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3 (1842)
Entstehung
Seite
56
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streitig b!e Wand der Vurgkirche, in welcher dieDorfgemeinde noch 1740 ihren Gottesdienst hielt.Am Westende des Burghofes finden sich Trümmerdes Haupteinganges. Der Umfang des Burgberges,dessen äußerste Hauptmauer nach Mittag noch feststeht, ist nicht groß. Die Geschichte der Burg istziemlich lückenhaft. In der Mitte des 12. Jahrhun-derts lag sie im Gebiete des Stiftes Quedlinburg.Zu Ende des 13. bis in die Mitte des 14. Jahr-hunderts war Stecklenburg ein Eigenthum Derervon Hoym. Im Jahre 1364 kam die Beste andie Herren vonHad mers leben; diese befehdeten vonhier aus die ganze Umgegend, vorzüglich aber Qued-linburg und Halberstadt, bis die durch Handel undGewerbe reichen Bürger ein Vündniß schlössen, vordie Burg zogen, sie eroberten und zerstörten. Dieseward später wieder Eigenthum der Hoyme, welchesie auf's Neue aufbauten, und viele Jahre inne hat-ten. Das Ende, wie der Anfang von der Steck-lenburg, liegt im Dunkeln. Noch jetzt sind dieseTrümmer eine schöne Zierde der Umgegend.

Von der Stecklenburg nicht weit entfernt, höherim Walde erhebt sich

Die Lauenburg,welche aus 2 Burgen bestand, von denen die Haupt-veste mit abgebrochenem Thurm hoch lag, während dieVorburg tiefer gelegen war, deren Stätte aber nurnoch Grundmauern bezeichnen. Bei der Hauptvestefinden sich auch nur noch Schutthaufen, Wälle,Gräben und verfallne Keller. Auch von dieser Burgweiß man nicht, wenn und von wem sie erbauetworden ist. Die älteste Nachricht ist aus dem 12.Jahrh., wo sie im Besitze oer Pfalzgrafen von Som-mer schenburg war, und von Heinrich dem Löwen1166 zerstört wurde. Als er 1186 von Friedrich I.geächtet und aller Reichslehen verlustig ward, daverlor er auch die Lauenburg, die nun in die HändeOttos von Wittelsbach kam. Die Lauenburg, durchihre Lage zu einem Raubneste ganz besonders ge-eignet, ward 1296 von Rudolf von Habsburgzerstört; zu Anfange des 14. Jahrhunderts gehörtesie den Grafen von Rein st ein, und kam 1338 beider Auslösung des Raubritters Albert von Rein-stein an Quedlinburg, deren Bürger die Beste er-obert hatten. Seitdem schweigen die Nachrichten ganz,und man weiß nicht, wenn die Beste untergegan-gen ist. In der neuesten Zeit hat sich ein Theil deralten Burgruine zu einem angenehmen Erfrischungs-hause verjüngt.

Kloster NoHleben,

im Kreise Querfurt, Regierungsbezirk Merseburg,beim Dorfe Roß leben, auf einer Anhöhe an derUnstrut, zwischen Altern und Nebra, in der golde-nen Aue, einer der schönsten Gegenden Thüringensgelegen, war im Mittelalter ein 1142 von demHarzgrafen Ludwig von Wipra und dessenGemahlinn Mathilde gestiftetes, und mit Nonnenaus dem Augustiner-Orden besetztes, durch die Schen-

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kungen der Grafen von Stolberg und vonHacke-born sehr reiches Kloster, welches 66 Hufen Land,viele Wiesen, Weinberge, Gärten, 5 Dörser undgroße Holzungen besaß. Die Grafen Albrecht undLudwig von Hackeborn verkauften es 1335 anHermann von Orla münde. Unter den Schirm-voigten desselben werden 1429 die Herren von Witz-leben erwähnt. Friedrich von Witzleben er-hielt 1451 vom Herzoge und Landgrafen WilhelmIII. von Thüringen nochmals die Belehnung. ImBauernkriege ward Kloster Roßleben 1525 zerstörtund erst 1554 von Heinrich von Witzleben, bei-der Rechte Doctor, wieder hergestellt und zu einerBildungsanstalt, nach dem Muster der Fürstenschu-len, später mit 30 Frei- und 36 Koststellen nebst5 Lehrern eingerichtet. Zwar ging diese, nachdem dasStift schon durch die Reformation viele Klostergüter ver-loren hatte, im 36jährigen Kriege ein, und KurfürstGeorg II. mußte 1658 ihre Wiederherstellung be-fehlen. Doch erst 1675 konnte sie mit 4 Lehrern wie-der eröffnet werden. Darauf wurden sämmtliche Ge-bäude nebst Klosterurkunden und Bibliothek 1686ein Raub der Flammen; allein 1724 befahl Kur-fürst Friedrich August I. den Aufbau der Ge-bäude und die Wiederherstellung der Schule, unddarauf ward 172? der Grundstein zu dem nochstehenden palastartigen Gebäude mit Thurm undSäulenportale gelegt. Die Vollendung des Bauesund die Wiedereröffnung der Schule kam indessenerst 1742 zu Stande. Durch üble Verwaltung gc»rieth sie jedoch in Verfall, und ward 1788 deßhalbin Sequestration genommen und dem würdigen Kreis-amtmann Just in Tennstädt zur Verwaltung über-geben. Dieser verbesserte hierauf ihren ökonomischenund literarischen Zustand, und gab mehrmals Nach-richten über ihre verbesserte Einrichtung und Be-schaffenheit heraus. Seit dem Okt. 1799 gab mandie Erbadministration der Familie von Witz lebenzurück, und der gelehrte und biedere geheime Finanzrathund Domherr, Georg Hartmann von Witzleben,suchte nun als Freund und Kenner der Wissenschaf-ten das Gedeihen der Anstalt mit allem Eifer zu be-fördern, was ihm auch mit Hilfe des thätigen Nec-tors Wilhelm (seit 1860) und der übrigen Leh-rer nach Wunsche gelang. Die Zöglinge, seitder Gründung der Anstalt schon über 4000,müssen bei der Aufnahme wenigstens 12 Jahrealt sein und die nöthigen Vorkenntnisse zur weite-ren Ausbildung für die Universität haben. Sie kön-nen übrigens volle 6 Jahre daselbst bleiben. Schonvor, aber besonders nach der preußischen Besitznahmedes Landes, hat die Anstalt mancherlei Verbesserun-gen erhalten: man hat sie erweitert und die Anzahlder Lehrer auf 8 vermehrt. Daher war auch dieSchülerzabl seitdem fortwährend im Steigen, und be-lief sich 1836 auf 77, während früher nie die be-stimmte Zahl zusammenkam. Hier wurden dieOrientalisten Hackspan und Gutbier im 17,, im18, Jahrhunderte der Philolog Ernesti, der Dichtervon Thümmel, der Geolog vonTcebra, der Minera-log Voigt und andere ausgezeichnete Männer gebildet.

Hierzu als Beilagen:1) Küstrin. 2) Stecklenburg und Lauenburg. 3) Klosterschule Roßleben.

Verlag «°n Eduard Pietzsch u, Lomp, in Dresden, Druck von N, G, Teubner inDresben,