L
13
Schweidnitz.
(Beschluß,)
Die Blüthenzeit von Schweidnitz endete mitdem Anfang des 30jährigen Krieges. Vor demsel-ben war die Häuserzahl, größtentheils mit sogenann-ten Lauben, auf 1349 gestiegen, am Ende dessel-ben standen nur noch 118 elende Hütten. Gleichanfangs ward sie wieder befestigt. Schon die grau-same Bekehrung durch die lichtensteinischen Drago-ner that ihr großen Schaden durch die Auswande-rung vieler Evangelischen. Noch trauriger ging esihr aber, als sie Wallenstein 1633 belagerte,wo Brand, Hunger und Pest in ihren Mauernwütheten, sowie in den noch folgenden Kriegsjahrenbis zum Frieden 1648. Nach seinem Siege in derNahe der Stadt, eroberte sie Torstenson 1642. —Bis zu Anfang des 18. Jahrhunderts war Schweid-nitz ziemlich wieder aus seinen Trümmern erstan-den, als es 1716 ein großer Brand abermals inAsche legte. Darauf bauete man die Stadt im ita-lienischen Geschmacke wieder auf, und sie erhielt da-durch ein gefälligeres Ansehen; doch waren über-haupt erst 12 Häuser mit Ziegeln bedeckt, als Schweid-nitz mit ganz Schlesien 1741 an Preußen kam.Seitdem folgten mehre Jahre hindurch Gnadenge-schenke zum Bauen und zur Ziegelbedachung. BeiAnlegung der Festungswerke 1748, wobei man Ur-nen und in der Tiefe Bernstein fand, wurden 70Häuser dazu gezogen, und die großen Summen,welche der Festungsbau kostete, trugen viel zur Be-förderung des Wohlstandes bei. In den Kriegsjah-ren 1757, 58, 61 und 62 litt Schweidnitz wiedersehr durch die mehrmaligen Belagerungen und Er-oberungen. Zuerst ward es 1757 von den Oest-reichein unter Nadasdy, nach 16 Tagen, und dann1758 von den Preußen unter Treskow, auch nach16 Tagen wieder erobert. Im Jahre 1761 warddie Festung von Laudon überrumpelt und 4 Stun-den geplündert, wobei die evangelische Kirche umein Kapital von 16,000 Thlr. kam, welches ibr je-doch der König nach dem Frieden mit 20,000 Thlr.in damaligem Gelde wieder ersetzte. Am merkwür-digsten ward die 63iagige Belagerung von 1762unter Tauenzien durch den unterirdischen Krieg,östreichischer Seits unter Gribauval, preußischerunter Lefevre. Friedrich II. nahm zuletzt selbstden Oberbefehl, und nöthigte den Kommandantenzur Uebergabe. Nach dem Frieden erhielt die Stadtvom Könige 320,146 Thlr., aus der Feuer-Socie-tätskasse 233,049 Thlr. und an Kollektengeldern16,554 Thlr., so daß sie mit dieser Unterstützungverschönert aus dem Aschenhaufen emporstieg. Nochim Jahre 1785 schenkte ihr der König 20,000 Tblr.zu Ziegeldächern. Seitdem blühete sie im glücklichenFrieden wieder auf, bis sie die Kriegsjahre von1806 und 1807 in neues Unglück stürzten. Nach ei-nem 3tägigen Bombardement, durch welches nurdie Stadt, nicht aber die Festungswerke viel litten,übergab sie der Kommandant von Haak, den 16.Februar 180? den Franzosen, welche erst nach Spren-gung der äußeren Werke und nach Bezahlung einerschweren Kriegssteuer den 5. Novbr. wieder abzogen.So lastete der Druck der französischen Zwingherr-schast, auch nach dem Frieden von Tilsit, nochschwer auf Schweidnitz, wie auf ganz Schlesien,bis zum Vefreiungsjahre 1813, mit allen den Krieg
begleitenden Uebeln. Diese französische Eroberung zog ihreine Schuldenlast von 180,000 Thlrn, zu, welche bisjetzt noch nicht ganz getilgt sind; denn nur langsamkehrte der Wohlstand durch Kunstfleiß, Verkehr undHandel zurück. Auch litt sie 1829 noch sehr durchdie Ueberschwemmung. Indeß ist die Verschönerungder innern Festungsstadt fortwährend im Steigenund damit eine musterhafte Reinlichkeit der Stra-ßen verbunden. Vor Allem hat der Marktplatz indiesem Jahre durch die Vollendung des Gouver-nements-Gebäudes eine neue Zierde erhalten.Auch an der Wiederherstellung der Festung wird un-unterbrochen gearbeitet, ein großer Brückenkopf amstriegauer Thore gebauet, und durch Ausräumungder Festungstrümmer der Stadt ein freundlicheresAnsehen gegeben. In den Zickzacks der Glacis-Ein-fassung wird eine schöne Promenade angelegt, fürderen Erweiterung und Verschönerung sich, wie seit1837 für die Obstbaumkultur, ein Promena-den-Verein gebildet hat. In diesen parkartigenAnlagen, mit reizenden Aussichten auf die umlie-gende Landschaft, befindet sich das Grabdenkmal desGenerals von Knobloch (5 1764), von Friedrichdem Großen ihm errichtet. — Als merkwürdigeSchweidnitz« sind noch zu erwähnen: der lateinischeDichter Ursinus Velius, welchen Kaiser Maxi-milian eigenhändig zu Bologna krönte; der erstedeutsche Hanswurst Stranitzki, welcher 1708als Nebenbuhler der italienischen Buffone in Wienauftrat, und der Schicksalsmensck Löffler, welcherals Soldat zweier Jahrhunderte fast alle Kriege zuLande und zur See mitmachte. Seine interessanteBiographie von Riek ist unter dem Titel: „deralte Sergeant" vor einigen Jahren in Breslauerschienen.
Friedrich der Große und Feldmarschall
Dann vor Schweidnitz im
Jahre »?«3.
In Folge der schnellen Eroberung Schlesiens durchdie Preußen, kam auch Schweidnitz 1741 in die Ge-walt des Königs und wurde, wie alle schlesischeFestungen, in besseren Vertheidigunqsstand gesetzt.General Wallrabe ließ auf der Wasserseite einneues Hornwerk, auf der Landseite mehrere kleineForts mit dazwischen gelegten Halbmonden erbauen;war aber treulos genug, den Plan dieser neuenVerstärkungsmittel, gegen eine ansehnliche Geld-summe, dem wiener Hofe in die Hände zu spie-len, wofür er jedoch vom Könige mit lebenslängli-chem Festungsarreste bei beschränkter Kost bestraftwurde.
Die Wichtigkeit der Lage setzte Schweidnitz im7jährigen Kriege mehreren Belagerungen aus; auchsiel die Festung zweimal wieder in östreichische Ge-walt: 175? eroberte sie der General Nadasdynach 16tägiger Beschießung. In demselben Zeitraumenahm sie aber General Treskow 1758 den Oest-reichern wieder ab. Nachdem im Sommer 1761die Russen sich mit den Oestreichern vereinigt Kal-ten, wurde Schweidnitz abermals mit einer Be-lagerung bedroht, welche der König jedoch durchBeziehung eines stark verschanzten Lagers bei Bun-zelwitz verhinderte. Als aber Feldmarschall Vui-turlin mit den Russen abzog, und der König den