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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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Band VIL

I. Abschnitt: Nervöse Nachkrankheiten des Abdominaltyphus.

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XI. Trophische Störungen der Haut und der Weichtheile.

Beil, Beau und Vogel haben Veränderungen an derHaut und deren Adnexen nach fieberhaften Krankheitenbeschrieben. Dahin gehören das Ausfallen der Haare, dieGlanzlosigkeit der Nägel, ihre Querfurchung und leichteßrüchigkeit. Reus s sah in zwei Fällen nach Typhus cir-kumskripte Atrophie der Haut mit Verminderung der Sensi-bilität an diesen Stellen. Bouchut erwähnt eines Pem-phigus nach Abdominaltyphus und Astegiano einer weitverbreiteten halbseitigen Geschwürsbildung, für welche sichpost mortem eine Atrophie des Sympathikus vorfand. Seidelbeobachtete umschriebenen Pigmentschwund auf der linkenWange, Stirn und Nase eines vom Typhus genesenenKindes. Umgekehrt fand Litten bei einem 25jährigenMädchen in der Typhusrekonvaleszenz eine Ablagerungbrauner bis schwarzbrauner Flecken in der Haut, welcheer von einer Läsion des Sympathikus abhängig denkt.Aehnliches nahm Krocker wahr. Die Stecknadelkopf-es linsengrossen Pigmentflecke von theils hell- theilsdunkelbrauner Farbe verbreiteten sich schubweise vomGesichte über Bumpf und Extremitäten. Krocker hältes für wahrscheinlich,dass die durch Anämie gesetzte Er-nährungsstörung die eigentliche Veranlassung der Pigment-bildung ist, und dass der vorausgegangene Typhus nur da-durch, dass. er Anämie herbeiführt, indirekt die Ursacheauch zur Pigmentbildung wird". Eine symmetrischellautpigmentirung, wie Le win 's in der Gesellschaft derCharité-Aerzte zu Berlin vorgestellter Kranker sie zeigte,spricht zu Gunsten nervösen Ursprungs.

An dieser Stelle verdient auch eine Beobachtungvon symmetrischer Gangrän der Füsse Erwähnung,welche in einem Feldlazareth während des Krieges beieinem Typhusrekonvaleszenten zur Doppelamputation führte.Der Amputirte starb. Es ist nicht unmöglich, dass beiderartigen Fällen durch spastische Kontraktion eine Ge-fässverschliessung zu Stande kommt, welche zum Brandeführt. Dem Verfasser ist ein ähnlicher Fall bekannt ge-worden. Ein Typhuskranker, bei dem ausgesprocheneHerzschwäche bestand, bekam in der 6. Krankheitswocheein Rezidiv und erhielt von Neuem Vollbäder von 15° R.,b' im Laufe des Tages. Alsbald stellten sich in beidenFüssen im Gebiete sämmtlicher Zehen heftige Schmerzenein. Zwei Tage nachher zeigten sich in den schmerzhaftenPartien kirschrothe Flecke, welche allmälig eine dunkle,später eine blauschwarze Färbung annahmen. Es bildete

sich in sämmtlichen Zehen eine Brandform aus, die in derMitte zwischen Mumifikation und Gangraena húmida stand.Nach Exartikulation der Zehen genas der Kranke. WelcheSchuld hatte hier der durch die kalten Bäder auf die Vaso-konstriktoren ausgeübte Beiz an der Entwickelung dersymmetrischen Gangrän bei der gleichzeitig vorhandenenHerzschwäche?

Eine sehr eigenthümliche und äusserst seltene Beob-achtung von Decubitus acutus im Verlaufe eines Typhuswurde im 4. Feldlazareth VII. Armeekorps gemacht. Am7. Oktober 1870 ging ein typhuskranker Soldat, NamensR., zu, cyano tisch, pulslos, eiskalt, vollkommen be-wusstlos. Man gab ihm Kampher, Sherry, hüllte ihn inDecken und legte ihm Wärmkrüge an. An den Zehenund den Fussrücken zeigten sich verdächtige blaue Stellen,sie wurden mit Spiritus eingerieben. Der Puls hob sich,das Sensorium wurde freier, die trockne Zunge feucht.Nun zeigte sich eine Neigung zu Decubitus, dernicht zu begegnen war. An den Schulterblättern,Ellenbogen und sämmtlichen Fingern, an denHüftbeinkämmen, den Trochanteren und Knieen,am Kreuzbein, ja sogar über den Rippen und anden Bauchdecken traten Decubitalgeschwüre auf.Demnächst stellte sich Kontraktur in den Beuge-muskeln sämmtlicher Finger ein. in der Nacht vom5. zum 6. November veränderte sich der Zustand desKranken, der noch kurz vorher mit dem wachthabendenWärter gesprochen hatte, ganz plötzlich. Am nächsten Mor-gen sprach er nicht, verdrehte die Augen, hielt die Kiefernfest zusammengepresst, die Gesichtszüge waren verfallen,er schielte. Die Decubitusstellen, welche an den vorauf-gegangenen Tagenschöne" Granulationen getragen hatten,sahen inissfarben, schlaff aus und waren an den Rändernzum Theil unterminirt und jauchig. Noch an demselbenTage starb Patient. Eine Untersuchung des Nervensystemsnach dem Tode wurde nicht vorgenommen, im Darm fan-den sich in der Verheilung begriffene Typhusgeschwüre.Es liegt der Gedanke nahe, dass es sich um einen septischenProzess mit multiplen Embolien gehandelt hat.

Eine übersichtliche Darstellung sämmtlicher in derKasuistik näher beschriebenen Krankheitsfälle nach Art,Dauer und Ausgang ist in der nachstehenden Tabelle ge-

geben.

(Siehe nächste Seite.)