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in denen schon öfter verratherische Spuren des Al-ters vorkommen. Alle diese Sammlungen gab erim Selbstverläge heraus, um sie an seine Freundeverschenken zu können.
Der Anfang des neuen Jahrhunderts war fürden Greis trübe. Schon seit dem Januar 1799klagte er über Abnahme der Sehkraft. Das Uebelverschlimmerte sich, er konnte seinen Freunden nurnoch in großen lateinischen Buchstaben schreiben, biser endlich ganz mit Vorlesen und Diktiren sich be-helfen mußte. Eine auf seinen unabänderlichenWunsch, durch den Schwager seiner Nichte, denHofrath Himly zu Braunschweig, unternommeneOperation, welcher sich der Greis mit der größtenStandhaftigkeit, sowie der wochenlangen Nachkurmit unendlicher Geduld unterzog, hatte nicht denerwünschten Erfolg. Aber seine treue Muse verließihn nicht, er sang um die Wette mit dem Vögel-chen, das seine Nichte in die Nähe seines Lagersgebracht hatte. Auch nicht fremd wurde er den gro-ßen Interessen der Gegenwart und des Vaterlandes.Gleim sang in dieser Zeit „Schweizerische Kriegs-lieder", und gab 1891 eine neue Sammlung vonZeitgedichten heraus. Die zweite dieser Samm-lungen enthielt mehrere Lieder an Kaiser Alexander.Sie wurden diesem durch seinen Gesandten in Ber-lin von Krüdener bekannt, und veranlaßten dasGeschenk einer goldenen mit Brillanten besetztenDose an den alten Sanger. Im Jahre 1892folgten noch 2 Sammlungen solcher „Zeitgedichte",nach ihrer Entstehung Nachtgedichte benannt,denn sie waren nur in schlaflosen Nächten entstan-den. Im März 1892 machte er den letzten An-hang zu seinem Testamente, dann flehte er lebenssattden Tod an, und nahm in den letzten rührendenBriefen von seinen Freunden, namentlich LeopoldStolberg, Herder und Klopstock, Abschiedfür dieses Leben. Seitdem ward er ruhiger undstiller, und nur von angenehmen lebhaften Trau-men erregt. Doch loderte vor dem Erlöschen dieFlamme noch einmal auf. Seine letzten Gedichtediktirte er am 12., und am 18. Februar 1893 Abends6 Uhr trennte sich dann sein edler Geist so sanftvon der irdischen Hülle, daß seine dem Sterbebettnahe Nichte die Trennung nicht bemerkt hatte, undder entseelte Leib wie im sanften Schlafe lag. Nachdrei Tagen wurde er, einen Lorbeerkranz im silber-weißen Haar, einen Eichenkranz in der Rechten, dieso viele Wohlthaten gespendet hatte, der Sarg mitKränzen reich geschmückt, unter dem Trauergcsangdes Domchores, und Blumen und Gedächtnißliedernseiner Freunde, von den Mitgliedern des Domstif-tes, des Ofsiziercorps, der Landescollegien und derliterarischen Gesellschaft ehrenvoll begleitet, zur Ruhegebracht in seinen Garten, von den Marmorurnenmit den Namen und Todestagen vorangegangenerFreunde umgeben.
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Das brandenburger Thor in Berlin.
Unter den vielen und großartigen Bauwerken,welche die kunstreiche Königsstadt mehr als irgendeine andere schmücken, nimmt das brandenbur-ger Thor mit seiner herrlichen Kolonnade und Vic-toria nicht einen der letzten Plätze ein, durch sei-nen imposanten Anblick schon von außen die Prachtund Herrlichkeit der Haupt- und Residenzstadt ver-kündend, wenn man aus dem Thiergarten über denpariser Platz in dieselbe eintritt und nach den Lin-den geht. Das brandenburger Thor, eineNachahmung der Propyläen in Athen, welche denwürdigen Eingang zur Akropolis (Burg) bildeten,aber viel größer, besteht aus einem Doppelporticusvon 12 dorischen Sandsteinsäulen (von 5 F. 7 ZollDurchmesser und 44 F. Höhe) und 18 kleinern Säu-len (von 3 F. Durchmesser und 24. F. Höhe), diedurch Zwischenwände mit einander verbunden 5 großeDurchgänge bilden i einen mittleren, 18 F. breit, für dieköniglichen Wagen, und 4 schmälere, von 12 F. 4 ZollBreite für anderes Fuhrwerk und die Fußgänger,alle mit eisernen Gitterthüren von 16 F. Höhe, undist unter König Friedrich Wilhelm II. von 1789bis 1793 von Lang Hans aufgeführt worden. Dieganze Breite des Thores beträgt 195 F. 9 Zoll, unddie Höhe mit dem Gebälke 64, bis zur Spitze derVictoria 89Fuß. Auf dem verzierten, dorischenGebälke erhebt sich eine hohe Attika (Aufsatz), überden mittleren Durchgang vorspringend, mit einemBasrelief von 26 F. Länge und 8 F. Höhe, auf bei-den Seiten Treppen, welche zur Höhe hinauffüh-ren. Darauf steht die Quadriga — der vierspän-nige, antike Wagen, — in welchem die geflügelteSiegesgöttinn steht, und statt des ehemaligen Pal-ladiums mit der Fahne, das eiserne Kreuz, denLorbeerkranz unter dem Adler in der Rechten hält.Die vier, 12 F. hohen Pferde, sowie die Victoriaund Quadriga, sind in Kupfer getrieben und nachden Modellen und Zeichnungen von vaterländischenKünstlern versertigt. Die Höbe der ganzen Gruppebeträgt 16 F. Das am Gebälke befindliche Basre-lief stellt den Markgrafen Albrecht Achilles dar,der in der Schlacht gegen die Nürnberger eine Fahnemit eigener Hand erbeutet, und die in den Meto-pen (Zwischentiefen) angebrachten Vasreliefs zeigenden Streit der Centauren mit den Lapithen, wäh-rend man an den innern Seitengewänden Basre-liefs mit den Thaten des Herkules, an den Deckengemalte Trophäen erblickt. — Napoleon erlaubtesich 1897, das Thor seines Schmuckes zu beraubenund die Victoria nach Paris zu schicken, um siedort auf den Triumphbogen des Karusselplatzes zusetzen; dieß geschah aber nicht, und der siegreicheEinzug der Preußen in Paris 1814 brachte den ge-raubten Schatz als preußisches Siegesdenkmal indie Hauptstadt zurück, wo es seit dem 7. August1814 seinen alten Standort mit dem neuen, bedeu-tungsvollen eisernen Kreuze wieder einnimmt.
Hierzu als Beilagen:1) August Wilhelm Iffland. 2) Merseburg. 3) Das brandenburger Thor in Berlin.
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Verlag «on Eduard Pietzsch u, Comp, in Dresden, — Druck von V, G, Teubner in Dresden.