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3 (1842)
Entstehung
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66
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reichte die Unzufriedenheit die größte Höhe. Diewissenschaftliche Richtung Friedrichs erregte inihm den Wunsch, persönliche Bekanntschaft mit aus-ländischen Gelehrten zu machen, deren Schriften erschätzte, und er bat deßhalb den König, eine Reiseunternehmen zu dürfen. Letzterer schlug ihm dieBitte mit um so größerer Härte ab, als er damalsbereits mit seinem Sohne auf's Höchste unzufrieden war.Jene Härte spricht sich besonders in einem Briefe aus,in welchem er den Prinzen eineneffeminirten Kerl"nennt, welcher nichtsauber" in Kleidung sei, sichschäme und Gesichter schneide", undin «umm»zu nits nütze" wäre. Da die üble Behandlung,welche Friedrich von dem Könige zu erdulden hatte,sich von Tage zu Tage steigerte, so dachte der Prinzan eine Flucht nach England. Eine Reise, die erim Jahre 1730, in Begleitung seines Vaters überLeipzig, Nürnberg, Stuttgart und Frankfurt nachWesel zu machen hatte, schien ihm eine schickliche Ge-legenheit, seinen Plan auszuführen. Die Vertrau-ten, welche er in diesen einweihte, waren seine äl-iteste Schwester, Friederike Sophia, nachmaligeMarkgräsinn von Baireuth, sowie die Lieutenantsvom Regiment Gensd'armes, von Katte und vonKeith. Die Entweichung sollte in dem Augenblickegeschehen, in welchem der König, dem der Prinzgewöhnlich erst in ein Paar Stunden nachzufolgenpflegte, von Wesel abreisen würde, und es warenin Holland bereits alle Vorkehrungen getroffen wor-den, um dem Prinzen das Entkommen nach Eng-land zu erleichtern. Der Plan ward indeß entdeckt,ehe er zur Ausführung kam, und der Prinz ver-haftet. Da er noch Gelegenheit hatte, Keith, wel-cher in Wesel anwesend war, durch ein Billet zuwarnen, so war letzterer im Stande nach Englandzu entfliehen. Katte war nicht so glücklich, wennauch zum Theil durch eigene Schuld. Er befandsich in Berlin, und wollte in Wesel eintreffen, so-bald der Prinz dort sein würde. Die Ausbesserungseines Wagens hielt ihn einen Tag langer auf. Ob-wohl gewarnt von dem dänischen Gesandten vonLe-wenoer, welcher ihm Pferde und Geld zur Fluchtanbot, und obwohl der Oberst von Pannewitz,der den Befehl erhielt, Katte zu verhaften, ihmzehn Stunden Zeit ließ, sich zu retten, entfloh erdennoch nicht, und ward nun arretirt. Als er beider Rückkehr des Königs vor den erzürnten Mon»archen geführt ward, mißhandelte ihn dieser thät-lich, und riß ihm das Kreuz des Iohanniteror-dens vom Halse. Inzwischen war der Kronprinznach Küstrin auf die Festung gebracht worden, woihm der Präsident der neumarkischen Kammer, vonMünchow, so viel es in seiner Gewalt stand, dieQualen der Gefangenschaft erträglich zu machensuchte. Die Königinn, sowie die ganze königlicheFamilie, das Aeußerste von der ihnen bekanntenHitze des Monarchen fürchtend, waren diesem beider ersten Nachricht von der Verhaftung des Prin-zen zu Füßen gefallen, und hatten ihn um Gnadegebeten; sie entgingen kaum den furchtbarsten Aus-brüchen seines Zornes, und die geängstete Muttersiel in Ohnmacht, als der König ausrief:daß derPrinz bereits todt sei." Niemand am ganzenHofe wagte in diesem Augenblicke für den Gefange-nen das Wort zu nehmen als eine Frau. Frauvon Kamecke, Oberhofmeisterinn der Königinn,folgte dem Monarchen bis in sein Kabinet, und hier

sagte sie dem über ihre Kühnheit Erstaunten,daßer ein bisher als gerecht und religiös bekannter Fürstim Begriff sei, seinen Ruhm mit einer That zu be-stecken, die ihm zur ewigen Schande gereichen, undden Zorn Gottes herbeiführen würde." Das heroischeMittel half. Nachdem der König sich noch eineWeile furchtbar ereifert hatte, ward er ruhiger, ent«ließ die edle Fürsprecherinn gütig, und befahl ihr, derKöniginn zu sagen:daß sie ebenfalls ruhig seinmöge." Der König verordnete indeß, ein Kriegs-gericht zusammen zu rufen, und dieses erhielt denBefehl, den Prinzen und Katte zum Tode zu ver-urtheilen. Der Ausspruch desselben ward auch zuKüstrin, in Gegenwart des Prinzen, auf einem Schaf-fet, das man dicht vor dem Fenster des Letzterenerrichtet hatte, vollzogen. Obwohl Friedrich sicherbot, an den König zu schreiben und der Thron-folge zu entsagen, wenn er Katte das Leben schen-ken wolle, so war dieß dennoch nicht hinreichend,den Freund zu retten. Auf den Ausruf des Prin-zen:Wie unglücklich bin ich, lieber Katte, daßich Schuld an Ihrem Tode bin! O könnte ich Ih-ren Platz einnehmen!" antwortete der Letztere in ei-nem festen Tone:Hätte ich tausend Leben, ichwollte sie gern für Sie aufopfern!" Selbst dasBlut des unglücklichen jungen Mannes schien denKönig noch nicht ganz versöhnt zu haben, er sprachnoch von der Hinrichtung des Prinzen; doch istwohl anzunehmen, daß die Regung des Vaterner-zens mehr als die Vorstellungen der fremden Höfe,welche nun von allen Seiten einliefen, so wie dieFürsprache der Minister, ihn endlich für die Begna-digung bestimmte. Erst nach achtzehn Monaten, andem Tage vor der Vermählung der Prinzessinn Frie-derike mit dem Markgrafen von Baireuth, gabder König dem Prinzen die Freiheit wieder.Friedrich war jetzt neunzehn Jahre alt, und derKönig beschloß, daß sich sein Sohn mit der Prin-zessinn Elisabeth Christine von Braunschweig,die wegen ihrer Schönheit und Talente allgemeinbewundert ward, vermählen sollte. Obwohl dieseVermählung nicht die Neigung des Prinzen fürsich hatte, oder er vielmehr dazu gezwungen ward,so ehrte Friedrich seine Gemahlinn bis an seinenTod mit der Achtung, die man dem Verdienstenicht zu versagen im Stande ist, und er sagte selbstin seinem Testament:Nie seit meiner Regierungbetrübte mich die Königinn, meine Gemahlinn;ihre ausdauernde Tugend verdient Achtung und Zärt-lichkeit." Gleich nach der Vermählung schenkteder König dem Kronprinzen die Grafschaft Ruppin,und dieser wählte das in dieser gelegne Schloß zuRheinsberg zu seinem Aufenthalt. Hier lebte Fried-rich, umgeben von einigen talentreichen Freunden,den Wissenschaften, und ein besseres Verhältnißzwischen Vater und Sohn fing an, sich zu gestalten.Im Jahre 1734 begleitete der Kronprinz den Kö-nig an den Rhein. Preußen hatte dem deutschenKaiser10,U00MannHi!fstruppen gestellt, und Fried-rich sollte unter dem großen Prinzen Eugen denKrieg praktisch erlernen. Obwohl der ganze Feldzugnur aus kunstvollen Hin- und Herzügen bestanddas hohe Alter hatte Eugen, der den erlangtenRuhm nicht gern noch einmal auf's Spiel setzenwollte, behutsam gemacht; so weissagte doch derberühmte Feldherr aus der Unerschrockenheit, dieFriedrich in einem Gefecht bei Philippsburg bewies,