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bei Schweidnitz stehen bleibenden Feldmarschall Lau-don durch Bedrohung seines Rückens ebenfalls zumVerlassen dieser Gegend nöthigen wollte, benutzteLaudon die Entfernung seines königlichen Gegners,und brachte die nur schwach besetzte Festung durchUeberfall in seine Gewalt.
Der Tod der Kaiserinn Elisabeth und dieThronbesteigung Peters III. führte eine Aenderungder politischen Verhaltnisse zwischen Rußland undPreußen herbei, die, obgleich von kurzer Dauer, den-noch großen Einfluß auf die glückliche Beendigungdes Krieges hatte. Die Russen und Schweden tra-ten nicht nur vom Kriegsschauplatze ab, sondernPeter III., ein enthusiastischer Verehrer des großenFriedrichs, stellte auch 20,000 Mann unter Feld-marschall Czernitschef, zu dessen Verfügung, wo-durch der König zu Anfang des Feldzugs 1762 einUebergewicht erlangte, während er bisher kaum halbso viele Streiter, als seine Gegner in's Feld zu stel-len vermocht hatte.
Gleich nach Ankunft der Russen rückte derKönig gegen Schweidnitz, dessen Wiedereroberungsein nächster Zweck war. Feldmarschall Daun hattehinter dieser Festung, in welcher sich 12,000 MannBesatzung befanden, eine starke Stellung genommen,und mußte in das Gebirge zurückgeworfen weiden,bevor zur Belagerung geschritten weiden konnte.Auf die kräftige Mitwirkung der Russen hierbei hatteder König ganz besonders gerechnet, und die Dis-position zum Angriffe war auch schon ausgegeben,als die Nachricht von der Ermordung Peters undvon der Abberufung der Russen seine großartigenPlane durchkreuzte. Wurde Dann von diesem plötz-lichen Wechsel der Dinge sofort in Kenntniß gesetzt,so stand zu befürchten,, daß er hieraus manchenwichtigen Vortheil zu ziehen suchen werde.
Nur ein energischer Entschluß konnte den Kö-nig aus dieser Verlegenheit retten, und er war an-fangs gesonnen, das russische Hilfscorps schnell ent-waffnen zu lassen; doch bangte ihm vor den mög-lichen Folgen dieser gewaltsamen Handlung. DasGenie des großen Friedrichs fand jedoch bald einenbesseren Ausweg. Er ließ einen seiner Adjutanten,den Major Grafen von Schwerin, rufen, wel-cher mit Czernitschef und mehrern seiner Offi-ziere durch längeren Aufenthalt in Petersburg sehrbefreundet war. Dieser mußte noch denselben Nach-mittag zu Czernitschef reiten und ihn zu einergeheimen Unterredung einladen, „Bringen mußEr ihn," sagte der König zu Schwerin, „es koste,was es wolle; ich muß Czernitschef noch dieseNacht sprechen; Er bürgt mir mit dem Kopsedafür." —
Mit schwerem Herzen trabte Schwerin demrussischen Hauptquartiere zu, wo er Alles schon ingrößter Bewegung fand; denn Czernitschef hattebereits Befehl erhalten, alle Feindseligkeiten gegendie Oestreicher einzustellen, diese davon in Kenntnißzu setzen und den Rückmarsch anzutreten. Alle Ge-nerale waren versammelt, um der neuen KaiserinnKatharina Treue zu schwören, und Schwerinhatte Mühe Zutritt im Hauptquartiere zu erhalten,wo man den Adjutanten des Königs schon mit lauern-den Blicken betrachtete. Zum Glück war die Cere-monie bald vorüber; es wurde auf das Wohl derneuen Monarchinn tüchtig getrunken, und Schwe-rin fand nun Gelegenheit, den Feldmarschall ohne
Zeugen zu sprechen. Er machte ihn ohne Umschweifmit dem Wunsche des Königs bekannt, dem einigeplausible Gründe untergelegt wurden, erhielt abervon Czernitschef zur Antwort: daß er sich bei dergänzlichen Veränderung des politischen Systems durchdiesen Schritt einer großen Verantwortlichkeit aus-setze, auch überhaupt jetzt viel zu beschäftigt sei, in-dem er dem Feldmarschall Daun von den erhalte-nen Instruktionen sofort Mittheilung machen müsse.Schwerin wiederholte seine Bitte in anderer Formund setzte hinzu: „Euer Excellenz kennen meinenKönig; bringe ich Sie nicht noch heute Abend zuihm, so habe ich meinen Kopf verwirkt, denn mitdiesen Worten bin ich abgefertigt worden; nun thunSie, was Sie können und wollen." — Czer-nitschef gab endlich nach, sagte zu seinen Genera-len, daß er dringende Geschäfte mit dem Adjutan-ten des Königs habe, sie auf kurze Zeit verlassenmüsse; entfernte sich mit Schwerin und ritt unbe-merkt fort.
Friedrich harrte in banger Ungeduld, amFenster stehend, der Ankunft des Feldmaischalls,kam, als er ihn endlich erblickte, selbst mit demLichte herunter und führte ihn in sein Gemach.Schwerin mußte dafür sorgen, daß Niemand indessen Nähe komme; die Dienerschaft war schonfrüher entfernt worden. — Die Unterredung dauertefast eine Stunde. Endlich öffnete sich die Thür.Der König umarmte beim Abschiede den Feldmar-schall, Beide waren sehr gerührt. „Nun will ichSie nicht länger aufhalten, sagte Friedrich zu Czer-nitschef; aber nie werde ich vergessen, daß Sieder Mann sind, der das Unglück, welches mirdrohte, mindern half. Hätte ich Königreiche zuverschenken, ich gäbe Ihnen eins; nun gute Nacht." —Czernitschef konnte sich vom Könige kaum los-reißen und stammelte die wenigen Worte: „MachenEuer Majestät mit mir, was Sie wollen; das, wasich Ihnen versprochen habe, kostet mir wahrschein-lich das Leben; aber hätte ich deren zehn zu verlie-ren, ich gäbe sie gern hin, um Eurer Majestät zuzeigen, wie sehr ich Sie verehre." —
Schwerin erhielt Befehl, den Feldmarschall zu-rück zu begleiten. Lange beobachteten Beide ein tie-fes Stillschweigen, bis endlich Czernitschef, wieaus tiefem Schlafe erwachend, ausrief: „Was istdoch Ihr König für ein Mann! Was gäbe ich nichtdarum, wenn ich in seinen Diensten stände! Werkann diesem Manne widerstehen, wenn man ihn re-den hört! Auf dem Schaffote, das ich vielleicht umseinetwillen besteigen muß, werde ich noch mit Ent-zücken an Alles das denken, was er mir heute ge-sagt hat. Versichern Sie dem Könige, daß, wenner noch Etwas mehr als mein Leben verlange, iches mit Freuden hingeben wolle." — Was der Kö-nig durch seine Ueberredungskunst in diesem kritischenMomente vonCzernitschefzu erlangen gewußt hatte,bestand im Wesentlichen darin, daß Daun erstnach 24 Stunden von den Vorfällen in Petersburgunterrichtet werden, und Czernitschef am fol-genden Tage seine Truppen gegen die Oestreich« inSchlachtordnung stellen solle, damit dieselben genö-thigt würden, ihnen ebenfalls ein Corps entgegenzu stellen. Der König erlangte dadurch noch denVortheil, daß seine Truppen, welche von den po-litischen Unfällen nichts wußten, durch die Gegen-wart der Verbündeten zum Angriffe auf Dauns