129oder politische Maximen.Dunkelheit und im Schatten leben, die hohen und vortreflichen aberim Licht; die letztern müssen demnach eher und mehr von sichurtheilen lassen, als die ersteren.§. 107.Im feindlichen Land soll ein politischer Kriegsmann sich allezeitund überall mißtrauen (§. 51.), sonderlich, wenn er mit Kriegsvolkunbekennte Wege durchmarschiren soll, und durch des Lands Einwoh-ner, als Wegweiser geführt wird. Denn es ist zu beförchten, daß,wenn man sich nicht vorsiehet, in Feinds Hände geliefert werde; nichtallein darum, daß derjenige Wegweiser ein Spion ex professo sey,sondern ein Landseinwohner ist allezeit ohnedem verdächtig, weilen erdurch den Krieg selbsten intereßirt ist. Denn gemeiniglich ein Weg-weiser oder Geleitsmann ist wohn= und seßhaft in dem Land, wo manden Krieg gegen seinem Herrn und zu seinem eigenen privaten Nach-theil führt, so ist er ja allezeit verdächtig, wegen sein eigenes Interesse,obschon derselbe unschuldig ist oder seyn kan, nemlich daß er nichtsböses noch verrätherisches vor hat. Ich weis, daß alle in der Kriegs-kunst und im Kriegswesen Erfahrne mir hier ihren Beyfall nicht ver-sagen werden, da die Erfahrung dieses so oft dargethan. Gewiß,warum soll man es auch öfters einem verdenken, der selber in einerSach intereßirt, da es zu schliessen ist, daß mancher, der sein Vat-terland und Landsgenossen bis im Grund verdorben und ruiniren se-he, daß dieser, wenn er könte eine ganze Armee verrathen, und inFeinds Hände lieferen solte, sich nicht erspahren würde, damit er seinLand und sich selbsten auf einmahl dadurch befreye. Derhalben kanein Officier in Feldzugen durch feindliche Landschaften nicht gnug vor-sichtig seyn. Er soll sich ferner hüten, nach dem Weg zu fragen andiejenigen, die er begegnen könte an unbekannte und gefährliche Oer-ter; weilen es oft Spionen seyn können, die in solcher Zeit überallschwärmen (§. 103.).R§. 108.
Druckschrift
Kluge und nützliche Staatskunst oder politische Maximen nach denen Rubriquen, Regelen, Rathschlüssen, Ausprüchen und Ermahnungen deren vornehmsten und gelehrtesten Staats-Männern : worinnen zugleich ganz kurz die subtileste Staats- und Kunstgriffe enthalten sind, wie die geheimeste Concepten, Intriquen, Affecten, Paßionen, Listen Tücken, Gewohnheiten, Schwachheiten, Fehler, Neigungen, Begierden, Sitten, Tugenden und verborgenen Eigesnchaften der Menschen zu entdecken sind ...
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