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Bergheim an der Sieg.
Kirchdorf im Siegkreise, eine Stunde nödlich von Schwarz-Rheindorfgelegen, wegen seines Zusammenhangs mit dem kleinern Dorfe Müllekovenauch Bergheim- Müllekoven genannt. Das Patronat über die Kirche vin-dicirte sich die Abtei Siegburg, als Theil der vom Erzbischof Anno II. ver-liehenen Stiftungsgüter 1 ). Es hing zusammen mit demFrohnhof, den die Abteidaselbst besass 2 ). Auch eine alte Burg war in Bergheim, welche laut Urkundevon 1288 Ritter Sybelo dem Grafen Adolf von Berg zu Lehen übergab 3 ).
In der aus dieser Zeit stammenden, im frühen Spitzbogenstyl erbautenund neuerdings abgebrochenen kleinen Pfarrkirche befanden sich im Chore dieauf Taf. XXXIX, XL und XLI, 7 abgebildeten handwerksmässigen Wand-malereien des 14. Jahrhunderts, welche später wiederholt übermalt und über-tüncht, und im Jahre 1874 auf Veranlassung der Königl. Regierung zu Kölnunter meiner Leitung aufgedeckt und in gleicher Grösse copirt wurden 4 ).
Taf. XXXIX u. XL.
Sechs Darstellungen aus den Gewölbefeldern des polygonenChores (vergl. das Schema auf Taf. XL unten), welche in cyclischem Zusammen-hang die Passion des Heilandes auf hellblauen Hintergründen in fast lebensgrossenFiguren veranschaulichen. Die stark profilirten Rippen, welche die einzelnenGewölbefelder von einander trennen, sind roth, in den Rinnen schwarz, in denvorstehenden Leisten blau abgefärbt. Die 1. im untern Theil der Figuren zer-störte Darstellung vergegenwärtigt den Judaskuss und die Gefangennehmungdes Heilandes, die Händewaschung des Pilatus und die darauf folgende Geisse-lung des Herrn, bei welcher dieser im Gegensatz zu der sonst üblichen Darstel-lung mit einem bis zu den Knieen reichenden Gewände bekleidet erscheint.Im 2. Felde führt uns der Künstler in naturalistisch bewegten Gruppen dieKreuztragung, im 3. Bilde die Kreuzigung vor, mit Maria, welcher in offen-barer Beziehung auf die Weissagung des greisen Simeon (Ev. Luc. 2, 35) die Spitzeeines Schwertes die schmerzerfüllte Brust durchdringt, und Johannes, der einBuch hält. Das 4. Bild vereinigt Kreuzabnahme und Grablegung. Ebensoist im 5. Gewölbefelde die Auferstehung mit den am leeren Grabe erschei-nenden Marien verbunden. In den Spitzen aller dieser 5 Bilder stehen geflü-gelte Engel, welche zu einem Kreise vereinigt Weihrauchfässer adorirend gegenden im 6. Bilde in der Glorie erscheinenden wiederkehrenden Erlöser schwingen.Leider war das Salvatorbild dieses Feldes bis auf wenige Spuren zerstört undnicht wieder zu geben. Zu seinen Seiten befinden sich zwei heilige Gestaltenmit mächtigen, aber ihrer Aufschriften beraubten Schriftbändern. Der Malerscheint während der Arbeit die Absicht gehabt zu haben, seine Composition zuändern, denn über die beiden seitlichen Figuren sind nachträglich Bäume ge-zeichnet. Da diese Bäume die gleiche Form wie diejenigen im Bilde der Kreuz-tragung haben, so können sie desshalb kaum einer späteren Zeit angehören.Vielleicht sollten sie lediglich den leeren untern Raum füllen, und die Figurenhinter ihnen hervorblicken.
Die Deckenbilder von Bergheim waren in rothen Contouren auf denWandverputz vorgezeichnet und mit wenigen dünn aufgetragenen Leimfarbencolorirt: die Hintergründe hellblau, die Haare durchgängig gelb, die sichtbareZeichnung hin und wieder schwarz, die Gewänder der Juden meistens braun.Die Arbeit ist handwerksmässig. flüchtig, aber mit Yerständniss, künstlerichemGeiste und in schnellem sichern Zuge vollführt. Sie gewährt gleichsam ein Bildweiterer Entwicklung — um ein Jahrhundert — des in Rheindorf so frisch undsicher auftretenden deutschen Naturalismus! Der bei der Kreuztragung voran-eilende und sich zum Heiland mit ausgestreckter Zunge höhnend umdrehendeund am Kreuz zerrende Jude, die kecke Art des vor ihm gehenden Leiterträ-gers, die mit Kneifzangen zur Kreuzabnahme Erscheinenden, das Abfallen derspitzen Judenhüte daselbst sind sprechende Züge dafür. Die freie Gruppirungder Figuren, die ungesuchte Einfachheit der Motive, der natürliche Fluss desnoch ungeknitterten Faltenwurfs der Gewänder berechtigen diese einfachen Bil-der in Bezug auf Composition und Zeichnung zu einem Platz in der RheinischenKunstgeschichte.
Taf. XLI.
7.
Wandbild des jüngsten Gerichts auf der rechts vom Beschauerbefindlichen Chorseite in zwei untereinander gestellten Abtheilungen. In derobern Hälfte erblicken wir den wiederkehrenden Heiland jugendlich und sitzendin der Glorie und vor ihm knieend als Fürbitterin, mit flehend emporgehobenenHänden, Maria, deren Gestalt im obern Theile zerstört war. Während aus der linkenHand des Heilandes ein erloschenes Schriftband herabhängt, welches den Befehlzum Gericht verkündete, werden bereits von einem musicirenden Engel — erbedient sich der Fiedel — geleitet die Gerechten in das Himmelreich eingeführt.Sie bilden eine stattliche Reihe, schreiten in langen Gewändern einher und sindmeist mit Heiligenscheinen geschmückt. Leider erscheinen die Figuren zu zer-stört, um eine Characteristik von Alter und Geschlecht, Stand und Beruf erken-nen zu lassen. Eine kleine in sitzender Stellung über dem violinspielendenEngel befindliche Figur scheint gleichfalls musicirt und zwar eine Doppelflötegeblasen zu haben.
In der untern Abtheilung steht zur Linken des Beschauers der Engeldes Strafgerichts mit hochgezücktem Schwerte. In entgegengesetzter Richtung derSeligen treibt er die Verdammten vorwärts, indem er den Letzten derselben mitder linken Hand an der Schulter erfasst. Zwei Teufel haben dieselben, ähnlich wieauf dem Wandbilde von Brauwciler (Taf. XVII, 6), bereits mit einer mächtigenKette umspannt, und reissen mit dieser ihre Opfer in den unmittelbar vor ihnensich öffnenden Höllenrachen, der hier als weit aufgerissenes Maul eines Unge-thüms erscheint. Von den Verdammten sind nur drei Figuren erkennbar, unterdenen König und Nonne nicht fehlen.
Die Farbengebung des Bildes war bis auf Spuren braunrother Fär-bung des Ungethüms vollständig vergangen; auch von den Umrissen warennur die wiedergegebenen Theile mühsam erkennbar.
Küdinghoyen.
Kirchdorf am rechten Rheinufer im Kreise Bonn, Bürgermeisterei Vilich,dessen Kirche zu den ehemaligen Pfarrcapellen des adeligen Fräuleinstiftes zuVilich gehörte, so dass die dortige xVebtissin das Patronatsrecht über Küdinghovenbis zur Säcularisation ausübte 5 ).
Steineiner Altaraufsatz von Trachyt aus der altern Pfarrkirche zuKüdinghoven 6 ), jetzt im Rheinischen Museum vaterländischer Alterthümer zuBonn 7 ). Der 62 cm hohe Altaraufsatz, dessen Predelle und Bekrönung nun-mehr fehlen, besteht aus einem eingerahmten Mittelfelde und zwei Seitenflächen,welche von Halbsäulen flankirt und in Leimfarben mit folgenden malerischenDarstellungen geschmückt sind : Dem Mittelbilde zugewandt befanden sich aufden beiden Seiten je eine stehende Engelfigur mit grünem hohem Stab undemporgehobenen grau-blauen Flügeln. Das lange blaue anliegende Gewandzeigt eine Musterung von rothen Kreuzen und weissen Punkten. Blondes Haarumwallt den von einem gelben, schwarz verzierten Nimbus umkreisten Kopf.Nur eine dieser Engelfiguren ist noch erhalten, die andre zerstört. Den rothen
1) Lacomblet, Urkundenbuch I, 202 u. 203; Bestätigungen vom Erzbischof Hildolfv. Cöln I, 22ti; vom Papst Paschalis II., Erzbischof Friedrich I. v. Köln, Papst Lucius III.ebendas. I, 271, 278, 478. Vergl. Binterim u. Mooren, Erzdiöcese II, 151.
2) Der Patron war zugleich auch Decimator, hatte hier „den Zehnten nass und drüg, wasKarst und Pflug bricht in Feld und Weingarten".
3) Lacomblet II, 833.
4) Die Copien befinden sich im Provinzial-Museum zu Bonn.
5) Lacomblet, Urkundenbuch I, 350, 1; Archiv für die Geschichte des Niederrheins V,S. 244 ff.
6) Nach einer Notiz von Hundeshagen aus dem Jahre 1846 wurde bei dem damaligenNeubau der Küche von Küdinghoven hinter dem spätem Altar der ältere Altaraufsatz vorgefunden.
7) 0 verbeck, Katalog d. K. Rhein. Museums vaterl. Alterthümer. Bonn 1851. S. 154, Nr. 3.
Hintergrund verzieren aus weissen Punkten zusammengestellte Rosetten. Den-selben rothen Hintergrund, jedoch mit weissen Sternen, hat auch das Mittelbild,dessen 85 cm breite Bildfläche die Verkündigung mit dem Patron der Kircheund dem Donator des Bildes zur Anschauung bringt. Auf einem Wiesengrundesteht in der Mitte in hellrothem Unterkleid und grünem, blau ausgefüttertemObergewand die Jungfrau Maria. Das hellblonde Haar umgibt ein reich ver-zierter vergoldeter Nimbus. In der rechten Hand hält sie ein offenes Buch, inder linken ein erloschenes herabhängendes Schriftband, welches jedenfalls dieAntwort auf die Verkündigung des gegenüberknieenden Engels enthielt, dessenemporflatterndes, mit beiden Händen gehaltenes Spruchband ebenfalls erloschenist. Der Engel trägt unter einem blauen, mit dem Zipfel über den rechtenUnterarm gelegten Obergewand ein weisses Unterkleid, hellblondes krausesHaar und oberwärts grüne, in der mittlem Partie blaue Flügel mit langengrauen Schwungfedern. Die Taube des heil. Geistes flattert zum Haupte derJungfrau herab. Ausser diesen Hauptfiguren befinden sich noch zwei weiterePersonen auf dem Mittelbilde, von denen der gewappnete Krieger durch seinenNimbus sich als Heiligen und durch seine blau-schwarze Gesichtsfarbe als Mohrenkennzeichnet. Es ist offenbar der Patron der Kirche, einer jener h. Mauri 8 ) oderMauretani, Märtyrer und Nachzügler der Thebäer, deren Verehrung wir in
8) Die Pfarrkirche Küdinghoven (Kudekoven, Cudenkovena), im vormaligen BergischenAmte Löwenberg, ist, wie es noch im Berg. Erkundigungsbuche von 1582 heisst, „in honorem sanc-torum Maurorum martyrum aedificirt und gestiftet" worden. Ebenso bezeichnen Binterim u. MoorenErzdiöcese 2, 148 als Patron S. S. Mauri martyres. Das Berg. Erkundigungsbuch von 1676 hat auch„ecclesia tit. ss. Maurorum martyrum". Dagegen das Handbuch der Erzdiöcese Köln, p. 187 d. Ausg.v. 1878: Küdinghoven, Pfarrk. zum h. Gallus (d. Apostel der Alemannen, j 640). Damit stimmteine Aufzeichnung um 1680: K. ecclesia parochialis titulo s. Galli. Eine Aenderung des ursprüng-lichen Titularheiligen hat also Ende des 17. Jahrh. stattgefunden.