Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
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Stellung noch mehr ermuntert wurden. Er erreichteseinen Zweck vollkommen. Die Russen spielten aberwährend des Gefechts bei Burkersdorf (den 21.Juli) die allersonderbarste Rolle. Gleich unerfahr-nen Statisten in einem heroischen Schauspiele stan-den sie da, ohne zu wissen warum; denn Czer-nitschef, der aus seinem Ritte zum Könige keinGeheimniß gemacht, hatte den noch halbtrunkenenGeneralen gesagt, daß der König über die Aenderungder russischen Politik sehr aufgebracht gewesen sei,mit Entwaffnung gedroht habe u. s. w., und daß esihm deßhalb der Vorsicht angemessen erscheine, dieTruppen in Schlachtordnung zu stellen. Die Auf-stellung hatte er aber so angeordnet, daß hierdurcheben so gut die Oestreicher als die Preußen in derFlanke bedroht wurden.

Durck diesen diplomatisch-militärischen Kunst-griff gelang es dem Könige, die Oestreicher ohnegroße Opfer zurückzudrängen, worauf Schweidnitzeingeschloffen und belagert wurde. In dieser durchgeschickten Angriff und kunstvolle Vertheidigung merk-würdigen Belagerung trat der seltene Fall ein, daßzwei Franzosen die gegenseitigen Arbeiten leiteten.Der General Gribauval stand in Schweidnitz alsFestungsingenieur, der Major Lefevre war seinGegner; Beide hatten sich als Schriftsteller überden Festungskcieg bereits hohes Ansehen erworben,huldigten verschiedenen Theorien, und sollten dieVorzüglichkeit derselben jetzt durch die That bewäh-ren. Das Weitere gehört jedoch nicht hierher.

Feldmarschall Dann hatte bisher wenig gethan,entwickelte auch nach dem Abmärsche der Russen keinebemerkenswerthe Thätigkeit, glaubte aber doch we-nigstens einen Versuch zum Entsatz von Schweid-nitz machen zu müssen, und griff am 16. Augustein abgesondertes Corps des Königs, unter demPrinzen von Vevern bei Reichenbach mit gro-ßer Uebermacht an. Die Einleitung dazu war, wiegewöhnlich, sehr gut ersonnen, die Ausführung abermangelhaft; auch eilte der König zur rechten Zeitzur Unterstützung herbei und schlug den Angriff zu-rück. Von diesem Tage an gab Dann einen müs-sten Zuschauer ab, und sein Benehmen kontrastirteso sehr mit der rastlosen Thätigkeit des Königs unddes in Schweidnitz befehligenden Generals Guasco,daß die Wiener darüber höchlichst erbittert waren,und ibren Unwillen in den beißendsten Spottredenund Zerrbildern kund gaben. Unter den Letzterenverdient eines besondere Erwähnung. Das Bildstellte die belagerte Festung vor; General Guasco,auf dem Walle stehend, rief um Hilfe. In großerFerne sah man Da uns Armee als Zuschauer inParade aufgestellt. Der Feldmarschall saß vor derFronte in einem Armstuhle mit einer großen Nacht-mütze auf dem Kopfe, einen in der Scheide stecken-den Degen, ein Geschenk des Papstes, emporhal-tend, auf welchem die Worte zu lesen waren:Dusollst nicht todten!" Zur Linken stand Laudonmit niedergeschlagenen Armen und auf den Rückengebundenen Händen; zur Rechten La sey, der un-ermüdliche Planmacher, mit einer Peigamentrollein der Hand, welche die Ueberschrift hatte:Planzum Feldzuge 1763;" auf der Rolle selbst war abernichts zu, lesen. Die übrige Generalität bildetedrei Gruppen, wovon die eine sich schlaftrunken dieAugen wischte, die andere die Hände über demKopse zusammenschlug, die dritte hämisch lächelte.

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Wahrscheinlich sollte hierdurch die getheilte Meinungim östreichischen Hauptquartier angedeutet werden.Die Festung mußte daher nach ^wöchentlicher, ebenso hartnäckiger als kunstvoller Vertheidigung demköniglichen Feldherrn die Thore öffnen, die Besa-tzung das Gewehr strecken.

Der Dom zu Halberstadt.

Halberstadt, eine der ältesten Städte Deutsch-lands, merkwürdig überhaupt durch seine alterthüm-liche Bauart, besonders aber durch seine Kirchenaus dem Mittelalter, bietet in dieser Hinsicht einencharakteristischen Stufengang des verschiedenen Vau-styls vom 10. bis zum 16, Jahrhunderte dar. Nochausgezeichneter als die bereits 1005 vollendete, mitschönen, fast lebensgroßen Stück-Reliefs und Fres-comalereien aus dem 12. und 13. Jahrhunderte ge-schmückte, herrliche Liebfrauenkirche, ist der Domzum h. Stephan.

Schon Bischof Hildegrin legte unter Lud-wig dem Frommen (814840) den Grund zumMünster des h. Stephans, dessen Vollendungund Einweihung aber erst Hildegrin II. 859 sah.Dieses Gebäude siel aber schon 965 wieder ein.Darauf erbauete Bischof Hildeward bis 991 eineneue Domkirche, welche in Kaiser Ottos III. Ge-genwart eingeweihet und von ihm mit den Reliquiendes h. Stephans und seinem goldnen Zepter be-schenkt wurde. Aber schon 1060 legte eine Feuers-brunst diesen Dom mit einem großen Theile derStadt wieder in Asche. Bischof Burkard vollen-dete den Wiederaufbau noch in 11 Jahren und wei-hete das neue Gebäude in Gegenwart Heinrichs IV.1171 feierlich ein. Unter dem Bischof Reinhardlitt dieser Dom mit der Stadt viel im Kriege mitKaiser Heinrich V., welcher den rebellischen Bischofin die Acht erklärt hatte, ward aber 113? vom Bi-schof Rud o lf wiederhergestellt. Neues Unglück brachteder Krieg mit dem Herzog Heinrich dem Löwen, wel-cher 1179 die Stadt erstürmte und mit dem Dome ein-äscherte. Der Neubau begann 1181 und war bis1220 in erweiteter und verschönerter Gestalt vollen-det. Auch noch später litt der Dom durch mehr-maligen Brand, wie durch den nagenden Zahn derZeit, und erhielt von Zeit zu Zeit noch mancheAusbesserung, so daß der Bau desselben in seinergegenwärtigen Gestalt bis zum Anfang des 17. Jahr-hunderts gedauert hat. Von den Baumeistern, welchean demselben gearbeitet haben, ist nichts bekannt.

Auch eine der h. Maria geweihete Kryptahatte der Dom, welcher nach seiner äußern Gestaltund Verzierung, wie nach seiner innern Erhaben-heit, zu den herrlichsten Bauwerken des Mittelaltersgehört. In der gewöhnlichen Kreuzesform ist eraus gelblich grauem Muschelkalkstein, theilweise auchaus Quadersteinen erbauet. Der Konstruktion liegtüberall ein breiter Spitzbogen, den VerzierungenWinkel und Kreisbogen zum Grunde. An der Vor-derseite steigen über dem rcichgeschmückten Haupt-portale zwei viereckige Thürme in die Höhe, derenunterer Theil, wie der ganze Zwischenbau mit demGlockenhause, aus der letzten Hälfte des 12. Jahr-hunderts, im sogenannten Uebergangsstyle ist. Hin-