Druckschrift 
2 = Abth. 1, Bildnerei (1860)
Entstehung
Seite
43
Einzelbild herunterladen
 

KAISERSWERTH.

43

KAISERSWERTH.

Werid, Werde, Insula Rheni, Caesaris Insula im Keldagau, war ursprünglich eine dichtam rechten Rheinufer 2 Stunden von Düsseldorf gelegene Rheininsel, die sich aber allmähligmit dem festen Ufer verband. Rerühmt ward Kaiserswerth durch den irischen Apostel Suit-bertus, der, das Christenthum in diesen Gegenden verbreitend, hier auf der ihm von Pipingeschenkten Rheininsel' ein Kloster gründete, in welchem er lebte und am 1. März 713starb, und das in einer langen Reihe von Urkunden vom Oten Jahrhundert an 2 von den Kai-sern beschützt und beschenkt ward. Neben diesem geistlichen Stifte bestand aber in Kaisers-werth eine kaiserliche Burg, die zuerst mit der Entführung des jugendlichen Kaisers Hein-rich IV. durch Erzhischof Anno von Cöln in die Geschichte eintritt 3 und bald durch dendamit verbundenen Rheinzoll ein Gegenstand e,ndloser Fehden und Verpfändungen wird. EinDenkstein dieser Rurg gewährt 1184 durch Friedrich Rarharossa den Rurgleuten ein kaiser-liches Gericht, welches wol der Rurggraf abzuhalten da war. 4 Im 13ten Jahrhundert wissenAdolf von Nassau und Albrecht I. die Krönungskosten nicht anders zu erlegen, als dass siedem Erzbischofe von Cöln vorläufig den Zoll von Kaiserswerth verpfänden. s Die Einkünftedieses Zolles müssen ausserordentlich gewesen sein, denn die Pfandsummen steigen zur er-staunlichsten Höhe. Bald ist die Pfandschaft an Cleve, bald an Cöln, bald muss der Kaisersein Einlösungsrecht erstreiten und oft überfällt Waffengewalt das feste Schloss, bis 1688dasselbe von den einfallenden Franzosen verbrannt wird. 6 Von jenen ersten Kloster- undKirchenbauten, die der grosse Missionar auf der ihm von Pipin und Plectrudis geschenktenInsel errichtete, ist nichts mehr vorhanden. Die Gunst, welche diesem Renedictinerklosteraus der langen Schenkungsreihe gesichert gewesen zu sein scheint, wird wol bald die um-fangreicheren Gebäude hervorgerufen haben. Die jetzige Kirche ist eine romanische drei-schiffige Pfeilerbasilika, deren Haupttheile aus dem Uten, der Chor aus dem loten Jahrhundertstammt." Der Thurm wurde 1243 angetragen. Noch im 14. Jahrhundert muss das Klostereine nicht geringe Bedeutung gehabt haben, indem es sich semst nicht erklären würde, dass»egen seine gottesdienstlichen lärmenden Missbräuche ein besonderes Edict erlassen wurde. 8

1. Siehe hierfür als Hauplcpielle Beda, Hist. Anglic. Die Ungültigkeit des Pseudo-Marcellinus ist kürz-

lich klar dafgelhan in einer kleinen Schrift: Boutenvek, Swidbert der Apostel des herg.Landes. 1859. Marcellins Vila mag aus dem 10. Jahrh. stammen, ward aber bis zum 15.Jahrh. interpolirt.

2. Lac. I. 71. 77.

3. Slenzel, Gesch. Deulschl. unter den frank. Kaisern. I. p. 216.

4. Iliipsch, Epigrammatologie. Pars II. p. 14. Burggrafen: Lac. II. 343. 617.

5. Lac. II. 937 und 997.

6. Lac. III. 193. 454. 525. 684. 702. 1065. 1066. IV. 160. 200. 239.

7. Organ für christl. Kunst. I. No. 3. III. No. 9.

8. Lac. III. 110.

6*