Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Muleum lür preulzitche Vaterlandskunde.

Band m.

^^«W3^-««

Lies. 9.

Friedrich der Zweite, der Große,

König von Preußen,

Ramler war es, der zuerst dem großen Königeden Namen des Einzigen beilegte. Erhalte Recht.Deutschland hatte vor ihm noch keinen König gese-hen, der gleich diesem und zwar Alles zugleichals Held in der Schlacht, als Weiser im Rath, alsPhilosoph im Leben gleich groß gewesen wäre. Ineiner Zeit, wo die Hallen von Sanssouci, welcheso lange vereinsamt standen, auf's Neue einen Mon-archen ausnehmen, der die vorzüglichsten Richtun-gen seines großen Ahnherrn, als Musterbild, besondersin's Auge gefaßt zu haben scheint, dürfte es nichtuninteressant sein, einen Blick auf das Leben desgroßen Mannes zu werfen.

Friedrich I. hatte seit eilf Jahren die Kö-nigswürde angenommen, als seinem Kronprin-zen Friedrich Wilhelm, welcher mit SophiaDorothea, Tochter Georgs I, von England, ver-mahlt war, und nachdem zwei Söhne, ohne einvolles Lebensjahr zu erreichen, gestorben waren, am24. Jan. 1712 ein dritter Sohn geboren ward.Dieses Kind war bestimmt, den preußischen Thronmit einem unvergänglichen Glänze zu schmücken; esward Preußens größter König. In der Taufe,welche, mit einer Pracht, wie sie Friedrich l.liebte, am 31. desselben Monats gefeiert ward, er-hielt der Neugeborne die Namen Karl Friedrich.Den eisten derselben führte er jedoch als Kronprinznicht mehr; er war ihm wahrscheinlich zu EhrenKaiser Karls >!., den man unter den Taufzeugennannte, beigelegt worden.

Nach der Sitte der damaligen Zeit, die Kinderfürstlicher Häuser blos durch Franzosen erziehen zulassen, ward die Oberhofmeisterinn, verwittweteObristinn du Val de Roucoules, mit der erstenErziehung Friedrichs beauftragt. Von ihr er-lernte er die französische Sprache, ehe er noch dieMuttersprache kennen lernte, und schon in dem zar-testen Alter faßte er für das Französische eine Vor-liebe, die ihn sein ganzes Leben hindurch nicht mehrverließ. Obwohl der Vater des Prinzen den letzteinvorzüglich zum Krieger auszubilden trachtete, so warddennoch der wissenschaftliche Unterricht, den manin jener Zeit von dem militärischen als ganz we-sentlich geschieden betrachtete, keineswegs vernachläs-sigt. Einem französischen Edelmanne, du Hande Iandun, ward die Erziehung des Prinzen,als er aus den Händen der Frauen kam, anver-trauet. Er wußte sich die Liebe seines Zöglings gänz-lich zu eigen zu machen, und er war es auch, derihm die erste Neigung zu den Wissenschaften ein-flößte. Im Schreiben unterrichtete der Schreibe-meister Kuras den Prinzen, der bald eine sehrschöne Hand schrieb, die er aber später ganz vernach-lässigte. Sonderbar war es, daß der sonst so scharf-

sinnige Fürst sich die einfachen Regeln der Ortho-graphie niemals, weder im Deutschen, noch imFranzösischen zu eigen machen konnte. Der Ma-jor von Schöning unterrichtete den Prinzen inder Mathematik und Festungsbaukunst, die Hof-prediger Andrea und Noltenius im Christen-thum. Leider bestand der Unterricht der Letzterenblos in dem Auswendiglernen dogmatischer Sätze.Bei den geistigen Eigenschaften des Prinzen, unterdenen der Verstand obenan stand, ja wohl gar dieandern überragte, war diese Lehrmethode ganz ge-eignet, ihm den Lehrgegenstand zu verleiden. Den-noch bezwäng er die bereits in ihm so früh aufstre-bende philosophische Richtung, nach welcher er das,was er glauben sollte, auch mit dem Verständemessen und mit den Resultaten der auf diesemWege gewonnenen Ueberzeugung vereinbaren wollte,und die feierliche Konfirmation, welche wenigstensfür die Bemühungen der beiden Geistlichen, unddas gute Gedächtniß des Prinzen ein günstiges Zeug-niß gab, siel ganz zur Zufriedenheit des königlichenVaters aus. Da Letzterer, wie bereits gesagt, denPrinzen zum Krieger zu bilden wünschte, so wurde, alsder junge Fürst acht Jahr alt war, eifrig damit zuWerke gegangen. Der General Graf Fink vonFinken st ein, ein vertrauter Freund FriedrichWilhelms I., ward Oberhofmeister des Prinzen,der General von Kalkstein erhielt die Stelle desUnteihofmeisters; außerdem wurden noch zwei Offi-ziere zu militärischen Instrukioren ernannt. AlleUmgebungen des jungen Fürsten erhielten einen mi-litärischen Anstrich. Der König ließ ein Zimmerfür ihn einrichten, das im Kleinen Alles enthielt,was sonst in einem völlig eingerichteten Zeughauszu finden ist. Er wurde nun als gemeiner Sol-dat, mit Kommishemde, grobem Tuchrocke, Pa-trontasche, Ober- und Untergewehr bekleidet, vondem Kadetten von Rentzel erercirt, und mußte inder rauhesten Witterung Schildwache stehen. ImAllgemeinen war die militärische Erziehung ungefährnach dem Muster derAndreä-Noltenius-christ«lichen geordnet, und beide waren von der Art, demPrinzen, dessen Gefühl für alles Schöne und Gei-stige sich sehr zeitig mit Macht zu entwickeln begann,Exercitium und Katechismus auf's Aeußerste zuwiderzu machen. Da der Prinz seine Abneigung ebennicht zu verdecken strebte, so war dieß die erste Ver-anlassung zu einer sich immer mehr steigernden Un-zufriedenheit seines königlichen Vaters. Die Voll-kommenheit des jungen Fürsten in den sogenanntenritterlichen Uebungen, dem Fechten, Tanzen, Rei-ten, Fertigkeiten, die der König zu schätzen gewußthaben würbe, wenn auch die des Erercirens hin-zugekommen wäre, wurden ihm nicht angerechnet,und als Friedrich Wilhelm vollends bemerkte,daß sich sein Sohn mit Leidenschaft der französischenLectüre, der Dichtkunst, der Musik zuwende; so er-