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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
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Band Vil.

I. Abschnitt: Nervöse Nachkraiiklieiten des Abdominaltyplms.

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bar in ein fibröses Gewebe umgewandelt, in welchem nur sehrwenige gelblich braun gefärbte Muskelfasern sichtbar sind. Fastein Gleiches gilt vom pectoralis minor dieser Seite und denbeiden gleichnamigen Muskeln der linken Seite, sowie vomserratus anticus major dext. Einen ähnlichen, doch nicht ganzso starken Schwund zeigen die m. rhomboidei beiderseits, dietrapezii, die supinatores longi.

Eingang zum Kehlkopf stark geröthet und gewulstet. Anbeiden Stimmbändern tuberkulöse Geschwüre; das rechte liga-mentum vocale durch eiue tiefe Ulceration fast gänzlich zerstört.Die Geschwüre sehen wie ausgefressen aus, im Grunde und anden Rändern sitzen Tuberkeln und aus der Tiefe des einen Ge-schwürs ragen mehrere Knorpelsequester hervor.

Luftröhre und deren Verästelungen lebhaft geröthet; ausden kleinen Bronchien tritt auf Druck ein eitriges Sekret.

In der Spitze der rechten Lunge liegen mehrere hasel- biswallnussgrosse ulceróse Höhlen mit eitrigem, etwas faulig rie-chendem Inhalt. Im Uebrigen ist die ganze Lunge durchsetztmit käsigen bronchitischen und peribronchitischen Herden,welche zum Theil frei, zum Theil in schiefrigen Indurationengelegen sind. Daneben frische und ältere miliare käsige Hepati-sationen, so dass im Organ nur sehr wenig lufthaltiges Paren-chym restart.

Die linke Lunge zeigt ebenfalls kleine Höhleu und massigausgedehnte käsige Erkrankungen; im Unterlappen noch ziem-lich viel lufthaltiges Gewebe.

Im Dünndarm zahlreiche tuberkulöse Geschwüre ; dieUlceration so weit vorgeschritten, dass an vielen Stellen derProzess kurz vor der Perforation steht. Bei leichtem Zugereisst der Darm an den geschwürigen Stellen ein.

Milz ziemlich stark vergrössert (16. 8. 3); Pulpa dunkel-roth, weich, Follikel gross und zahlreich.

Leber und Nieren zeigen keine besonderen Abweichungen.

Die rechte arteria subclavia ist an ihrer Durchtrittsstellezwischen Clavicula und costa prima auf einer Strecke von 4 cmverstopft. In der Umgebung dieser Thrombose besteht eineziemlich starke perivaskuläre Verdickung, die sich allmälig indie umgebenden Weichtheile verliert. Dabei ist das Kaliberan dieser Stelle des Gefässes etwas geringer als die unmittelbarnicht allein darüber-, sondern auch daruntergelegenen offenenAbschnitte. Beim Aufschneiden ergiebt sich, dass oberhalb derThrombose zwischen ihr und der arteria transversa colli dasStück der Subclavia frei, sogar leicht dilatirt ist. Aber ander fraglichen Stelle ist das Gefäss durch die fibröse Organi-sation des Thrombus in der angegebenen Ausdehnung voll-ständig obliterirt, oberhalb und merkwürdigerweise auchunterhalb der Obliteration endigt das Lumen stumpf becher-förmig. Die Gefässwandungen gehen ohne scharfe Grenzen indas fibröse Gewebe der obliterirten Partie über. Die Innen-fläche der Gefässabschnitte erscheint überall, auch kurz vor derObliteration, glatt und transparent. Die art. axillaris ist imoberen Theile frei, von normaler Weite. Die hier abgehendenAeste art. acromialis, thoracica superior sind auffallendweit, besonders auch die art. thoracica longa. Im Uebergangzur art. brachialis tritt in dem Gefässstamme eine nach untenrasch zunehmende Verengerung ein, und an der Theilungsstelleder brachialis ist das Lumen so eng, dass es kaum nachzuweisenist. Eine Abbildung dieser Gefässanomalien ist auf Tafel IVdieses Bandes gegeben.

Nach Härtung des Rückenmarks in Müller'scherFlüssigkeit zeigen die funiculi graciles an ungefärbtenDurchschnitten eine viel lichtere Färbung als der übrigeTheil der Hinterstränge. Die Ursache für diese Farben-differenz liegt in der stärkeren Entwicklung der inter-stitiellen Substanz. Wenn Aehnliches auch bei ganz nor-malem Rückenmark häufig beobachtet wird, so musste derErscheinung doch in diesem Falle eine grössere Aufmerk-samkeit gewidmet werden, da nicht allein der Farben-unterschied ein auffällig starker war, sondern auch ausser-dem der neuropatkische Charakter des ganzen Fallesden Verdacht auf eine Affektion des Rückenmarks nahelegte. Aus diesem Grunde wurden sorgfältige Färbe-methoden (Karmin, Hämatoxylin, Gold, Osmiumsäure,Anilinsehwarz etc.) vorgenommen. Alle diese Unter-suchungsmethoden ergaben dasselbe Resultat. Die Nerven-fasern im Bereiche der Graciles unterschieden sich in ihremganzen Verhalten den Farbstoffen gegenüber durch Nichtsvon den Nervenfasern der umgebenden Stränge. Ueberallin den Sonnenbildchen regelmässige Bildung der Axen-cylinder und Markscheiden. Diese Thatsache gewinnt in-sofern an Bedeutung, als man event, bei muthinaasslichentabischen Erkrankungen nicht vorsichtig genug in der Er-klärung solcher Befunde sein kann. Trotz der starkenEntwicklung des interstitiellen Gewebes zeigte die Piamater spinalis nirgends, auch nicht im Umfange der Hinter-stränge, irgend welche Verdickung.

Weder in den Vorderhörnern noch in anderen Re-gionen des Rückenmarks fand sich eine Erkrankung derNervenzellen vor. Auch die vorderen Wurzeln waren völlignormal. Ebenso Hessen sich Veränderungen in den ner-vösen Elementen der medulla oblongata nicht nachweisen.Von den Ganglien des Sympathikus fehlt rechts dasmedium, das infimum und supremum ist auffallendklein. Links erscheint das ganglion infimum etwasgrösser als rechts, aber doch noch kleiner als normal,auch das medium und supremum erreicht auf dieser Seitenicht die übliche Grösse. Die Stämme des Sympathikus sindrechts und links von reichlichem Fettgewebe eingehüllt undzeigen schon makroskopisch eine bedeutende Ver-dünnung gegenüber dem Stamme eines normalen Sym-pathikus.

Die mikroskopische Untersuchung wurde theils anfrischen Präparaten, theils an Präparaten, die in Müller-scher Flüssigkeit gehärtet waren, angestellt. Das Ergebnisswar das gleiche.

An einzelnen Stellen liegen dicht nebeneinander eineReihe ganz normaler Ganglienzellen, in anderen Regionensind alle Zellen insgesammt degenerirt. Sie erscheinenausserordentlich klein, stark geschrumpft und bilden un-regelmässig gestaltete, braun pigmentirte Körnerhaufen ohneKern und ohne Protoplasma. Die vorhandenen Zellresteliegen in auffallend weiten Kapseln, deren Wände eine

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