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BURTSCHEIDT.
Kaiser nach Aachen komme, ehenso solle er dem Kaiser das Geleit gehen hei der Abreise,und mit ihm speisen, so lange der Kaiser anwesend sei. Und an jedem Orte sollte diesgelten, wo der Aht von Burtscheidt sich zufällig befände. 4 Aber Ansehen, Besitz und Zuchthalten sich so schnell verloren, dass das Kloster Anfangs des dreizehnten Jahrhunderts in garbösem Bufe stand und der Erzbischof Engelbert von Cöln 1222 sich veranlasst sah, die Cister-zienserinnen vom Salvatorherge bei Aachen dahin zu übersiedeln. Der Aht und die vierletzten Mönche bewohnten bis zu ihrem Aussterben ein Nebengebäude. 5 Die ununterbro-chene Beihe der Äbtissinnen ist uns erhalten, aber sie bietet nichts Merkwürdiges.. Be-drückungen durch die Vögte, Besitzstreitigkeiten, Noth des Krieges u. s. w. füllen hier wieanderwärts die Jahrhunderte. Um das Stift für die schlimme Zeit der Belagerung Aachensdurch Wilhelm von Holland zu entschädigen, ward ihm die Pfarrkirche des Ortes Burtscheidt1352 incorporirt. Aber der Ort, von dem wir allerdings wissen, däss seine Tuchinanu-factur im dreizehnten Jahrhundert schon eine bedeutende war, muss sich so gehoben haben,dass dem Stifte die Jurisdiction über denselben schwierig ward. Denn 1351 übergibt esdieselbe an die Stadt Aachen, um selbst in seinen Freiheiten und Gerechtsamen geschütztund anerkannt zu werden. 6 Die Abteikirche und die Pfarrkirche sind im vorigen Jahrhun-dert neu gebaut worden, und verdienen im Bereiche ihres Stiles besondere Beachtung.
7. 8.Vorder- und Hinter-Seite eines Processionalkreuzes gleicher Grösse aus der Mitte desdreizehnten Jahrhunderts. Der bei der Abbildung der~ Vorderseite (8) ersichtliche Stift untenbezeugt nämlich, dass unser Kreuz, wie diejenigen zu Essen, bestimmt war, als Vortragekreuzauf hoher Stange getragen zu werden. Durch welchen besonderen Grund aber am Kreuzeeiner Abtei die Form der Patriarchalkreuze mit zweifachem Querbalken gewählt wurde, wissenwir nicht zu sagen; wesshalb wir der Nachricht, das Kreuz stamme aus einer benachbartenKreuzherrn-Ahtei, um desswillen Glauben schenken, weil das Doppelkreuz ein Abzeichen derKreuzherrn war." Die 1" betragende Dicke unseres Kreuzes lässt keinen Zweifel darüber,dass die auf der Bückseite namhaft gemachten Beliquien darin enthalten sind. Zwei inden Kreuzungen der Balken auf der Vorderseite angebrachte und durch Scharniere auf-schlagbare Kreuzchen verschliessen ebenfalls Kapseln, in denen Beliquien enthalten sind. VonInteresse ist der Unterschied des Filigrans aus dem dreizehnten Jahrhundert im Verhältnisszu demjenigen der früheren Jahrhunderte, wie wir es z. B. an den Kreuzen zu Essen und
4. Lac. I. 326.
5. Lac. II. 98. Quix, Gesch. v. Burtscheidt, p. 83.
6. Lac. III. 504.
7. Bekanntlich haben die Bischöfe ein Kreuz mit einem Querbalken, die Patriarchen ein solches mit
zwei Querbalken und die Päpste ein Kreuz mit drei Querbalken. Zwei ähnliche Patriarchal-kreuze pu'blicirte Texier in seinem Dict. d'Orfevrerie. Paris« 1856. Das Doppelkreuz derKreuzherrn : Gatterer, Abriss der Diplomatik, p. 326, ebenso ist es ein Abzeichen von Ungarn:Galterer, p. 269.