich, auf diese Anträge einzugehen, und der Königerließ jetzt eine Deklaration, worin er seine, auseiner zwischen dem Hause Brandenburg und demHerzoge von Liegnitz im Jahre 153? geschlossenenErbuerbrüderung herstammenden Ansprüche aufdie Fürstenthümer Liegnitz, Brieg und Wohlau,und seine Erbrechte auf das Fürstenthum Iägern-dorf, als den Nachlaß des, im Jahre 1642 gestor-benen, Herzogs Ernst auseinandersetzte. Bald dar-auf ließ er 24,000 Mann Truppen nach Schlesienmarschiren, und er selbst folgte diesen am 21. Dez.1740 nach. Der Krieg begann mit der Einschlie-ßung Glogaus; Vreslau schloß einen Neutralitäts-vertrag, und der König rückte den 3. Januar 1741in die Stadt. In der Nacht vom 8. zum 9. Märzstürmte und eroberte der Erbprinz Leopold vonDessau die Festung Glogau. Außer dem Komman-danten, dem Grafen Wallis, wurden 2Generale,28 Offiziere und 1000 Mann zu Gefangenen ge-macht. Am 10. April Nachmittags 2 Uhr kames zwischen dem östreichischen Heere, unter demFeldmarschall Neipperg, und dem preußischen, un-ter der persönlichen Anführung des Königs bei demDorfe Molwitz zur Schlacht. Diese schien an-fangs für die Preußen eine ungünstige Wendungzu nehmen, indem die Kavalerie der Letzter« durchden östreichischen General von Römer ganzlich ge-worfen ward, auch die östreichische Infanterie be-reits in die Linien der preußischen eingedrungenwar, bald aber wendete sich das Schlachtenglück,und der Sieg entschied sich durch einen Angriff destapfern Generals Schwerin, der den linken Flü-gel kommandirte, so wie durch das damals neue,und mit Präcision ausgeführte Pelotonfeuer derPreußen, für die Letztem. Der Verlust der Oest-reicher betrug 180 Offiziere und 1000 Mann Todteund 1200 Gefangene, so wie 3 Standarten und7 Kanonen; der preußische Verlust belief sich auf2500 Todte und 3000 Verwundete. Die FestungNeiße ergab sich unter dem Kommandanten St.Andre den 31. Oktober an die Preußen. Am 7.August 1741 mußte die Stadt Breslau, weil darineine Verschwörung gegen die Preußen angestif-tet sein sollte, dem Könige den Eid der Treueleisten, nachdem sie unter dem Vorwande, ein Re-giment durchmarschiren lassen zu wollen, plötzlichbesetzt worden war. Am 7. Nov. 1741 ließ sichder König von den niederschlesischen Ständen zu