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wuOe. Der Reichthum dieser Kirche rührt meistensvon den Ablaßbriefen her, mit welchen sie reichlichbedacht wurde. Der Pastor an dieser Kirche ist zu-gleich Superintendent.
DieHospitalkirche befindet sich in der Vor-stadt beim Hospital zum heil. Geist, worin 36 altePersonen verpflegt werden, und welches überdießeinen bedeutenden Jahresbeitrag zu der wohl eingerich-teten Armenkasse zahlt.
Die Zuchthauskirche ist die sonstige Fran-ziskaner-Klosterkirche, und wurde 177)0 erneuert. Stattmüßiger Mönche Hausen in den alten Klostermauernjetzt Züchtlinge, welche besonders schöne Teppicheverfertigen. Eine Zeit lang war mit dem Zuchthauseauch ein Waisen-, Armen- und Irrenhaus ver-bunden, das aber nach Sorau verlegt worden ist.
Das früher in Luckau bestandene Schulleh-rer-Seminar ist 181? nach Neuzelle übergesie-delt worden.
Die Hauptnahrung der Einwohner Luckaus be-steht im Betreiben der vorzüglichsten Handwerke,im Feldbaue und Handel. Unter den Gewerbensind die der Garnweber und Töpser am blühendsten;den letztern liefern die weißen Tonlager in der Näheder Stadt das Material zu ihren Arbeiten. DieFabrikation der Stärke ist nicht mehr so bedeutend,als vormals; bemerkenswerth ist jedoch eine Teppich-fabrik, welche viel nach den leipziger und frankfur-ter Messen liefert. — In Wolle, Tabak und Flachswerden hier und in der Umgegend viele Geschäfte ge-macht. Der Verkehr wird übrigens noch durch 4Jahrmärkte befördert.
I l s e n b u r g,
ein Marktflecken im Kreise Wernigerode, Regierungs-bezirk Magdeburg, dem Grafen von Stolberg-Wer-nigerode gehörend, 753 F. über dem Meere, an derNordseite des Harzes, wo sich das schöne Ilsethalöffnet, 2 Stunden von Wernigerode, 3 St. vonNeustadt unter der Harzburg und 5 St. von Vlan-kenburg und Goslar entfernt, hat über 3W Häu-ser und 2300 Einwohner, 2 Schlösser, 2 Kirchen,1 Hospital und bedeutende gräfliche Eisenwerke, 2Sägemühlen, 2 andere Mühlen, 1 Salpetersiede-rei, und unter Ilsenburg noch 1 Papiermühle,1 Kupferhammer und 2 Loh - und 2 Oelmühlen,welche sämmtlich von der Ilse getrieben werden.Auch ist hier ein Eisenschlacken- und ein Dampf-bad. Die alte Burg schenkte Kaiser Otto lll. um998 dem Bischöfe Arnulf von Halberstadt, welcheres zu Anfange des 11. Jahrhunderts in eine Bene-diktiner-Abtei verwandelte. Diese ward zur Zeitder Reformation aufgehoben. In den Jahren 1654bis 1710 war das alte Schloß, welches jetzt einenoch zum Gottesdienste benutzte Kirche, eine Vlei-zuckerfabrik und einige Wohnungen für Ofsizianten-Wittwen enthält, der Sitz der Grafen von Wer-nigerode. Das neue Schloß heißt Marienhof.
Die zu den gräflichen Eisenhüttenwerken gehörigenDrahthämmer sind die größten am ganzen Harze,und liefern jährlich an 300 Zentner Draht. Diesämmtlichen Hüttenwerke bestehen aus 1 Hohofen,4 Frischfeuern, 1 Eisenwalzwcrk, 1 Vlankschmiede,2Zain- und 2 Drahthämmern.
Das romantische Ilsethal, eines der schön-sten Thäler des ganzen Harzes, dessen hohe bewal-dete Seitenwände, von unten betrachtet, einen ebenso angenehmen Anblick gewähren, als einzelne Hö-henpunkte eine weite, herrliche Aussicht darbieten,wird von der Ilse bewässert, welche zwischen demBrocken und Rennecken berge entspringt, invielen schönen Wasserfällen sich in das Ilsethal hin-abstürzt, durch dasselbe nach Ilsenburg fließt,und auf der börsummer Feldmark oberhalb Wol-fenbüttel sich mit der Oker vereinigt. Das schönsteNaturspiel daselbst ist der Ilsen st ein an der rech-ten Thalwand, H St. von Ilsenburg, ein Granit-felsen, welcher aus dem Thale bis zu einer Höhevon 230 F. emporsteigt. Die Aussicht vom Ilsen-stein in das Thal, links nach dem Brocken, rechtsin das flache Land ist eben so mannichfaltig alsreizend. Auf demselben ließ der Graf Anton zuStolberg-Wernigerode am 19. Okt. 1814, zumAndenken an einige im Befreiungskriege gefalleneWaffengefährten und Freunde, ein Kreuz aus Guß-eisen mit ihren Namen errichten, ein einfaches, abererhabenes Denkmal! Aus dem Thale sieht man das-selbe am beßten auf der Felsenbank unter einer frei-stehenden Eiche. — Eine höchst merkwürdige, abernoch nicht hinlänglich erklärte, Naturerscheinung desIlsensteines, ist die bald östliche, bald westliche Ab-weichung der Magnetnadel, wie bei dem Schnar-cher und Feuerstcin. Der Ilsenstein war einst,nach der Volkssage, ein prachtvolles Schloß, worindie reizende Ilse ihren Aufenthalt hatte. Aus Ei-fersucht verwandelte aber eine mächtige Fee das Schloßin diesen Felsen, welchen die Prinzessinn noch jetzt be-wohnt, und jeden Morgen vor Sonnenaufgang verläßt,um ihre schönen Glieder in der krnstallhellen Ilse zu ba-den. Wer so glücklich ist, ihr nach dem Bade zubegegnen, den führt sie in ihr Felsenschloß, und be-schenkt ihn reichlich mit großen Schätzen. — Umdas ganze Thal mit seinen Schönheiten zu genie-ßen, geht man früh von Ilsenburg, wo man imfreundlich gelegenen Gasthofe „Zu den rothen Fo-rellen" eine gute Vewirthung und in seinem Gar-ten die erwähnte Badeanstalt findet, amStrumps-rücken hin auf den Ilsenstein, hierauf 1 St.an diesem hinab in das Thal, dann hinüber aufden Westerberg an der linken Thalwand, eine gleichschöne Felsmasse, wo die Aussicht fast noch schönerals auf dem Ilsensteine ist, von da auf die Bäum-lersklippe, einen Felsen, von dem man ebenfallseine sehr schöne Aussicht in's Thal hat, und nunaufwärts zu den Wasserfällen der Ilse, wo sie sicham schönsten darstellen, nach Spiegellust, einemJagdhause an der Ilse. Von da kommt man in2 Stunden auf den Brocken.
Hierzu als Beilagen:1) Der Dom zu Naumburg. 2) Luckau. 3) Schloß Ilsenburg.
Verlag von Eduard Pietzsch u, Comp. in Dresden, — Druck «on V. G. Teubnei in Dresden.