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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
317
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Band VII.

Kasuistik.

317

Krankheitsverlauf.

1872 bis 1885.

8.

Behandlung etc.

9.

1882,83 Gang ohne Unterstützung mit weit gespreizten Beinen nur wenige Schritte möglich. Sehrstarkes Schwanken bei Wendungen oder beim Schliessen der Augen. Sensibilität derHaut an der rechten Unterextremität von oben bis unten verloren gegangen. RechterFuss in Spitzfussstellung. Bewegungen im Fuss- und Kniegelenk der Seiteaufgehoben. Linkes Bein bis zur Mitte des Oberschenkels gefühllos, kann im Knie- und Fuss-gelenk leichte Bewegungen machen. Patient geht mit Unterstützung von zwei Krücken,indem er das Becken bald nach der einen, bald nach der andern Seite vorschiebt und dieFüsse vorwärts schleudert. Westphal'sches Zeichen. Pupillen von mittlerer undgleicher Weite, träger Reaktion.

1884/85 Häufige lanzinirende Schmerzen, besonders Nachts und bei Witterungswechsel. Im Anfang desJahres 1884 entsteht ohne Fieber und ohne jedes vorangegangene Trauma ander rechten Unterextremität eine diffuse schmerzhafte Geschwulst mit starkerRöthung der Haut vom Knie bis zu den Fussspitzen, so dass der Kranke un-vermögend wird, eine Fussbekleidung zu tragen. Nach und nach nimmt die Ge-schwulst am Unterschenkel und Fuss ab und bleibt nur im Kniegelenke bestehen.Impotenz. Urin und Stuhl normal, nur etwas Drängen. Pupillen unter mittlererWeite, reflektorisch starr, aber auf Konvergenzstellung sich verengernd.Niemals gastrische Krisen, nie apoplektiforme Anfälle, nie Doppeltsehen. Später be-ginnen periodisch auch die Schulter- und Handgelenke zu schwellen undschmerzhaft zu werden. Leichte Gefühlsabstumpfung nur im Ulnarisgebiete. DieKraft der Hände und Arme ist gut erhalten. Das rechte Knie zeigt sich Ende desJahres 1884 zur Grösse eines Kindskopfs aufgetrieben, ist bei Druck nicht schmerz-haft, im Gelenke leidlich beweglich, wobei starkes Krachen zu fühlen und zu hören ist.Die Patella ist ganz nach aussen und hinten verdrängt, lässt sich aber, da die Geschwulstleicht beweglich ist, ohne Mühe nach vorn auf ihren richtigen Platz bringen. Sie weichtmit dem Nachlassen der Reposition sofort wieder nach aussen und hinten zurück. DieTafel V veranschaulicht die näheren Verhältnisse des erkrankten Kniegelenks. In Figur 1ist der Umfang an dem kranken Knie bei a 41 cm, bei b 49 cm, bei c 36 cm, währenddie Maasse auf der gesunden Seite bei a 37.5, bei b 36.5, bei c 30.1 cm sind. Die Höhe hbeträgt rechts 20 cm. In Figur 2 sucht der Kranke mit dem affizirten Knie Stütze andem nicht affizirten Knie. In Figur 3 wird das rechte Bein von der Aussenseite gesehen,durch das Gewicht des Körpers weicht der Unterschenkel nach hinten aus.

1872/73

1874/75

1884/85

Herumziehende Schmerzen im Körper.

Diagnose auf Tabes gestellt.unterscheiden.

Kann mit den Fingern rauhe von glatten Gegenständen nicht

Unsicherer stampfender Gang mit weit gespreizten Beinen am Stocke, denBlick auf den Boden gerichtet. Ataxie der Beine und Arme. BedeutendeAtrophie der linken Unterextremität, der linke Oberschenkel 4cm dünner alsder rechte, linke Hinterbacke stark abgeflacht. Erhebliche Einbusse der Sensibilität anden Fusssohlen und den Fingerspitzen. Hier Analgesie. Sonst die Sensibilität ziemlichgut erhalten. Herabsetzung der elektrischen Erregbarkeit nur am linken Bein. (KeinePrüfung auf qualitative Veränderungen der Erregbarkeit.) Westphal'sches Zeichen.Kein Klappenfehler. Periodisch auftretende Anfälle von nervösem Husten mitOhnmachtsanwandelungen, in welchen der Kranke oft bewusstlos umgefallen sein soll(Bronchokrisen). Blasenschwäche. Schmerzhafte Muskelzuckungen in den Beinen.Kein Gürtelgefühl. Patient behauptet, dass die Schmerzen während des ganzen Krankheits-verlaufes immer erträglich und niemals besonders heftig gewesen seien.