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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
353
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Band VII.

Kasuistik.

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Krankheitsverlauf.

1872 bis 1885.

8.

Behandlung etc.9.

1872/731874/751876/77

Halbseitige Kopfsohmerzen, besonders links.

Incontinentia urinae; Abnahme der Potenz.

Schmerzen von massiger Stärke und Ermattungsgefühl in den Beinen.

1884/85

Kyphoskoliose, hauptsächlich im Lendentheil, angeblich seit 2 Jahren bestehend. Mass

ge Koordinations-

Störungen der Unterextremitäten. Brach-Roniberg'sches Symptom. Westphal'sches Zeichen. Subjektive Schmerz-empfindungen gering. Objektive Sensibilitätsstörungen unbedeutend. Gleich weite, verengte, reflektorisch starrePupillen. Gastrische Krisen. Halbseitige Kopfschmerzen. Niemals Gelenkschwellungen, niemals apoplektiforme Anfälle.Herzklappen intakt. Retardatio urinae. Mitte 1884 Gefühl von Schwäche in den Händen, namentlich im rechten Daumen.Eulenburg fand am 12. Juni 1884: An den Händen eine bemerkbare Abschwächung der Funktion mit beginnendem Schwunddes Opponens pollicis beiderseits und gänzlich aufgehobener Funktion des Flexor brevis pollicis (Beugung des Daumens imInterphalangealgelenk); die übrigen Handbewegungen Hessen eine merkliche Beeinträchtigung noch nicht erkennen. Kontraktiondes Opponens pollicis erfolgte sowohl bei direkter, wie bei indirekter faradischer Heizung prompt, jedoch (besonders beiersterer) etwas abgeschwächt und stossweise; auch zuweilen fascikuläre und fibrilläre Zuckung. Bei späteren Besuchen desPatienten konnte Eulenburg ein stetiges Fortschreiten der Amyotrophie und Motilitätsstörungen konstatiren. Am 10. Julierschienen namentlich die Streckbewegungen der letzten 3 Finger erheblich beeinträchtigt, die Finger hingen in Beugestellungherab, bei faradischer Prüfung zeigten die betreffenden Bündel des Ext. dig. comm. sowie Ext. dig. min. deutliche Abschwächung.Am 1. August war auch der Ext. indicis proprius in gleicher Weise lädirt, Flexion der Finger in den Interphalangealgelenkenlinks theilweise vermindert, funktionelle Schwäche und Abmagerung des Interosseus I ext. merklich im Anzüge. Ausserdem warauch eine gewisse Schwäche der Rückenstreckmuskeln nicht zu verkennen (die vorhandene massige Kyphoskoliose vielleichtdarauf zurückzuführen). Patient begab sich nun zu einer Kur nach Oeynhausen und stellte sich erst längere Zeit nach derRückkehr, am 13. November 1884, wieder in der Poliklinik von Eulenburg vor. Der damalige Befund wird, soweit ersich auf die Erkrankung der Oberextremitäten bezieht, folgendermaassen beschrieben: Linke Seite. An der linken Hand dasSpatium interosseum I tief eingesunken, Abduktion des Zeigefingers (Interosseus ext. I) fast ganz fehlend; die übrigen Interosseiexterni sowie die interni noch ziemlich gut fungirend. Daumen und Kleinfingerballen, besonders ersterer, bedeutend abgeflacht;an jenem scheinen Abduktor und Flexor brevis ganz ausgefallen zu sein, Opponens und Adduktor augenscheinlich sehr geschwächt.Auch die Aktion der langen Daumenmuskeln (Abduktor und Ext. pollicis longus, Flexor pollicis longus) beträchtlich vermindert.Am kleinen Finger Wirkung des Opponens fast ganz fehlend, Abduktor und Flexor sehr herabgesetzt. Lumbricales dagegen sehrgut. Am Vorderarm, abgesehen von den schon erwähnten Daumenmuskeln, stark verminderte Energie des Ext. dig. comm.,Ext. indicis proprius, Ext. carpi ulnaris und Ext. dig. minimi, diese Muskeln auch deutlich atrophirt; die übrigen Vorderarm-muskeln, sowie Oberarm- und Schultermuskulatur bisher in Funktion und Volumen nicht merklich verändert. Rechte Seitezeigt im Ganzen analoges Verhalten, nur geht hier die Abduktion und Extension des Daumens noch etwas besser von statten;dagegen ist die Funktionsstörung und Atrophie des Interosseus I ext., der kleinen Daumenballen- und Kleinfingermuskelnmindestens ebenso hochgradig wie links, auch die Abmagerung und Schwäche der Vorderarmextensoren bereits deutlich entwickelt.Fibrilläre Zuckungen selten; zuweilen etwas ziehende Schmerzen, besonders längs des Daumens und Os metacarpi I aufwärts;Sensibilität ungestört, Nervenstämme etc. auf Druck nirgends empfindlich. Dynamometrische Prüfung ergiebt in der rechten Handbei verschiedenen Versuchen 20 bis 25 kg, links nur 13 bis 15 kg. Elektrische Exploration. Linke Seite. Interosseus I ext.selbst bei Faradisation mit starken Strömen (60 bis 50mm Rollenabstand) nur undeutlich, dagegen noch schwache Kontraktiondes Internus. Auch bei Faradisation der übrigen Interossei ist die Wirkung des Internus prävalirend. Opponens pollicis beidirekter Faradisation nur schwach, stossweise, und erst bei verhältnissmässig starkem Strome (70 mm); Abd. brevis, Adduktorund Flexor brevis faradisch gar nicht nachweisbar. Kleinfingermuskeln schwach, Opponens gar nicht reagirend. Bei Faradisationdes Ulnaris über dem Handgelenk (75mm) schwache Flexion des kleinen Fingers, fehlende Adduktion des Daumens; beiFaradisation des Ulnaris am Ellenbogen ebenso abgeschwächte Wirkung des Flexor carpi ulnaris; excentrische Sensation in beidenFällen deutlich. Bei Medianus-Faradisation über dem Handgelenk (80 mm) nur schwache Oppositionsbewegung des Daumens.An der Streckseite des Vorderarmes Ext. und Abd. pollicis longus erst bei 65 mm Rollenabstand schwach oscillirend; Ext. carpiulnaris bei 71mm, Ext. indicis bei 70 mm. Ext. dig. minimi ganz reaktionslos. Faradisation des Radialisstammes (65 mm) vonentsprechend schwachem und nur partiellem Effekt, exkl. Empfindung auch hier deutlich vorhanden. Bei galvanischer Muskel-reizung nirgends deutlich ausgesprochene Entartungsreaktion, insbesondere nirgends qualitative Veränderungen derZuckung an einzelnen kleinen Handmuskeln (Interosseus I ext.). Opponens pollicis ist A S Z = oder selbst etwas >KS Z, diegalvanomuskuläre Kontraktilität überhaupt jedoch nirgends erheblich gesteigert, eher im Verhältniss zur Norm hier und daetwas vermindert. Opponens pollicis A S Z = 2 M A

K S Z = 2.5 M A (normal C S Z = 2.2 3.2 K S Z = 2. 6 M A)Interosseus I ext. A S Z = 3.8 M A

K S Z = 4 M A (normal G S Z = 3.2 3.4 K S Z = 3.4 M A).Wie aus den beigefügten Angaben hervorgeht, liegen schon unter normalen Verhältnissen an diesen Muskeln K S Zund A S Z äusserst nahe zusammen, ja kann sogar A S Z der K S Z etwas voraufgehen; eine elektro-diagnostische Verwerthung

Sanitäts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. VII. Bd. 45