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schen Einwohnern, welche sich hauptsächlich von Tuch-machern, Leinweberei und dem Verkehre mit derFestung nähren. Diese hat eine Kommandanturund eine verhältnißmäßige Besatzung. Die Stadtverdankt ihren Ursprung und Namen dem silberhal-tigen Bleierze, worauf reichensteiner und meißnerBergleute seit 1376 zu bauen ansingen. Der An-bau der Stadt dauerte bis 1592, der Bergbau bis1754. Der Hussitenkrieg (1419—36) störte denletzteren schon, noch mehr aber die Religionsverfol-gung zu Ende des 16. Jahrhunderts, und der 36jäh-rige Krieg vernichtete ih'n fast ganzlich, nachdem erzu Anfang des 17. Jahrhunderts nochmals em-por gekommen war. — Bei der Belagerung der Fe-stung 136? ward die Stadt mit der evangelischenKirche, welche die Bergleute von 1592—96 erbauethatten, fast ganz in den Grund geschossen, seitdemaber die Kirche 1816, ihr Thurm 1838 wiederaufgebauet.
Nach Verstärkung der schon vorhandenen schle-sischen Festungen, ließ Friedrich II. diese Bergfe-stung, stets an einen Krieg mit Oestreich denkend, umMeister der Gebirgspässe zu sein, welche links nachGlatz und rechts nach Nraunau führen, von 1765bis 1777 mit einem Aufwande von 4,l Million Tblr.hoch über der Stadt auf dem Felsen anlegen. DieWerke sind mit großer Mühe und Kunst in denFelsen gehauen und durch bedeckte Wege verbunden;daher die Festung mit Recht das schlesische Gi-braltar genannt wird. Die Gräben sind 76Fuß tief und die Wälle, eskarpirte Berge, enthal-ten 3 Reihen Kasematten über einander. In denFelsen ist für die Besahung, welche 5666 Mannstark sein kann, ein 177 F. tiefer Brunnen gehauen.Im Frieden liegt diese in 2 Kasernen zwischen derStadt und Festung Man zählt auf der Nordseiteallein 6 befestigte Anhöhen; diese sind der hoheStein, der Schloßberg, der Haupttheil (derWunderbau genannt, von einem 76 Fuß tie-fen Graben umgeben), dessen Gipfel sich 456 F. überdie Stadt erhebt, während der Wallgang 2646F. Seehöhe hat, das Hornwerk, der Hahnen-kamm, der Spitzberg (1957 F.Hoch) und die kleineStrohhaube (2258 F. hoch). Wenn man aufdem sogenannten Kolonnenwege die Festungs-werke ersteigt, so ist es, als ob man über Felsen-gebirge ginge, und während die vielen Thore, Wa-chen, Brücken und tiefen Gräben fast ein grauen-volles Schaudern in der Seele erregen, entsteht beimAnblick dieses ungeheuern, hohen Felsenbaues wie-derum das Gefühl des Großen und Erhabenen.Herrlich ist die Aussicht vom Donjen, oder demhöchsten Punkte, über Schlesien und die GrafschaftGlatz, namentlich nach Reichenbach, Schweidnih,dem Riesengebirge, den striegauer Bergen und demZobtenberg. Die Luft ist immer rauh in dieser ho-ben Bergregion, daß sogar im Sommer die Stu-ben in den Kasematten geheizt werden müssen, undselbst in der Stadt findet ein großer Unterschied desKlimas zwischen der Sommer- und Winterseite Statt;
denn während man in jener noch die Stuben heiztund Schlitten fährt, öffnet man in dieser die Fen-ster dem warmen Sonnenschein. — Auf dem Schloß-berge ist noch der Braut- oder Iungfergang,durch die Liebe der Tochter des Pförtners zu einemGefangenen, merkwürdig, indem sie denselben desNachts auf den aus der Mauer hervorragenden Stei-nen mit Lebensgefahr ging, vor sich den Abgrund se-hend, und nur mit Mühe durch ein kleines Git-terfenster in das Gefängniß gelangend, bis sie vonihrem Vater entdeckt und angezeigt wurde. —
Gröditzberg,
oder Gräditzberg, Dorf mit Schloß, Kapelle undschöner Gruft der Familie von Sche I lendorf, im Re-gierungsbezirk Liegnitz und goldberg-hainauer Kreise,1 St. von Goldberg, 2^ Meile von Hainau, 2^ M. vonBunzlau, am Fuße des 1255 F. hohenGröditzberges, ei-nes Basaltkegels, auf dessen Gipfel die wohlerhalteneRuine derGröditzburg liegt, von welcher man einehöchst angenehmeAussicht hat, wie sie denn selbst in Nie-derschlesien weit und breit gesehen und zahlreich besuchtwird, gleich dem Zobtenberg in Mittelschlesien unddem Annaberg in Oberschlesien. Man überblickt nachNO. die Ebene, in welcher Hainau, Goldberg, Lieg-nitz, Wahlstatt, Leubus und Breslau liegen, bis nachPolen hin, und südlich bis zum propsthainer Spitz-berge, über das Mittelgebirge bis zum Kamme desRiesengebirges.
Diese Burg ward um 1471 von Friedrich I.von Liegnitz erbauet und mit der Verwaltung derHerrschaft Burghauptleuten übergeben. Im 36jäh-rigen Kriege diente sie zur Aufbewahrung von Schä-tzen, ward aber durch die Geliebte des Komman-danten von Schindel 1633 im Oktober an Wal-lensteins Truppen verrathen, geplündert und inBrand gesteckt. Um sie nicht als Waffenplatz in dieGewalt der Schweden kommen zu lassen, zerstörteman 1646 die noch übrigen Festungswerke. Nachdem Aussterben des liegnitzschen Herzogsgeschlechls1675 ward Gröditzberg ein kaiserliches Burglehen,aber 1768 an den Grafen von Frankenbergverkauft, welcher das neue Schloß am Berge er-bauet?. Von 1749—53 gehörte die Herrschaft demGrafen Geßler, von 1753—87 der Familie vonSchellendorf, hierauf bis 1822 dem GrafenHeinrich Hochberg VI., welcher sich um die Er-haltung der Burgruine höchst verdient machte. Seit-dem ist sie Vesitzthum des Banquiers Benecke inBerlin, der sich davonBenecke von Gröditzbergnennt, und der alten Burg eine gleich rühmlicheSorgfalt schenkt. In dem großen, von Gänsel her-gestellten, Rittersaale des Erdgeschosses liest man dieGeschichte der Burg, wie sie der Pastor Hensel1753 in dem Fremdenbuche niedergeschrieben hat.Am 26. August 1838 feierte man auf der Gröditz-burg das 25jährige Jubelfest des Sieges an derKatzbach.
Hierzu als Beilagen:1) Görlitz. 2) Festung Silberberg. 3) Schloß Gröditzberg.
VeUcig von Eduard Pietzsch u. Comp. in Dresden. — Druck von B. G. Teubner in Dresden.