Kurzer Musik-Satz.
Der Vorhang öffnet sich.
Man siebt in einer E : sgrotte den alten König; Winter, halb tief inGedanken, halb in Schlummer versunken, auf einem Eises-Sessel thronends tzen — Zwei grosse schwarze Raben kauein ihm zuzeiten. — N ch-dem * 11 Musik geschwiegen, richtet König Winter sich ein wenig auiund spricht«
König Winter:
Es naht die Zeit, - ich fühl's — die Zeit des Scheidens
Nicht täusch ich mich, — die Stunde kommt des Meidens!
Ich spür' ein leises Weh'n ! sie naht sie naht!
Und schreitet schnell auf dem gewohnten Pfad! -
Ist's unerhört nicht ? ich, der Alte, — Weise,
Dem von rechtsvvegen doch der Erde Kreise
Das ganze Jahr zueigen sollten sein,
Um drob zu herrschen unumschränkt allein,
Werd' stets auS's neue wieder ausgetrieben
Aus meines Reiches giösstem Teil! geblieben
Ist dann mir nur ein weit entleg'ner Strand,
Zum höchsten Nordpol werde ich verbannt! —
Stets früher noch als eh'mals wird geraubt
Die angestammte Herrschaft auf der Welt
Dem Alterfahrenen, an den nicht glaubt
Die Jugend mehr, der Buntes nur gefällt 1 —
Leichtfert'ge Kreatur, sie wächst hei auf,
Ein weichlich warmer wälscher Wind steigt auf!
Ob meinen Häupten der Palast
Bald schmilzt er hin in Glut und Glast,
Dem sicheren, krystallnen Grund
Zu meinen Füssen drohet Schwund !
Verschlammt wird Alles und zerschmolzen,
Durchsenget wie von heissen Bolzen !Ihr Raben, hört! ei forscht am HimmelsbogenUnd am Gestirn, wie viel der Monde schonUm's Eisgewölb' von diesem n einem ThronIm neuen Jahre sind heraufgezogen !
Erster Rabe:
Schwarz — schwarz, o Herr, ist das Gewölke noch !
Zweiter Rabe:
Harz Harz — trotzdem aus knorr'ger Rinde kroch!
Erster Habe:
Schwärm — Schwann — nicht halten brauchen wir!
Zweiter Habe:
Warm — warm fürwahr auch ward es mir!
Erster Rabe:
Ich weiss gewiss, — auch Bruder Du, mein lieber,Der vierte Mond ist heute längst vorüber!
(Man hört clraussen Vogelstimmen zwitsch in.)
König Winter:
Der vierte Mond!? — und was ist das schon wieder?Fast klingt es gar wie Nachtigallen-Lieder!?