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ter denselben steigt noch aus dem Kreuze ein Spitz-thürmchen empor. Ueber dem Portale ist ein hoher,breiter Spitzbogen, unter welchem 2 auf einem Pfei-ler ruhende Kreisbogen den Thürsturz bilden. DerPfeiler selbst dient als mittler Thürpfosten, vor wel-chem eine Säule hervortritt, deren Schafft einerStatue des h. Stephans hat weichen muffen. DasGiebelfeld unter dem großen Spitzbogen über demThürsturz hat eine scheinbar durchbrochene, orgel-artige Säulenabstufung mit den Brustbildern desHeilandes und der Evangelisten; unten rechts undlinks erblickt man geflügelte Lammer mit Heiligen-scheinen; in der Mitte einen schreitenden Löwen.Die, gleich dem Bogenwerke in die Gewände tiefeingehenden und bis an die Thür eingelegten Säu-len treten neben denselben an beiden Seiten alsSäulengruppen hervor, und werden oben durchverkuppelte Kapitaler, in der Mitte durch einBand zusammen gehalten. Aehnliche Säulengrup-pen befinden sich an den Ecken der Thürme, undje zwischen 2 Säulengruppen sind große Blenden,unten mit fast freistehenden Säulen. In dem mei-sterhaften Bogenwerke des Portals treten, zwischendem 2. und 3. Stäbe, Blätter, zwischen dem 3, und4. aber 13 Köpfe, Christus und die 12 Apostel, her-vor; am Fuße eines jeden Stabes wechseln stehendeund liegende Figuren ab. Das um beide Thürmeüber dem ersten Hauptstocke herumlaufende Gesimsbesteht gleichfalls aus Kreisbogenverzierungen. Wieder Anblick des kunstreichen Portals und der gewal-tigen Thürme den Beschauer mit Staunen und Be-wunderung erfüllt, so entzückt ihn die reizende Aus-sicht auf die Stadt und Umgegend, welche die schmaleum das Dach der ganzen Kirche herumlaufende Gal-lerie oder der sogenannte bleierne Gang ge-währt.
Das Langhaus ist größtentheils aus der 2.Hälfte des 13. Jahrhunderts, das Chor aber erstim 14. Jahrhunderte vollendet. Die Vorhalle desZwischenbaues, wo sich das bedeutende Orgelwerkbefindet, besteht aus einem flachen Kreuzgewölbe,und über der Orgel ist wieder ein spitzeres Kreuz-gewölbe, dessen obere Fläche den Fußboden des Glo-ckenhauses bildet. An dem Thürsturz des Treppen-aufganges, im Innern der Vorhalle des nördlichenThurmes, sind vorzüglich schön gearbeitete Kragsteine,im Giebelfelde über der Thür ein arabeskenartigverschlungner Baum, und unter demselben greifartigeVögel mit Thierköpfen. An der Nordseite des süd-lichen Thurmes ist das Vaumeisterwappen mit derJahreszahl 1574.
Die 3 ersten, den Thüren zunächst stehenden,Strebepfeiler haben viel Aehnliches mit denen derKathedrale von Rheims und der Metropolitankircheauf dem Hradschin zu Prag- auf dem ersten Ab-sätze stehen an 3 Seiten offne Vilderhäuser, mit freistehenden Säulen und spitzen Dächern; darin er-
blickt man den Weltheiland, den h. Stephan unddie Himmelsköniginn, Die 4 nächsten Strebepfeiler,wahrscheinlich um 1258 erbauet, sind das Werkeines andern Meisters, und gehören zu den reich-sten, edelsten und vollendetsten Bauwerken des Spitz-bogenstyls. Auch sie haben offne Vilderblenden mitKragsteinen, aber ohne Gestalten. Die Strebepfei-ler des hohen Chores sind einfacher, wiewohlauch mit Kragsteinen, Fensterblenden und Viloer-dächern, von tresslicher Arbeit und Verzierung. DieSeiten der Kreuzesarme haben keine Strebepfeiler,und die Cckstrebepfeilev des Kreuzgiebels sind denübrigen ähnlich und bilden eine mit dem Ganzenübereinstimmende Verzierung. Zwischen den bei-den östlichen Pfeilern des Chores ist die Bischofs-kapelle eingebauet und mit kleinen, einfachenStrebepfeilern versehen. Die Mittagsseite des Do-mes ist von dem kleinen Fried Hof und den Stifts-gebäuden umgeben, unter welchen der Kreuzgangweggeht.
Das Innere des Domes ist besonders ergrei-fend beim Eintritt durch die westliche Vorhalle, in-dem da die langen Reihen der hochaufsteigendenPfeiler und der kühn gespannten Wölbungen, mitder ungemeinen Tiefe der dreischiffigen Kirche, demAuge in ihrer ganzen Erhabenheit erscheinen, ver-schönert durch die herrliche Beleuchtung, welche dieFarbenpracht der Glasmalereien in den Fenstern deshohen Chores und der Bischofskapelle über die hei-ligen Hallen verbreitet. Die Emporen in den Kreu-zesarmen haben durchbrochne Brüstungen von Stein,welche auf verzierten Säulenbogen ruhen. Dashohe Chor ist von dem Schiffe der Kirche nachWesten durch den Bischofsstuhl und von den Ab-seiten durch eine zierliche, mit Steinbildern geschmückteMauer getrennt. Der Bischofsstuhl, welcher einebesondere Zierde dieses Domes ist, besteht aus dreihochgeschwungenen Spitzbogen, beurkundet sich aberdurch seinen übermäßigen Schmuck von Spitzen,Blenden und Schnörkeln als ein Werk des 15.Jahrhunderts, wo man die frühere einfache, aberso großartige Anordnung verlassen hatte. Das-selbe gilt von der Mehrzahl der im Dome befin»lichen Steinbilder. — Gegen Osten im hohen CMsteht der Hauptaltar, neuerdings durch die Hulddes Königs mit 2 Gemälden und einer Decke geziert.Das eine Gemälde stellt Christus am Oelberge,von Re my, das andere das Abendmahl des Herrn vonLengerich in Berlin dar. Zu den übrigen Merkwür-digkeiten des Domes gehört die Orgel, eine dergrößten und berühmtesten Deutschlands, von Herbstund Sohn aus Magdeburg 1719 vollendet. Diewerthvolleren Alterthümer und Kunstwerke, darunterein Altargemälde, die Kreuzigung von JohannRaphon, werden in einem Zimmer der Stiftsge-bäude aufbewahrt. Das harmonische und feierlichtönende Glockengeläute des Domes ist berühmt.
Hierzu als Beilagen:
1) Johann Wilhelm Ludwig Gleim. 2) Der Friedrich Wilhelms-Platz in Elblng.
3) Der Dom zu Halberstadt.
Verlag von Eduard Pietzsch u. Lomp. in Dresden,
Druck von B, G, Teubner ,n Dresden,
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