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3 (1842)
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bischen Reichs. Vorübergehend, aber doch höchstdrückend, war 130? die Kriegsnoth, wo das schwe-dische, wie das preußische Pommern alle Kriegs-bedürfnisse für das französische Occupationscorpsherbeischaffen mußte. Das preußische Pommernward im Dezbr. 1808, mit Ausnahme Stettins,von den Franzosen geräumt, und erhielt auch indemselben Jahre die neue Städteordnung; das schwe-dische ward erst im Jan. 1810 durch den Friedenmit Frankreich zu Paris frei. Und schon im Jan.1812 rückte abermals ein französisches Corps inSchwedisch-Pommern ein, und drückte es mit Kriegs-steuern, Durchmärschen und Erpressungen aller Art.Dieß dauerte fort bis zum 9. März 1813, wo inFolge des Vorrückens der Russen und Preußen dieFranzosen auch Pommern verließen. Das Vünd-niß Schwedens mit den Verbündeten nöthigte Dä-nemark, im Frieden zu Kiel, den 14. Jan. 1814,zur Abtretung von Norwegen, und es erhielt zur Ent-schädigung Schwedisch-Pommern. Dänemark tauschtedieß aber durch den Vertrag vom 4. Juni 1815 fürdas Herzogthum Lauenburg an Preußen aus. ImNov. folgte hierauf die Huldigung und die Ueber-gabe von Schweden an Preußen, nachdem die eineHälfte von der andern 164 Jahre getrennt gewesenwar. Seitdem blühte ganz Pommern durch Land-wirthschaft, Gewerbe, Handel und Schifffahrt zuneuem Wohlstande auf.

Bach a r a ch,

mitten zwischen Mainz und Koblenz, im Kreise St.Goar, Regierungsbezirk Koblenz, 3 Stunden unterBingen, am linken Rheinufer, in einer reizendenGegend höchst malerisch gelegen, indem die alte, ehr-würdige Stadt, rings von Bergen mit Rebengelan-den umgeben, in einer engen Thalschlucht lagert,und sich ihre Ringmauern mit 12 nach innen offnenThürmen den Berg, an welchen sie sich lehnt, biszu den Trümmern der Burg Stahleck hinaufzie-hen, welche aus den Weinbergen hervorragt undauf ihrer Höhe eine der schönsten Rheinlandschaftenübersehen läßt, zählt in ungefähr 300 Häusern ge-gen 1700 Einwohner, und zwar Lutheraner, Re-formirte und Katholiken, welche in rühmlicher Ein-tracht neben einander wohnen und theils Gerbereiund Weinbau, theils Fischerei, Schiffsahrt undHandel mit Wein, Stabcisen, Gußwaaren, Schie-fersteinen, Stärke und Bier treiben. Die Vortreff-lichkeit des Kiesigen Weines (Muskateller), welchendie Thäler Steeg, Mannebach und Diebach,sowie die nahen Anhöhen Schloßberg, Vogts-beig und Kühlberg, schon im Mittelalter hervor-brachten, bestätigt nicht nur ein altes Sprichwort:

Zu Bocharach am Rhein, zu Klingenberg am Main,Und Würzburg an dem Stein wachsen die beßtcn Wein."

sondern es sprechen auch zwei historische Zeugnissedafür: Kaiser Wenzel (13781400) zog 4 Fuderbacharacher Wein 10,000 Gulden vor, für welcheNürnberg seine verpfändeten Privilegien von ihmwieder einlösen wollte, und der berühmte AeneasSylvius als Papst Piusll. (145864) ließ sichjährlich 1 Fuder dieses köstlichen Weines für seinenTisch nach Rom bringen. Auch gab unstreitig die-ser treffliche Wein einer sogenannten Zechgesell-

schaft oder den Zechheiren von Vacharach denUrsprung, einer Gesellschaft oder Gilde, welche denKönig-Arthus-Höfen in einigen hanseatischenund den Kalandsbrüdersch asten in andernStädten ähnlich war und sich über 500 Jahre bis1818 erhielt.

Unter den Kirchen sind die Ruinen der St.Wernerskirche und die Stadtkirche der Resor-mirten im gothischen Style des 14. Jahrhundertssehenswerth; Vaukünstler und Kunstkenner schätzendiese herrlichen Ueberreste, und Quaglio hat inseinen Denkmälern eine treffliche Abbildung davongegeben. Aus einer engen Straße gelangt mandurch ein altes Kirchhospsörtchen, viele Stufen em-porsteigend, auf den kleinen Kirchhof der mit vie-len angebaueten Kapellen umgebenen und mit einemalten durch byzantinische Bogenstellung verziertenThurm geschmückten Stadtkirche; weiter oben liegenauf mittler Höhe, am Fuße des mit der BurgruineStahleck gekrönten Berges, die öden Mauern deraus rothem wasgauer Sandstein erbauten Wer-nerskirche mit ihren hohen gothischen Bogen,reichen Fensterverzierungen, glatten Strebepfeilern undzierlichen Spitzsäulen. Die Pfarrkirche der ka-tholischen Gemeinde ist die Kirche des ehemaligenKapuzinerklosters vor der Stadt. Eine naturhisto-rische Merkwürdigkeit ist eine ölige Quelle, welchebei der Stadt zu Tage quillt, einen angenehmenGeruch verbreitet und in den Rhein abstießt.Nicht weit von der Stadt ist noch im Rheindaswilde Gefährt" und die Pfalz auf einerInsel mit ihren spitzen Schieferthürmen und ihrengewaltigen, unmittelbar aus dem Rhein schräg auf-steigenden Mauern zu bemerken. Von Bacharach führteine Straße nach dem Hundsrück.

Bacharach, Sitz eines Friedensgerichts, eineder ältesten Rheinstädte, trägt noch jetzt das Ge-präge hohen Alterthums, wie sie denn schon durchihren Namen von L»ccni ara, Altar des Bacchus,auf römischen Ursprung deutet, indem hier Bac-chus von den Römern verehrt wurde, wovon derElter- oder Altarstein, den man zwischen der un-terhalb der Stadt gelegenen Rheininsel und demrechten Rheinufer bei niedrigem Wasserstande nochsieht, als redender Zeuge angeführt wird. Unstrei-tig stürzte man ihn bei Einführung des Christen-thums in den Rhein. Allgemein bekannt und selbstberühmt ward Bacharach erst durch Hermannvon Stahleck im 12. Jahrhundert, indem dieserhier seinen Stammsitz und den der Pfalzgrasen grün-dete, durch welche die Stadt mit schönen Bauwer-ken geschmückt wurde. Bacharach ist auch alsGeburtsort der täuschend ähnlichen Zwillingsbrü-der und berühmten Maler Gerhard und Karlvon Kügelgen (geb. 6. Jan. 1772) merkwürdig.Der Erstere, Professor und Lehrer an der Maler-akademie zu Dresden, starb leider 1820 den 27. Märzdurch Mördershand daselbst. Professor Hasse inLeipzig hat in seinemLeben Gerhards von Kü-gelgen (Lpzg. bei Vrockhaus 1824) einen schönenDenkstein der Wahrheit und Freundschaft aus denGrabhügel dieses bescheidenen Künstlers und gutenMenschen niedergelegt und auch einige Nachrichtenaus dem Leben des k. russ. Kabinetsmalers Karlvon Kügelgen in Petersburg hinzugefügt, nach-dem er schon 1818 eine Skizze der Zwillingsbrü-