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3 (1842)
Entstehung
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1500 und der jährliche Gewinn eines brauberechtig-ten Hauses kam dem Ertrage eines Rittergutes gleich.In Breslau gab es einen schweidnitzer Keller, und1386 und 81 erregte das schweidnitzer Bier zwischendem Rathe und der Domgeistlichkeit den sogenann-ten Pfaffenkrieg.- Die Bürger waren so reich undso üppig, daß es unter der Herzoginn Agnes,welche nach ihrem Gemahle Bolko II. bis 1392regierte, schon ein sogenanntes Freudenhaus, Neu-Frankreich genannt, in Schweidnitz gab. Und un-geachtet die Stadt 1390 fast ganz abbrannte, hattesie sich bis 1397 schon so erholt, daß man wie-der 949 meist massive Häuser zählte. Dieser blü-hende Zustand dauerte auch unter der böhmischenHerrschaft (seit 1392) noch das ganze 15. und 16.Jahrhundert fort, und weder die Pest im Jahre1413, wo nur 1? Bürger übrig blieben, noch die gro-ßen Brände von 1426 und 1528, noch der ver-derbliche Hussitenkrieg (141936), in welchem dieStadt ungemein litt, vermochten ihren Wohlstandzu zerstören. Die Schweidnitzer waren auch tapferund vorzüglich gute Schützen. Berühmt war ihregroße Büchse, ein Geschütz, 166 Zentner schwer,welches zur Ladung 1 Zentner Pulver erforderte, 1Kugel von mehr als 3 Zentnern fortschleuderte undeinst nur von 43 Pferden auf Walzen nach Glogauoder Prag geschafft weiden konnte. Sie donnerteaber auch fürchterlich und veranlaßte damals das schle-sische Sprüchwort: das lärmt, wie die schweidnitzerBüchse. Zahlreich und wohlhabend waren hierauch die Juden, und erregten dadurch die grausamenVerfolgungen (von 14271457), welche nur mit ih-rer gänzlichen Vertreibung endeten, nachdem man 1?Juden sogar lebendig verbrannt hatte. Ihre Syna-goge verwandelte man in die Frohnleichnams-kirche.

Die Stadt hatte auch das Münzrecht, unddarüber kam es im Jan. 1522 zwischen den Bür-gern und dem Rathe, welcher die landesherrlichenMünzen annehmen wollte, zu einem ernstlichen Streit,in welchem der alte ab- und ein neuer Rath ein-gesetzt wurde. Die Bürger vertheidigten sich tapfergegen Friedlich II. von Liegnitz und selbst gegenden König Ludwig. Auch noch später achtete derRath das landesherrliche Ansehen wenig, und ließ1575 den böhmischen Edelmann von Tausdorf,welcher im Streite des Bürgermeisters Sohn erstochenhatte, ohne Verhör den andern Tag hinrichten.Kaiser Maximilian II. war darüber so aufgebracht,daß er der Stadt die freie Rathswahl und die Ober-gerichte nahm, welche sie erst unter seinem Nach-folger 1580 wieder erhielt. Der Rath bestand aus2 Direktoren, 2 Bürgermeistern, 6 Senatoren, ei-nem Syndicus und einem Kämmerer. Die Refor-mation fand eine günstige Aufnahme, und selbstder Rath war derselben zugethan. Daher kam auchdie Stadt in den Besitz der Hauptkirche. Doch be-standen dabei noch die Klöster der Dominikanerund Minoriten, zu denen 1682 das Kloster derKapuziner, 1712 das Kloster der Ursulinerinnen ka-

men. Im 16. Jahrhunderte war der Luxus inSchweidnitz so groß, daß es 1534 daselbst 285Kretschmer oder Gastwirthe gab; denn die Bürgerpflegten ihr Frühstück und Abendbrod nur in Bier-und Weinhäusern zu nehmen. Erst 1558 ward dieseGewohnheit gesetzlich abgeschafft und nur noch Ka-sebrod gestattet. Im Jahre 1536 ward ein Kö-nigsschießen um 66 Ochsen gehalten, und bei Schmau-sereien wurden oft über 36 Gerichte auf einmal auf-getragen. Auch gab es damals zu Schweidnitz ei-nen der berühmtesten Tanzsäle im Lande; wer aufdemselben eine Tour verfehlte, mußte 1 Thlr. Strafebezahlen, und noch 161? besuchten die größten Fech-ter die in Schweidnitz blühenden Fechterschulen.Derselbe Luxus herrschte auch in der Kleidung, undvergeblich gab der Rath Gesetze gegen die mit Baum-wolle ausgestopften Pluderhosen, welche 26 bis36 Ellen Zeug erforderten und im Gehen wie einMühlwehr rauschten. Mehr wirkte die Eifersucht derstolzen Vreslauer, welche ihre Freiknechte solche Ho-sen tragen ließen und dadurch den Schweidnitzer«diese Mode verleideten. Dabei sind die Jahrbüchervoll Nachrichten von verheerenden Seuchen, welchedie Stadt, besonders nach Mißjahren, häusig heim-suchten, namentlich noch 1585, wo über 2006 Men-schen starben.

(Beschluß folgt.)

Grdmannsdorf.

Schloß Erdmannsdorf, eine Postmeile von Hirsch-berg an der Straße nach Schmiedeberg, früher imBesitz der Familien von Richthofen und einesGrafen von Kalkreuth, kam im Jahre 1816 durchKauf an den Feldmarschall Grafen von Gneise-nau, und aus den Händen seiner Erben, im Jahre1832, an König Friedrich Wilhelm III., von wel-chem es sein Nachfolger (und nicht, wie vieleirrig meinen, die Fürstinn von Liegnitz) erhielt. Esist ein stattliches, geräumiges, aber keinesweges kö-niglich gebautes Schloß; aber seine Lage ist köst-lich. Es liegt in einem Park, zu dessen Erweite-rung viele Rustikal-Stellen erkauft und verwen-det wurden, und in welchen die neue, schöneKirche, von dem königl. Baumeister Hamannerbaut, nebst der stattlichen Predigerwohnung undSchule sich erheben. Die Aussicht vom Schlossenach Norden ist schön, aber nach Süden ungleichherrlicher. Der Blick trägt da über den Park, dieKirche u. s. w. und über eine weite Ebene, aufwelcher sich Mittel-Zillerthal ausbreitet, hin, biszum erhabenen Gebirge, das man von seinem Fußean bis zu seinen höchsten Punkten die Schnee-koppe in der Mitte vor sich liegen sieht. Dieseeartigen Teiche im Parke geben dem Gemälde besonde-res Leben. Die fortgesetzten Bauten vermehren die An-nehmlichkeit des Ortes. Es wird wenige Punkteim schlesischen Gebirge geben, die mit Erdmanns-dorf wetteifern tonnen. Minister Rother erwarbsich um die neuen Anlagen große Verdienste.

Hierzu als Beilagen:

1) Friedrich Wilhelm!., König von Preußen. 2) Schweidnitz.3) Schloß Erdmannsdorf.

Verlag »on Eduard Pietzsch u. Comp. in Dresden,

Druck von B, G, Teubner in Dresden,

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