WENDEN.
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nach lebendigem Ausdruck ist im Erstaunen der Hirten nicht zu verkennen, besonders beidemjenigen, der noch in der Hürde weilt; seihst die Thiere sind bewegt. Classische Ruheweilt dagegen auf den Gestalten Maria's und Josefs bei der Krippe. Wären diese beidenFiguren losgelöst von der sie bezeichnenden Umgebung, so würde man sie für Zeus undHera halten. Der in römischen Reliefen vorkommende Typus des olympischen Herrscher-paares, wonach Zeus den einen Fuss vom Throne herabsinken lässt, Hera die Hand an denMund hält, ist hier beibehalten. Aber die antike Anschauung des Künstlers ist noch wei-ter gegangen; denn ihn hält nichts ab, uns eine heidnische Lichtgottheit vorzuführen, die miteinem Feuertopf in der Rechten in die Krippe leuchtet. Zweifelhaft kann es erscheinen, objener Stab, den Josef mit seiner Rechten umfängt, ein zur räumlichen Abtheilung der Scenedienendes architectonisches Glied sein soll, oder eine Art Stab wie ihn Zeus als Scepter zutragen pflegt. Das Kind liegt im ältesten Typus bis zum Kopfe eingewickelt. Die Arbeitist roh und wenig ausgeführt. Hohes Interesse erweckt es an und für sich, an einem Werkeder christlichen Kunst das Fortdauern der römischen Kunstanschauungen zu constatiren, undwenn schon bei dem frühereu Elfenbeine auf Taf. XVII. 1. die gewiss in der rheinischenColonie niemals populäre Mythe auf italienischen Ursprung schliessen liess, so konnte auchunsere Darstellung nicht hier, sondern nur dort entstanden sein, wo die olympischen Idealefortlebten. Nehmen wir desshalb Italien oder Ryzanz als die Heimalh dieser Elfenbeine an, so be-weisen uns die sorgfältig angebrachten Schlösser, dass sie einen nicht gemeinen Inhalt von dortbrachten. Und dieser konnte kaum ein anderer denn ein Inhalt an Reliquien sein. Vielleichttrug diese Rüchse einen Theil der Reliquien, welche Ludgerus mit von Italien brachte. 9
7.Romanischer Thürsturz aus schwarzem Marmor, in der Mitte 18" hoch und 4' 10 V^"lang. Dieses Relief, welches ein von einem Löwen verfolgtes Reh zeigt, ward erst im vorigenJahre aufgefunden. 10
9. Das vielfache Vorkommen typisch ähnlicher Elfenbeinbeha'lter italienischen Ursprunges in Deutschland
lüsst vermulhen, dass man im früheren Mittelalter die Reliquien zumeist in Elfenbeinkapselnaus Italien und Byzanz versandle.
10. Der Fund geschah bei einem Baue im Arresthause und ward uns durch den Herrn Kreisbau-
meister Kind gütigst mitgetheilt. Im Eingange zur Crypta rechts vom Chore befindet sichnoch ein Relief des Martyriums eines Heiligen aus dem 15. Jahrhundert, wie auch die Sa-cristei noch einen indischen Elfenbeinkaslen mit Elefantenreliefs besitzt.