Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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Muleum kür preuhitche VaterlandsKunde.

Band m

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Lief. KQ.

Kurze Geschichte Pommerns,

von den iütelten bekannten Zeiten bis auf dieWiedervereinigung unter ßreulzen 1815.

Die ersten bekannten Bewohner Pommerns,welches in seiner größten Ausdehnung den ganzenKüstenstrich an der Ostsee von der Recknitz- bis zurWeichselmündung, namentlich einen Theil von Mek-lenburg-Strelitz, die ganze Ukermark, die Neu-maik, einen Theil von Großpolen und Pommerel-len begriff, waren vor Christi Geburt germanischeVolksstämme, die Gothonen, die Rugier, dieSemnonen, die Heruler, die Suionen, dieVurgundionen und die Longobarden. Dieseverließen jedoch, wahrend der großen Völkerwande-rung, im 4. und 5. Jahrh, das Land, und hier-auf besetzten es nach und nach slavische Völkerschaf-ten oder die Wenden, namentlich die Wilzen,die Lutizier, die Redarier und die Kassuben.Von der Nähe des Meeres erhielten sie später dengemeinschaftlichen Namen Pomeraner, Pommern,d. h. Meeranwohner.

Religion, Sitten und Gebrauche, Beschäftigung,Nahrungsmittel, Kleider und Waffen waren größ-lentheils die der übrigen Slaven. Ihre Götter, de-ren Abbildung und Beschreibung noch besonders fol-gen wird,> waren zum Theil personisizirte Natur-Kräfte, welche sie in der Gestalt unförmlicher Gö-tzenbilder versinnlichten. Gastfreiheit, Arbeitsamkeitund Tapferkeit gehörten zu ihren guten, Härte ge-gen die Frauen und Kinder, Aberglauben und Ro-heit zu ihren bösen Eigenschaften. Neben Viehzuchttrieben sie Ackerbau und Handel, anfangs nur inelenden Dörfern, später auch in festen Burgen undStädten wohnend; Iulin auf der Insel Wollinund Winetll an der Küste, unweit Wolgast, späterStettin, waren ihre vornehmsten Handelsplätze,wo sie auch Schissfahrt trieben; Rhetra, im heu-tigen Meklenburg-Snelitz beim Gute Prillwitz, warder Hauptsitz ihrer Gölter. Jeder Stamm hatteein freigewähltes Oberhaupt als Landesfürsten imFrieden und Heerführer im Kriege, jedoch mit sehrbeschränkter Gewalt, indem er sie mit dem Adelim Volke theilte. Von demselben wurden die Be-fehlshaber der Burgen und die Richter (Supane)ernannt, und die Gerichtssprengel (Supanien) be-stimmt. Diese freie Wahl der Fürsten blieb bei ih-nen im Gebrauche bis zu Anfange des 12. Jahrh.,wo die Herrschaft des so mächtigen Fürsten Kritoin Meklenburg endete, welchem seit 1066 auchdie Rugier und Lutizier mit den Pommern Un-terthan waren. Die Leibeigenschaft, wie das Lehns-wesen, kam erst durch die Deutschen zu den Pom-mern, wiewohl sie auch Sklaven, entweder gekaufteFremdlinge oder gefangene Feinde, hatten.

Die Pommern wurden später von den Deut-schen, Dänen, Schweden und Polen fortwährend

bekriegt, bald von diesem, bald von jenem Volkeunterjocht, zuletzt fast gänzlich ausgerottet, oder vonden Deutschen gezwungen, ihre Sprache, Sitte undBildung anzunehmen. Schon Karl der Großebegann den langwierigen Kampf mit ihnen, um sieseiner Herrschaft und der christlichen Kirche zu un-terwerfen, und dieser blutige Kampf dauerte unterseinen Nachfolgern in Deutschland, mit großen Ver-heerungen und Grausamkeiten von beiden Seiten,Jahrhunderte fort, bis die Pommern endlich, wieandere Wenden, der Uebermacht unterlagen. Ottol.der Große bekriegte nicht nur das Volk, sondernließ auch 955 den Fürsten Stoignew nebst vielenAdligen ermorden und den Göttersitz Rhetra zer-stören. Die übrigen Wenden wurden hierauf gleich-falls zur Annahme des Christenthums genöthigt, undzu dessen Erhaltung und Befestigung Kirchen undKlöster erbauet, Bisthümer und Erzbisthümer ge-stiftet. Allein die Bedrückungen der weltlichen Herr-schaft, sowie die Plackereien der unwissenden undhabsüchtigen Priester und Mönche erregten 976 ei-nen allgemeinen Aufstand der Wenden, in welchemsie auch vom Christenthume abfielen, die Priesterund Mönche entweder erschlugen, oder aus demLande jagten, alle Anstalten des Christenthums zer-störten und die Göttertempel zu Rhetra wiederher-stellten. Erst dem Kaiser Otto III. gelang es, dieAbgefallenen wieder zu unterwerfen. Viel trugen hier-zu die Markgrasen bei, welche die wendischen Für-sten, aus denen spater die erblichen Herzoge hervor-gingen, in der Unterwürfigkeit zu erhalten suchten.

Eben so unglücklich waren die pommerschenKüstenbewohner gegen die Dänen, welche 1042 und1179 ihre blühende Handelsstadt Iulin, nachdem1168 die Slavenburg Arkona und die Veste Ca-renza auf Rügen mit den Göttertempeln durch sie schonin Trümmer gesunken waren, zweimal von Grund auszerstörten. Die an Polen gränzenden Pommern unterla-gen gleichfalls ihren Nachbarn und wurden ihnen schonseit 1932 zinspflichtig. Durch die polnische Herrschastzerfiel das Land zuerst in Vor- und Hinterpommern.Der polnische Herzog Voleslav setzte Hauptleutein's Land, die jährlichen Steuern einzutreiben. Un-ter diesen war Swantibor, ein naher Verwandterdes Herzogs, zugleich reicher Gutsbesitzer inPommern, welcher auch bei dem Volke in solcherGunst stand, daß er den Titel eines Fürsten füh-ren und seinen ältesten Sohn Wartislav zumerblichen Fürsten in Westpommern erklaren konnte.Nach Swantibors Tode (1107) gelangten seine4Söhne, Boqislav und Swantipolk in Hin-terpommern (Slavien), Wartislav und Rati-bor in Vorpommern zur Regierung. So wardSwantibor der Stammvater aller wendisch-pom-merschen Herzoge, welche bis 163? regierten, undmit Bogislav XIV. gänzlich ausstarben, nach-dem die hinterpommersche Linie schon 1295 mit