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desselben, mit 354? F. Seehöhe. Man überblicktvon hier zunächst nordöstlich die Ebenen Schlesiensund das Riesengebirge, welches der Breite nach ver-kürzt erscheint. Eine ausgedehnte, mannichfache Aus-sicht aber ist besonders nach Westen über das ganzeböhmische Gebirge von Friedland bis Reichenberg.Südwestlich erheben sich die Sandsteinmassen um Zit-tau; weiter rechts der Hutberg bei Herrnhut, überden Höhenzug von Löbau nach Pulsnitz das lau-sitzer Gebirge, und noch mehr rechts verliert sichder Blick in den Ebenen der Niederlausitz. — DerBerg erhielt seinen Namen von einer Fichte, welcheehemals als Gränzmarke Böhmens, Schlesiens und derLausitz in der Nahe des Tafelsteines stand; jetzt giltdiese Granitmasse selbst als die dreifache Länderscheide.
Unfern von dem Berge liegt nordöstlich, imQueisthale, der Badeort Flinsberg, dessen Haupt-quell schon seit 1572 bekannt und der eigentlicheTrinkbrunnen ist, vom Volke seiner Kohlensäurewegen der Vierbrunnen genannt. Er heißt eigent-lich der heilige Brunnen, und gilt als eines derwirksamsten salinischen Stahlwasser; daher der Ortfür das schlesische Spaa, welches bisher ziemlich ver-nachlässigt wurde, jedoch in der neuesten Zeit diethätige Fürsorge des Grundherrn, Reichsgrafen vonSchaffgotsch, erfahrt. Namentlich ließ derselbe 1839hier ein großartiges neues Badehaus ausführen.
In den freundlichen Anlagen um den Vrun-nenplatz führt ein Weg nach den Iserhäusern hinauf,und verbindet die Anstalt mit diesem Dorfe. Esbesteht aus 26 an der großen Iser hin zerstreutenBauden, deren Bewohner fast gänzlich von der Vieh-zucht leben; denn die mit dürftigen Nadelholzgrup-pen und Moorstrecken überzogene, 2400 Fuß hoheIserwiese trägt höchstens schlechte Rüben. Große Ar-muth herrscht in dieser traurigen Hochebene vor, undhäßlich, wie die Natur, sind auch die Menschen. Nur Et-was ist vortrefflich hier,— die Butter.— An der Iserhinab gelangt man nach Neuwelt, zur größten und be-rühmtesten Glashütte Böhmens, vielleichtganz Europas.
Die große Iser entspringt auf der Iserwiese auszwei Quellen, welche das sogenannte Zankstück ein-schließen, eine ziemlich bedeutende Waldecke, worüberein langer Prozeß zwischen dem böhmischen undschlesische« Grundherrn veranlaßt.wurde. Bei derUnbestimmtheit der Gränze nämlich nahm einst vonjener Seite Graf Llam-Gallas und von dieser GrafSchaffgotsch dieß Waldstück beharrlich in An-spruch, bis endlich, in Folge des wiener Kongresses,der Letztere es als unbestreitbares Eigenthum erhielt.
Nächst der Tafel sichte wird in neuerer Zeit ammeisten der Hochstein besucht, eine Granitmasseam südöstlichen Ende des Gebirgszuges, welche we-gen ihrer Aehnlichkeit mit einer Burg, besondersbei Abendbeleuchtung, auch die Abendburg genanntwird. Man genießt hier eine überaus reizende Umsicht.
Reiserouten durch die ganzen Sudeten.
Die Sudeten, ein Theil des ungeheuern Ver-zuges, welcher von der lüneburger Haide bis zum
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Mahren und Böhmen. Wer diesen Gebirgszug aufeinerTour bereisen wollte, würde zuvörderst zu allgemei-ner Uebersicht die Hauptzüge desselben zu besuchen haben.Man könnte in diesem Falle bei böhmisch Friedlandanfangen, den Iserkamm besteigen, hierauf überden Riesenkamm wandern, über Schmiedeberg oderLiebau das Hochwaldgebirge durchschneiden (Landes-Hut, Gottesberg, Hochwald, Salzbrunn, Altwasser,Charlottenbrunn, Wüstewaltersdors), auf dem Eu-lenkamme bis zur Schneekoppe fortgehen, dannüber Hausdorf, Neurode und Wünschelburg die Heu-scheuer, von da über Reinerz die Mense, über Grun-wald die Seefelder, den nesselgrunder Forst, Habel-schwert und den Spitzberg, den großen Schneeberg,über Altstadt und Goldenstein den Altvater besteigen,endlich über Hinnewieder und Würbenthal mit Neißeoder Troppau die Tour beschließen, wenn man nichtvon hier südöstlich noch einen Streifzug nach Gali-zien hinüber und nordwestlich nach der Lausitz machenwill. Diese Reise würde vier Wochen erfordern,und größtentheils zu Fuße zurückgelegt werden müs-sen. Hierauf würde man entweder von Freuden»that bis Zittau das südliche, oder von Neiße bis Bunz-lau das nördliche Vorgebirge, oder umgekehrt, zudurchwandern haben, was je sechs Wochen kostenkönnte. Da indeß selten Jemand einer Gebirgsreisevier Wochen widmen kann, so werden in der Regelnur einzelne Züge der Sudeten — am meisten dasRiesengebirge — durchwandert.
Breslau, der Eentralpunkt Schlesiens, fast indessen Mitte liegend, bietet den natürlichsten Haupt-ausgangsort für die Sudetenreise dar, namentlich fürdie Schlesien besuchenden Polen. Von hier ausführen nach allen Richtungen hin Chausseen undgute Landstraßen, und auch der Fußreisende wird,zur Schonung seiner Zeit und seiner Kräfte, vonhier aus bis an das Vorgebirge zu den eigentlichenAuswanderungspunkten fahren. — Diese sind fol-gendermaßen anzunehmen: Schweidnitz für dasHochwald- und Eulengebirge mit den verwandtenHöhenzügen; Warmbrunn für das Riesen- undIsergebirge; Lauban für das lausitzer ober Ga-belgebirge; Glaz für das Heuscheuer-, Erlitz- undSchneegebirge; Neiße endlich für das Gesenke oderschlesisch - mährische Gebirge :c.
Wer Herr seiner Zeit ist, wird zu einer Su-detenwanderung erst den September wählen, wo dasheitere Wetter beständiger, die Luft reiner, milderund durchsichtiger ist, aber freilich die Tage auchkürzer werden, wahrend der Frühling längere, schö-ner grünende gewährt. Jedenfalls ist auch im Mit-telgebirge, bei guten Kunst- und Landstraßen für dasFuhrwerk, die Fußwanderung diesem vorzuziehen, dasie allein die dem Reisegenusse entsprechende volleSelbstständigkeit verleiht.
Von dem schönsten Theile der Sudeten kann ge-wiß auch gelten, was Rousseau von der Schweiz sagt:,,Ln )' vo^Hßeant le peintre trouve ä cU2<iue p»3un tadleau, le poete une ima^e et le pnilozopke unereilexion," (Der hier reisende Maler findet bei je-
schwarzen Meere Europa in zwei große Hälften scheidet, , dem Schritte ein Gemälde, der Dichter ein Bildtrennen bekanntlich Schlesien und die Lausitz von! und der Philosoph eine Betrachtung.)
,--------------------------------------- Julius Krebs
Hierzu als Beilagen:Drei Blätter mit neun Ansichten vom Riesengebirge.
Verlag »on Eduard Pietzsch u. Comp, in Dresden. — Druck von B. G. Teubner in Dresden.