L
dorf auf Meffersdorf gegründet, 1 Armenschule, 1Waisen-, 1 Zuchthaus und 4 Hospitäler; die Peters-kirche, auf einem Felsen, von 1423 bis 1497 er-bauet, ausgezeichnet durch ihre reiche und edle Bau-art (1691 bis auf das Gewölbe abgebrannt, wel-ches auf einer vierfachen Kolonnade ruht, bis 1696wieder hergestellt), durch ihre große und berünmteOrgel mit 3 Klaviaturen, durch einige Altargemaldeidie Grablegung und Himmelfahrt Christi, durch die217 Zentner schwere Glocke und die Georgenka-pelle im Felsen unter ihr mit einem Brunnen; dasRathhaus, der sogenannte Voigtshof oder daslandständische Versammlungshaus, mit der Rathsbi-bliothek von mehr als 9000 V. mit seltenen Handschrif-ten, dem Sachsenspiegel :c., das Gebäude deroberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaf-ten, welche 1779 vom verdienstvollen Landesaltestenvon Gersdorf gestiftet ward, 1839 aus 279Mitgliedern bestand und schätzbare Sammlungen vonBüchern, Urkunden, Karten, Kupferstichen, Mün-zen, Alterthümern :c. besitzt; das Theater, dieBörse und 2 Zeughäuser. Noch ist die kleine Kirchez, h. Kreuz in der Nikolaiuorstadt wegen des soge-nannten heiligen Grabes zu merken, welchesder Bürgermeister Emmerich zum An denken an seineWallfabrten nach Palästina (1465, 1476 und 1478)von 1480 bis 1489 hat erbauen lassen. Seit 1823besteht hier auch eine naturforschende Gesell-schaft, welche ein ansehnliches Naturalienkabi-net besitzt; ein Gewerbeverein, welcher 1838die erste Gewerbe-Ausstellung veranstaltete, und 1Freimaurerloge.
Girlitz liegt in einer der schönsten Gegendender Oberlausitz und gewährt schon durch seine Lagemannichfaltigen Naturgenuß; man hat aber auchschöne Spaziergänge um einen Theil der Stadt imenglischen Geschmacke angelegt, besonders vor dersogenannten Pforte. Außerdem gibt es öffentlicheund Privatgärten, welche sich durch geschmackvolleAnlagen auszeichnen. Eine kleine Stunde von derStadt erhebt sich die Landskrone, ein Gra-nit- und Basaltkegel, 1304 F, über der Ostsee. Aufdem Gipfel derselben, wo stets ein kühler Wind weht,und deßhalb ein steinerner Pavillon, durch Meyerzu Knonow, 179? errichtet worden ist, hat maneine weite und schöne Aussicht. Bis 1422 standauf derselben ein Raubschloß, welches der Familie derLandskröner gehörte, auf Befehl Kaiser Sigis-munds aber zerstört wurde.
Die Geschichte der Stadt bis zur Gründungderselben geht bis zum Jahre 1131 zurück. Damalsstand an dem Orte, wo jetzt die Nikolaivorstadtist, ein Dorf, welches der böhmische Herzog S o-bieslaw zu einem Marktstecken erhob, und zu des-sen Schutze ein festes Haus auf der Höhe, wo jetztder Voigthof ist, erbauen ließ. Dieser Flecken,welcher Drewnow hieß, brannte 1131 ab; derHerzog baute ihn aber nicht nur wieder auf, sonderngab ihm auch Stadtgerechtigkeit, und vom Brandeden Namen Sgorzelice, d. h. Brandstadt, wor-aus wendisch Sorlez, deutsch Görlitz geworden ist.Durch die Niederlassung deutscher Handwerker, na-mentlich Tuchmacher und Leinweber, durch ihrenGcwerbfleiß und den Verkehr mit den Slaven inPolen und Böhmen kam die Stadt bald empor, undwar von 1346 bis 1815, durch die Bündnisse von1459, 1476 und 1490, die 2. unter den lau-
47
sitzer Sechsstädten. Neben der Tuchmacher« wardauch die Brauerei wichtig, so daß es 94 bcauberech-tigte Häuser gab. Durch Handel und Gewerbe, inderen alleinigem Besitze die Sechsstädte waren, wuchsauch der Reichthum, die Macht und das Ansehender Stadt Görlitz, und sie konnte ihr Stadtgebiet durchAnkauf von Dörfern auf 18 bis 20 Geviertmeilenvergrößern. Indessen trafen sie auch viele harteSchicksale, außer dem Wechsel der Herrschaft, durchKrieg, Brand, Mißwachs, Theuerung und Pest.Der Hussitenkrieg, der 30jährige Krieg, wo sie 1633von Wallenstein, 1634 von den Kaiserlichen und1640 von den Schweden belagert wurde, undder 7jährige Krieg, sowie die Brande von 1646,1691, 1717, 1726 und 1759 haben traurige Spu-ren der Verwüstung bis auf den heutigen Tag zu-rückgelassen. Zu Anfange des 19. Iahrbundertszählte man noch gegen 200 Brandstellen. Gewerb-fleiß und Handel brachten indessen die Stadt immerwieder empor. — Die Kirchenverbesserung fand so-gleich Eingang und behauptete sich durch allge-meine Annahme. Nicht wegen der Religion, son-dern wegen des Mißbrauchs seiner Gewalt machtedie Bürgerschaft 152? gegen den Rath eine Verschwö-rung, an welche noch jetzt das sogenannte Verrä-thergaßchen erinnert, — Im Jahre 177? legte derItaliener CKiaponi eine Seidenwürmerzucht hieran, welche anfangs, durch die Regierung begünstigt,trefflich gedieh, nach 2 Jahren aber, durch die Nach-lässigkeit des Unternebmers, wieder einging. Damalshatte man über 200,000 Maulbeerbäume um Görlitzangepflanzt, welche seitdem aber auch wieder eingegan-gen sind, — Zu Görlitz lebte und starb 1626 der Schuh-macher, Theosopb und Mystiker, Jakob Böhme,geboren in der Nähe zu Altseidenberg 1575. — Un-ter den Mitgliedern der oberlausitzischen Gesellschaftverdient noch besondere Erwähnung K. A. von Meyerzu Knonow, ausgezeichnet als Mensch, Gelehrter,Künstler und Kunstfreund, Verbesserer des Bogen-klaviers und Erfinder des Harmonikons, 1792hier gestorben. — Merkwürdig sind unter den na-hen Dörfern Moys, durch ein Gefecht, den 7. Sept.1757, in welchem der berühmte General Winter-feld, der Liebling Friedrichs, welcher auf seinZureden vornehmlich den 7jährigen Krieg begann, tödt-lich verwundet wurde, und Markersdorf, durch dengemeinschaftlichen Tod der französischen Generale D u-roc und Kirgener, den 22. Mai 1813, beidevon einer Kanonenkugel getroffen. Auf Na-poleons Wunsch hat König Friedrich Wil-helm III. in der Nähe, wo die beiden Generale sielen,einen großen Granitwürfel als Denkmal setzen lassen,auf dessen vorderer Seite der Name Durocs, undauf der Hinteren Seite der Name Kirgener s stebt.
Silberberg,
offene Stadt mit Festung am Nordabhange des Eu-lengebirges, in einem engen Thale zwischen den Klu-ßen und Spitzberge, an den Quellen des Pausebachs,im Regierungsbezirk Breslau, Kreis Frankenstein,1^ Meile von der Stadt, 2 M. von der böhmischenGränze, 3 M. von Glatz, 11 M. von Breslau, ineiner romantisch schönen Gegend gelegen, hat nur170 Häuser, aber 2 Kirchen, 2 Schulen und 1 Hos-pital, mit ungefähr 2000 katholischen und evangeli-