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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Band Vit.

ti. Abschnitt: Nervöse Erkrankungen nach ßutir.

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Zweiter Abschnitt.Nervöse Erkrankungen nach Ruhr.

V o r b e m e r k u n g.

Einen Fall von Paraplégie nach Ruhr beschreibtausführlich Fabricáis Hildanus. Von da ab findensich in der Litteratur, wenn auch immer noch sparsamgenug, wiederholt Beobachtungen ähnlicher Art. Umdie Mitte des vorigen Jahrhunderts thut der Lähmungennach Dysenterie Ph. 0. Fabricius Erwähnung, welchersie in gekreuzter Form beobachtete. Zimmermann,der bekannte Geschichtschreiher der Dysenterie, sahParalysen der Zunge und der Unterextremitäten, Ma-cario eine Paraplégie neben grosser Empfindlichkeitder Unterextremitäten gegen Berührung, Fraser eineLähmung aller vier Extremitäten, welche sich nach vor-aufgegangenen Schmerzen im Rectum und in den Nates,einem tauben Gefühl in der linken Hüfte, Kribbelnin den Fingern langsam, zuerst in den Beinen, dannauch in den Armen, einstellte und erst nach l 1 /-' Jahrenheilte. (Leyden.) Pidoux beobachtete bei Gelegenheiteiner Epidemie eine wenig gekannte Lokalparalyse dessphincter ani und der tunica muscularis recti. (Jung.)Ueber Ruhrlähmungen und ihre Behandlung mit Nux vomicaschrieb Delioux de Savignac. Von ihm rühren auchdie ersten und einzigen positiven pathologisch-anatomischenBefunde am Central-Nervensystem nach diesen Lähmungenher. Er fand einmal eine vermehrte Konsistenz, ein anderesMal Erweichung des Rückenmarks in der Hals- und Lenden-anschwellung. Durozier sammelte nach der AngabeJung's aus der Bouillaud'schen Klinik 10 Fälle vonInnervationsstörungen nach Dysenterie, in denen fünfmalparalytische Schwäche in den Beinen, einmal in den Händen,einmal inkomplete Hemiplegie der rechten Seite vorhandenwar.Moutard-Martin terichtet von einem 43jährigenManne, der in Folge starker Durchfälle in das Hospital auf-genommen wurde. Die Entleerungen nahmen bald dendysenterischen Charakter an und dauerten ungefähr sechsWochen. Hierauf bekam Patient heftige Schmerzen inden Füssen, die mit unerträglichem Kribbeln und grosserSchwäche in den unteren Extremitäten abwechselten. Das

linke Bein war schwächer, und waren auch die Schmerzenin demselben grösser. Dabei war trotz der Schmerzen dieHaut gegen Nadelstiche unempfindlich. Lähmung der Blaseund des sphincter ani. In den oberen Extremitäten keineStörung. Nach drei Monaten besserten sich die Sensibilitäts-störungen, und eine Woche später begann auch die Be-weglichkeit sich herzustellen. Der Kranke verliess nachvier Monaten die Anstalt, konnte aber nur auf Krückengehen." (Jung.) In einem Vortrage über Reflexlähmungens. Sammlung klinischer Vorträge von R. Volkmann No. 2giebt Leyden die Krankheitsgeschichte eines Mannes, beiwelchem in einem vorgeschrittenen Stadium der Dysenterieeine unvollständige Lähmung der Unterextremitäten mitSchwellung und Schmerzhaftigkeit der Kniegelenke ent-standen war. Leyden versuchte nach dem Entwickelungs-gange der Krankheit die nervösen Afifektionen durch eineNeuritis migrans descendens und ascendens mit dem Aus-gangspunkte von einer Ulceration in s. romanum und demUebergreifen auf die Rückenmarkshäute zu erklären. ImAnschluss hieran präzisirte er seine Anschauung über diesogenannten Reflexlähmungen dahin, dassdie Entstehungeigentlich reflektorischer Lähmungen durch das physiologischeExperiment wahrscheinlich gemacht, durch die pathologischeBeobachtung aber noch nicht genügend erwiesen sei, unddass die häufigste Art der Entstehung ohne Zweifel aufdie fortkriechende Nervenentzündung zurückzuführensei, welche eine den Nerven und selbst dem Rückenmarkeeigenthümliche Erscheinung bildet." Derselbe Autor er-wähnt S. 226 Band II seines Lehrbuchs, dass in denRuhrepidemien des Krieges 1870 bis 1871 mehrfachLähmungen beobachtet, aber genauere Untersuchungendarüber nicht bekannt geworden seien. Sie sollen vor-wiegend in gekreuzter Form vorkommen. Gegenüber derErklärungsweise Ley den' s und seiner Schüler wird vonAnderen, namentlich von Schultze, betont,dass bei densogenannten Reflexlähmungen die eigentliche krankmachendeUrsache, z. B. das dysenterische Gift, sehr wohl von den