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innere Unruhen und mangelhafte Verwaltung wie-der tief herabsank. Um 1348 trat ein Müllerburscheoder Mönch, Namens Jakob Rehbock, auf, dersich für den Markgrafen Woldemar ausgab, undvon den Brandenburgern mit Jubel aufgenommenwurde. Nur ein Theil des Adels und die StädteSpandau, Frankfurt und Briezen (daherTreuenbriezen) blieben dem Markgrafen treu.Sein Bruder Ludwig II. (1351—65) suchte Ruhe,Ordnung und Wohlstand wiederherzustellen, und er-hielt 1356 durch diegoldne Bulle Kaiser Karls IV.die kurfürstliche Würde. Noch folgte ihm sein Bru-der Otto der Finne oder Faule (1365—1373),welcher die vernachlässigte Mark, schon 1363 denSöhnen Kaiser Karls IV. durch eine Erbverbrüde-rung zugesichert, um seinen sinnlichen Vergnügun-gen noch mehr nachhängen zu können, dem Kaiserfür einen Iahrgehalt von 100,000 Mark überließund als Privatmann nach Baiern zurückging.
Die luxemburgische Herrschaft war, so langeKarl IV. selbst, bis 1378, die Regierung für sei-nen Sohn Wenzel führte, für Brandenburg sehrwohlthätig: er steuerte zuerst den Räubereien unddem Faustrechte, beschäftigte viele Müßiggänger durchVerschönerung (Tangermünde, Stendal ic. s. Bor.Bd. II. S. 103 und 134), Erweiterung und Be-festigung vieler Städte, als Köpenick, Z offen,Fürsten«« lde u. a. m., verbesserte die Rechtspflegedurch Abschaffung der Gottesurtheile (Ordalien)und sorgte überhaupt mit landesväterlicher Liebe fürdas Wohl seiner neuen Unterthanen. Da nach feinernTode Wenzel, König von Böhmen, auch deutscherKaiser wurde, so erhielt sein Bruder SiegmundBrandenburg. Unter seiner Regierung gerieth aberdas Land wieder in die äußerste Verwirrung. DerAdel, welcher ihn und seine Statthalter verachtete,kehrte zum alten Faustrecht zurück; die benachbartenFürsten thaten ungestraft Einfalle, und so verschwanddie Ruhe und Sicherheit gänzlich. Siegmundhäufte endlich eine so große Schuldenlast auf, daßer 1388 die Kurmark an seinen Vetter Iobst vonMähren verpfändete und die Neumark 1492 an d.endeutschen Orden verkaufte. .Unter Iobst von Mäh-ren erreichte die Noth des Landes ihren höchstenGipfel, und endete nur mit seinem Tode 1411, dadie Mark an Sieg mund zurückfiel, und dieser siehierauf seinem Gläubiger, dem Burggrafen Fried-rich VI. von Nürnberg, aus dem Hause Hohen-zollern, welcher ihm 150,006 Dukaten geliehenhatte, als seinem Statthalter unterpfanblich übergab.(Beschluß folgt.)
Friedrich Wilhelm I.,
König von Preußen.
Durch die Fürsten steigen und sinken die Staa-ten in Wohlstand, Macht und Ansehen, und esgiebt daher nichts Traurigeres in der Geschichte, alsden immer wiederkehrenden Wechsel von großen undschwachen, von guten und schlechten Regenten. DieErsteren sind aber dreierlei Art: ausgezeichnet ent-weder hauptsächlich durch großen Kriegsruhm, oderdurch hohe Staatsweisheit, oder durch Beides zugleich,wie Friedrich der Große und Andere. Wennindessen der Siegsruhm den Thron des Fürsten mitstrahlendem Glänze umgiebt, so erwirbt ihm eine
weise Regierung die dankbare Verehrung der Mit-und Nachwelt, und wie die stille Tugend und edleAufopferung mehr werth ist als ruhmsüchtige Tapfer-keit; so erscheint auch der friedliche Landesvater inder Mitte seines glücklichen Volkes noch größer als derkriegerische Heldenfürst an der Spitze siegreicher Heere.König Friedrich Wilhelml. gehörte zu denfriedliebenden Fürsten und Vätern ihrer Völker. Erward auf dem kurfürstlichen Schlosse zu Köln ander Spree den 14. Aug. 1688 geboren, und umso freudiger von seinen fürstlichen Aeltern als künf-tiger Nachfolger begrüßt, da ein früher gebornerPrinz schon 1686 wieder gestorben war. GlänzendeFeste wurden deßhalb bei Hofe gefeiert und selbst3 Medaillen auf dieses frohe Ereignis; geprägt. Einstarker Gliederbau kündigte schon in dem Säuglingden kräftigen Regenten an, und mit seinem Körperwuchs die Kraft seines Geistes in dem Maße, daßer seiner Oberhofmeisterinn, der Frau vonMontbail,und der Kammerfrau Evermann, welchen die Auf-sicht über die Wartung und Pflege desselben anvertrautwurde, schon als Kind durch seinen Muthwillen vielfacheSorgen machte. Und diesen reizte Frau von Mont-bail durch ihre übergroße Aengstlichkeit nur nochmehr, so daß der 4jährige Prinz ihr einen Streichüber den andern spielte: einmal verschluckte er beimAnkleiden eine silberne Schuhschnalle und freuetesich nicht wenig seines Kunststücks, während Frauvon Montbail in der größten Angst war; ein an-deres Mal, als er schön geputzt und ftisirt bei Hofeerscheinen sollte, verkroch er sich im Kamin undman mußte lange nach ihm suchen, ehe man ihnbeschmuzt und zerstört an dem unerwarteten Ortefand. Um diese Zeit gab die Kurfürstinn den wie-derholten Bitten ihrer Mutter nach und brachte(1693) den jungen Prinzen nach Hannover, woer an dem Kurprinzen, nachmaligen Georg II,, Kö-nig von England, einen lustigen Spielgenossen fand,mit dem er sich aber, bei seiner körperlichen undgeistigen Ueberlegenheit, nicht lange vertragenkonnte, und deßhalb noch in demselben Jahre nachBerlin zurückkehrte. Hier hatte ihn die Frau vonMontbail noch, einige Zeit unter ihrer Aufsicht.Als er aber einst, wegen einer Unart von ihr mitStrafe bedroht, zum Fenster hinausstieg, und sichin die Spree zu stürzen Miene machte, wenn sieihm nicht Erlaß der Strafe verspräche; da sah diebesorgte Kurfürstinn ein, daß es Zeit sei, den Prin-zen einer männlichen Aufsicht und Leitung zu über-geben, was wo möglich bei allen Knaben frühzeitiggeschehen sollte. Man wählte den Grafen Alexandervon Dohna, der sich im Felde und Kab^nete schonausgezeichnet hatte, und einem so schwierigen Ge-schäfte ganz gewachsen war, zu diesem wichtigenPosten (1695). Graf Dohna gehörte seit 1691zu den geheimen Räthen des Kurfürsten, und war 1694zum Generallieutenant und Gouverneur von Pommernernannt worden. Er war von Wuchs schön undhatte überhaupt ein einnehmendes Aeußere; seineSitten waren einfach und streng, sein Gemüth got-tesfürchtig, sein Benehmen aber stolz und gebie-terisch. Je weniger er also die Hofleute achtete,desto mehr haßten diese ihn wegen seines Hochnw-thes. Mit der Kurfürstinn stimmte er in der Ab-neigung gegen Pracht und Verschwendung überein,und suchte daher auch seinen Zögling gegen Prunkund unnützen Aufwand einzunehmen. Und dieß gelang