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3 (1842)
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46
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zurücklegte, der leicht das Dreifache der Entfernungin gerader Linie betragen mochte. Dagegen ließLeopold sich gern gefallen, daß ihn die dessauerGassenjungen verhöhnten, wenn er von der Jagdohne Beute heimkehrte, sowie er sich überhaupt ge-gen seine Soldaten und Unterthanen einer Vertrau-lichkeit hingab, die fast ohne Beispiel sein möchte,und mit der eisernen Strenge gegen sie auf die selt-samste Weise kontrastirte. Mancher mußte die Ehre,mit dem Landesherrn auf die gröbste Art spaßen zu dür-fen, mit Haut und Haar bezahlen. Oft sah er ihnenaber auch durch die Finger, wenn sie seine Freigebigkeitmißbrauchten. So hatte Leopold einst einem Bürgereine Anweisung auf einige Klaftern Holz gegeben.Zufällig ging er vorüber, als das Holz vor dessenHause abgeladen wurde, und ließ, über die großeMenge erstaunend, den Mann sogleich rufen. Aufdie barsche Anfrage: wie viel Holz er ihm angewie-sen habe, gab dieser vertraulich lächelnd zur Ant-wort:Ach, das war so wenig, und da habe ichnoch ein Nullchen dazu gesetzt." Zufrieden mitdieser Erklärung ging Leopold weiter.

Am merkwürdigsten ist jedoch die Umgangsartdes Fürsten mit seinen Soldaten gewesen, von de-nen er eben so gefürchtet als geliebt wurde. LustigeSchwanke und harte Prüfungen, ansehnliche Geld-geschenke und zahlreiche Stockprügel, unbarmherzigeBestrafung von Dienstfehlern bei geflissentlicher Ver-leitung dazu, wechselten stets mit einander ab. Werheute, nur wegen eines Verdachts von Widerspen-stigkeit, halb todt geprügelt wurde, dürfte morgenseinem Zorne gegen den Feldmarschall selbst freienLauf lassen. Vor dem Feinde war seine Gewaltüber die Soldaten am größten; er theilte jede Ge-fahr mit ihnen und kannte keine Schonung; seineKraftsprache, mit derben Flüchen untermischt, wirkteelektrisch auf die Gemüther, und ließ sie jede Ge-fahr vergessen. Das Regiment des Fürsten, in Hallestehend, galt in der ganzen preußischen Armee alsein Muster in jeder Beziehung, war aber auch derGegenstand seiner zärtlichsten Fürsorge. Da Jeder,der nicht Soldat war, von ihm gering geachtetwurde, und diese Ansicht sich auch den Soldatenmittheilte, gab es häufige Händel mit den Civilbe-hörden und Studenten, die endlich zur Folgehatten, daß das Regiment vom Könige Befehl er-hielt, Halle zu verlassen, was Leopold nicht zuandern vermochte und sich dadurch tief gekränkt fühlte;doch dauerte die Entfernung nur kurze Zeit.

Das hier in seinen Hauptzügen geschilderte Trei-ben des Fürsten in jener Friedenszeit wurde nurselten durch Reisen und Besuche an fremden Höfenunterbrochen; doch wohnte er, von König Augustpersönlich eingeladen, 1730 den Uebungen und krie-gerischen Schauspielen der sächsischen Truppen im La-ger bei Mühlberg bei. In dem bekannten Prozesse,welchen Friedlich Wilhelm gegen den des förm-lichen Ungehorsames beschuldigten Kronprinzen ein-leiten ließ, nahm sich Leopold des Bedrängtenmit vieler Wärme an, und erwarb sich dadurch des-sen wahre Hochachtung. Dagegen wollte der Wunsch,seinen Neffen, den Markgrafen von Schwebt, miteiner Tochter des Königs vermählt zu sehen, trotzaller Bemühungen und Intriken, nicht in Erfüllunggehen; denn er hatte sich mit dem FeldmarschallGrumbkow auf eine Weise entzweit, die keine Ver-

söhnung zuließ, und dieser gewandte Hofmann ar-beitete ihm stets entgegen.

Als im Jahre 1734 ein Krieg zwischen demdeutschen Reiche und Frankreich ausbrach, gab Leo-pold sich viele Mühe, die Stelle eines Reichsfeld-marschalls und zugleich den Oberbefehl zu erhalten.Da es aber noch zwei fürstliche Milbewerber gab,der Kaiser keinen zurückweisen wollte, Leopold aberin der Anciennetät der dritte wurde, so entging ihmauch der Oberbefehl. Doch nahmen seine fünfSöhne, wovon der älteste, LeopoldMarimilian,bereits Generallieutenant war, rühmlichen Antheil andiesem Feldzuge, dem der Vater, als Begleiter undLehrer des Kronprinzen, ebenfalls beiwohnte und denPrinzen Eugen in sehr veränderter Gestalt hierwieder sah. Die gänzliche Erschlaffung dieses sonstso gefürchteten Feldherrn ging auch auf die Opera-tionen über, und mißvergnügt kehrten die Fürstennach Berlin zurück.

(Beschluß folgt.)

G ö r I i tz,

Kreisstadt im südöstlichen Theile der preußischen Ober-laufitz, zum Regierungsbezirk Liegnitz, der ProvinzSchlesien gehörig, an der lausitzer Neiße, über welcheeine hölzerne Brücke führt, 60'i Fuß über der Ost-see, 3 Meilen von Lauban, 4 M. von Zittau, 4AM. von Vautzen, 12z M. von Liegnitz, 13 M. vonDresden, 20 z M. von Breslau und 29 M. vonBerlin entfernt, regelmäßig und zum Theil schöngebauet, mit starken Mauern und tiefen Gräbenumgeben, hat 6 Thore, 3 Vorstädte, 8 evangelischeKirchen, und zählt in mehr als 1100, meist mas-siven Häusern (viele mit altem Bildwerke) über13,000 Einw. Unter den Thoren ist das Fraueri-ll) or mit dem kunstreich gehauenen Stadtwappenverziert. Die Straßen sind breit, mit Basalt ge-pflastert und des Nachts gut erleuchtet. Eine Was-serleitung versorgt die Stadt mit Trinkwasser, undunterirdische Kanäle führen den Unrath aus derselben.Die 3 Marktplätze sind geräumig und mit den schön-sten und größten Gebäuden besetzt; die Häuser amUntermarkt haben Bogengänge oder Lauben. DieStadt ist der Sitz eines Landrathamtes, eines Land-und Stadtgerichtes 2. Klasse, eines Hauptsteuer-,Salz-, Gerichts-, Eichungs- und Gränzpostamtes,einer Landschaftsdirektion und eines Inquisitoriais.Dem Stadtralhe stehen 2 Bürgermeister vor. Auchist hier das Stabsquartier, eines Garde-Landwehr-und eines Landwehrbataillons. Die Hauptnahrungs-quellen dieser alten Fabrik- und Handelsstadt sindnächst der Tuchmachern, welche schon im 14. Jahr-hunderte hier aufkam, und im Jahre 1800 gegen300 Meister mit l'iO Gesellen beschäftigte, dieStrumpfwirkerei, die Leinweberei, die Schönfärbe-rei :c. Der Handel mit Tuch, Leinwand und Ge-treide ist lebhaft. Auch giebt es hier Tabackfabri-ken, 1 Zuckersiederei, 1 Glockengießerei, 1 Eisenham-mer ic. Die Woll- und Jahrmärkte sind wichtig. Ander Neiße liegen große Garn- und Leinwandbleichen.Zu den bemerkenswerthen öffentlichen Anstal-ten und Gebäuden gehören: 1 Gymnasium, im ehe-maligen Franziskanerkloster, mit vielen milden Stif-tungen, 3 Bibliotheken, 1 Bürgerschule, 1 Mädchen-lehrinstitut, 1782 vom Landesältesten von Gers-