Muleum lür preulzilche ^aterlandskunde.
Band ZU.
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Lief. O.
Kurze Geschichte der MarkBrandenburg,
von Ven ältesten bis auf oie neuern Zeiten,
(Beschluß.)
Der Kaiser Sigismund konnte aber das Dar-lehen nicht nur nicht bezahlen, sondern borgte nochneue Summen dazu, und trat deßhalb 1415 dieganze Mark nebst der Kurwürde an Friedrichab, nachdem ihm dieser noch 250,000 Dukaten ge-liehen hatte, so daß die ganze Summe 400,000 Du-katen betrug. Darauf folgte, 1417 auf dem Kon-zile zu Konstanz, in Gegenwart vieler Fürsten, diefeierliche Belehnung, und der Burggraf hieß nunals Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg. Au-ßerdem besaß er noch die Markgrafchümer Anspachund Baireuth in Franken. — Friedrich fand seinneues Vesitzthum im traurigsten Zustande, von in-nern Fehden und äußeren Angriffen zerrüttet, under hatte anfangs mit dem raubsüchtigen Adel, wel-cher seine Herrschaft nicht anerkennen wollte, so wiemit den feindlichen Nachbarn, einen schweren Kampfzu bestehen. Dabei unterstützte ihn vornehmlich seinezärtliche und muthvolle Gemahlinn, Elisabeth vonBaiein, bekannter unter dem Namen der schönenElfe; sie sammelte Truppen und führte sie selbstdem Kurfürsten zu. Verderblich für die Mark warspäter Friedrichs Theilnahme am Hussitenkriege(1419—36); denn aus Rache durchzogen die Hussi«ten brennend, raubend und mordend mehrmals dasLand. Noch vor seinem Tode (1440) theilte Fried-rich sein Land, und es erhielt der zweite Prinz, Fried-rich N. (1470) das Kurfürstenthum Brandenburg', dervierte Prinz, FriedrichderDicke, dagegen die Altmarkund die Prignitz. Der Kurfürst, von seiner KörperstäckeFriedrich mit den eisernen Zähnen genannt, ver-größerte sein Gebiet, indem er vom deutschen Or-den die Neumark für 100,000 Gulden einlöste unddie Herrschaften Cottbus und Peitz wieder an sichbrachte. Im Streit mit ihren Stadträthen empör-ten sich 1448 die Einwohner Berlins und Kölnsgegen ihn, wurden aber bald zur Unterwerfung ge-bracht und mit desto größern Abgaben und dem Ver-luste ihrer Vorrechte bestraft. Im Kriege mit Pom-,. mern, bei der Belagerung von Uckermünde, desGehörs beraubt, übergab er die Regierung, da seineinziger Sohn, der Kurprinz Johann, 1468 gestor-ben war, seinem Bruder Albrecht Ackilles (1470bis 1486), dessen Lebensgeschichte im I. Band der Bor.(S. 41) steht, welcher, zugleich im Besitze von An-spach und Baireuth, Brandenburg vernachlässigte, undzum Nachtheil des Landes einen neuen Zoll einführte.Durch die Vermählung seiner Tochter Barbaramit Heinrich XI. von Glogau kam 1481 Erossen,nebst Züllichau, Sommerfeld :c. an Brandenburg.Sein Sohn und Nachfolger Johann (1486—99),
von der Kraft seiner Rede, durch welche er 3 Könige,Mathias von Ungarn, Kasimir von Polen undWladislaw von Böhmen versöhnt hatte, Cicerobeigenannt, welcher sich schon als Statthalter durchZerstörung vieler Raubschlössei Verdienste erworbenhatte, nahm zuerst seinen Sitz in der Mark Bran-denburg, und machte seine Regierung durch Spar-samkeit, Ordnung und Gerechtigkeit höchst wohltha-tig. Um die große Schuldenlast, welche das Landdrückte, zu vermindern, legte er eine Abgabe aufdas Bier und bestrafte einige der darüber rebellischenStädte mit doppelter Abgabe und dem Verluste ih-rer Vorrechte, wie Stendal, Gardelegen u. a. Erkaufte 1490 die Herrschaft Zossen, begann den Baudes Universitätsgebäudes zu Frankfurt a. d. O. undbegünstigte die Errichtung der ersten Buchdrucke-lei durch Ioach. Westphal und der ersten Apo-theke durch Hans Zehn der in Stendal 1488.
Joachim I, (1499-1535) war erst 15 Jahralt, als er zur Negierung kam, aber dennoch sokräftig, daß er einige fehdesüchtige Edelleute mitaller Strenge zur Ruhe brachte. Außer 70 adligenRuhestörern wurden selbst seine beiden Günstlingevon Otterstedt und von Lindenberg 1518 hin-gerichtet. Dagegen hatte er 1510 ungestraft eineharte Judenverfolgung geschehen lassen. Ungeachtetman ihm, wegen seiner vielseitigen Kenntnisse, denBeinamen Nestor gab, und er selbst durch dieEinweihung der Universität zu Frankfurt 1505 sei-nen Sinn für die Wissenschaft beurkundet hatte; sowar ihm doch das Licht, welches Luthers Kirchen-verbesserung verbreitete, so sehr zuwider, daß er ihreVerbreitung in Brandenburg nicht gestattete, und seineFamilie selbst mit Gewalt davon abhielt. Dagegenwar sein Nachfolger Joachim II. (1535—71), vonseiner Tapferkeit gegen die Türken Hektor genannt,ein Freund der gereinigten Lehre, und trat 1539 öf-fentlich zu derselben über. Schon 1537 hatte ermit Friedlich II. von Liegnitz, Vrieg und Wohlaueine Erbverbrüderung geschlossen und dadurch Bran-denburgs Ansprüche auf Schlesien begründet. Aufgleiche Weise bereitete er 1569 durch die Mitbeleh-nung über Preußen dessen Anfall an Brandenburgvor. — Das von seinem Vater errichtete Kam-merge richt bestätigte Ioa chim II, und stiftete nochdas Eonsistorium zu Berlin. Die Stadt Span-dau ließ er mit großen Kosten befestigen und zuBerlin das Schloß und Zeughaus erbauen. Durchdiese Bauten, aber noch mehr durch seine Pracht-liebe und Verschwendung, welche auch das Volk,trotz seiner Verbote, allgemein annahm, stieg dieStaatsschuld bis zu seinem Tode auf 1.^ MillionThaler, ungeachtet der Elbzoll bei Lenzen allein jährlich70,000 Dukaten einbrachte. Dazu hatten besondersauch der Jude und Hoflieferant Lippold und eineGeliebte des Kurfürsten, Anna Sydow, bekanntunter dem Namen der schönen Gießerinn, viel