Band VII. IV. Geistesstörung ohne nachweisbares Vorausgehen einer bestimmten körperlichen oder geistigen Einwirkung.
463
Lau-fendeNo.
1.
Charge.
Alter zur Zeit
des Krieges.
Civilberuf.
2.
Anamnestische Daten.
Hereditäre
und individuelle
prädisponirende
Momente.
3.
Zeit,
zu welcher die
Geistesstörung
unzweifelhaft
hervortrat.
Krankengeschichte.
Ausgang.
Be-merkungen.
6.
Lxxni.
Kanonier.
22 Jahre.
Landmann.
Erbliche Dispositionnicht nachweisbar.
Hang zu Eitelkeit,Habsucht und Neidsoll stets an ihm be-merkt worden sein,auch als er kurz vorAusbruch des Kriegesauf Urlaub nach Hausekam. Doch galt er zudieser Zeit als körper-lich und geistig völliggesund.
Frühjahr1871.
Im Laufe des Feldzuges stellten sich Sinnes-täuschungen der verschiedensten Art ein. Pat.glaubte, seinen Vater gesprochen zu haben, befandsich vermeintlich in Gefechten, glaubte verwundetzu sein etc. etc. Im März 1871 wurde deshalb dieAufnahme in ein Lazareth erforderlich. Hier liesssich das Vorhandensein von Wahnideen konstatiren.Der Kranke hielt sich für enorm reich, mit unge-wöhnlichen Kenntnissen ausgerüstet, zeigte überhauptgrosse Selbstüberschätzung. Im Juli 1871 fandseine Ueberführung in eine Irren-Anstalt statt, woer sich an etwas Arbeit gewöhnte, sich ruhigerverhielt und bedingtes Krankheitsbewusstseiuan den Tag legte.
Im Juli
1874
gebessert
entlassen.
LXXIV.
LXXV.
Kanonier.
24 Jahre.
Schäfer.
Erbliche Dispositionnicht nachweisbar. —Hat inseiner JugendGesichts - Halluci-nationen gehabt.
Nie erheblich krankgewesen.
Währenddes Wurde in Frankreich sehr unruhig, besonders Im Juli
Krieges. zur Nachtzeit; die Gemüthsaffekte wechselten 1873
sehr stark; dem Weinen folgten Wuthausbrüche. geheiltAuch machten Gehörs- u. Gesichts-Hallucinationen entlassen,sich bemerklich. Er fand in einem Feld - Laza-reth Aufnahme, verhielt sich hier meist ruhig,war aber an einzelnen Tagen von Angst geplagt,hörte dann Geschützdonner, phantasirte von krie-gerischen Ereignissen, fürchtete sich vor den ihnumgebenden Personen. Auch wurde er in seiner Angst wüthend und bedrohte seine Stubengenossen. Man evakuirteihn nach Deutschland. Hier klagte er viel über drückende Schmerzen im Kopfe, wurde mit Eisumschlägenund Schröpf köpfen behandelt, antwortete auf Fragen anfänglich nur mit Lächeln und leisem Singen, später mitprompten Antworten. Der Schlaf war schlecht, die Körperfunktionen gingen gut von Statten. Im Januar 1872wurde Pat. in eine Irren-Anstalt aufgenommen, sprach dort sehr viel vom Kriege, dichtete Kriegslieder über den Ein-marsch der Deutschen Truppen in Paris etc. und sang diese Lieder nach einer selbst komponirten Weise ab. Auf An-fragen lächelte er und sagte: „Ich bin ein schlauer Schäfersmann". Seine Keden waren durchaus verwirrt und doku-mentirten eine gewisse Sprechwuth. Auf seiner Brust zeigte er die Stellen, an denen er Degenspitzen fest stecken habe.Im Februar 1872 wurde eine rechtsseitige Pneumonie bei ihm konstatirt. Mit der Besserung der Pneumonie,welche regulär kritisirte, trat eine wesentliche Besserung des psychischen Verhaltens ein: Pat. wurderuhig, gab korrekte Antworten und arbeitete fleissig. Nachdem nochmals ein Wechsel von Erregtheit undRuhe stattgefunden, trat andauernd Ruhe ein.
Reservist.
25 Jahre.
Gerber.
Vaterkrank.
geistes-
Selbst stets gesund.Hat die Einschliessungvon Metz mitgemachtund sich immer gutgeführt.
Frühjahr1871.
Wurde im März 1871 wegen psychischerSchwäche aus dem Militärdienst entlassen, im April1873 behufs Anstellung eines Heilversuches in eineAnstalt aufgenommen, wo sich seine Krankheit alsunheilbarer Blödsinn mit zeitweiligen Er-regungszuständen dokumentirte.