Band VII.
I. Geistesstörung nach Verletzungen.
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Art und Verlauf der Geistesstörung.
6.
Während das Körperbefinden allniälig sich besserte, wurde die Gemüthsstimmung des Pat.eine ausserordentlich deprimirte. Er weinte viel, hatte Nahrungssorgen um sich und seine Familie, warstill und in sich gekehrt, hielt sich zu nichts mehr brauchbar. Ursprünglich tief melancholisch, vonden traurigsten Wahnvorstellungen und häufigen Hallucinationen beherrscht, zeigte er späterZustände heftiger Exaltation und wurde im Juni 1872 in eine Anstalt aufgenommen.
Der vorher ruhige Mann wurde nach dem Feldzuge ärgerlich, leicht verstimmt. Nach und nachentwickelten sich Wahnvorstellungen depressiven Charakters. Er glaubte, seinem Dienst nichtgewachsen zu sein, die Kompagnie nicht ordnungsmässig verwaltet zu haben, von Nahrungssorgen bedrücktzu werden etc. Im weiteren Verlaufe stellten sich Hallucinationen und Illusionen ein. DabeiSchlaflosigkeit und somatische Störungen. Der Körper magerte ab, die Haltung wurde schlaff,die Bewegungen waren träge, die Gesichtszüge veränderten sich, die Sprache wurde erschwert. Im April1873 fand seine Aufnahme in eine Anstalt statt, woselbst unter häufigem Auftreten von Tobsuchtsanfällender geistige Verfall und die lähmungsartige Schwäche, besonders der unteren Extremitäten,immer deutlicher hervortraten.
Während der Behandlung des Kranken in Berliner Reservelazarethen fiel eine Veränderung inseinem psychischen Verhalten auf. Er wurde unruhig, erregt; später stellten sich Gesichts- undGehörs-Hallucinationen und Wahnvorstellungen ein, welche vorzugsweise als Verfolgungs-ideen auftraten und die Ueberführung in eine Irren-Anstalt veranlassten. Dort verhielt er sich imAllgemeinen ruhig, bot jedoch deutliche Zeichen beginnenden geistigen Schwächezustandes dar.
Im Oktober, nach Evakuation des Pat. in ein Lazareth zu Berlin, wurde das Vorhandenseineiner psychischen Störung konstatirt. Er war scheu, unsicher in seinem Wesen, misstrauisch, ein-silbig, dabei leicht gereizt, aufbrausend. Sinnestäuschungen und Wahnvorstellungen tratenhinzu: er glaubte, bei grossartigen Bau-Unternehmungen betheiligt zu sein, Maschinen von unglaublicherWirksamkeit erfunden zu haben etc.
Ausgang.Bemerkungen.
Verblödung.
Dementia
paralytica.
1873 wegen Wahn-sinns invalidisirt.
Die Schulterverletzung beeinträchtigte durch Störung der Beweglichkeit des Schultergelenks dieGebrauchsfähigkeit des Armes so sehr, dass der Verwundete im April 1871 für dauernd grösstentheilserwerbsunfähig erklärt werden musste. 1875 brach die Narbe zum ersten Male auf, wodurch Patientin grosse Sorgen verfiel und diese seiner Umgebung zu erkennen gab. Im Juni 1880 machte einneuer Narbenaufbruch dem Invaliden wiederum bedeutenden Kummer. Er gab Alles verloren,zeigte veränderliches Wesen, verfiel in Schwermuth. Nicht lange nachher wurde er aufgeregt, liefunruhig umher, bedrohte seine Familie mit dem Tode. Im Dezember 1880 nahm man wieder einmelancholisches Stadium mit Verfolgungsideen an ihm wahr. Anfang Januar 1881 wurde ermit der Diagnose „Verrücktheit" in eine Anstalt aufgenommen, zeigte dort grosse Theilnahmlosigkeit,stöhnte viel, klagte über Kopf- und Kreuzschmerzen, behauptete, vergiftet zu sein, war sehr kleinmüthig.Im April verfiel er in einen soporösen Zustand Anfang Juni wurde er aus der Anstalt abgeholt.Noch an demselben Tage verliess er seine Wohnung, um seinen entfernt wohnenden Vater aufzusuchen.Sechs Wochen blieb er verschollen. In einem fremden Orte aufgefunden und in das dortige Kranken-haus gebracht, verweigerte er jede Auskunft. Im August brachte man ihn in die Anstalt zurück, woselbster laut Nachrichten aus dem Frühjahr 1882 in sehr theilnahmlosem Zustand sich befand, laut vorsich hin lachte, zeitweilig auch isolirt werden musste, weil er Wärter prügelte etc. etc.
Es wurde angenom-men, dass mehrfacherAufbruch der Schuss-wunde, die dadurch her-beigeführte Kränklich-keit undArbeitsunfähig-keit, die so entstandenenSorgen um die Existenzbei vorhandener heredi-tärer Belastung die Gele-genheitsursache zurEnt-wickelung der Geistes-krankheit abgegebenhatten.
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