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VI. Kapitel: Erkrankungen des Nervensystems nach akuten Infektionskrankheiten.
Band VII.
Cerebralersoheinuugen massig. Die Temperaturen sind inZeichnung 9 graphisch dargestellt.
Am 5. Dezember fand sich die linke Femoralvenethrombosirt. Durch Bindeneinwickelung verlor sich das soentstandene üedem sehr schnell und war am 11. Dezember ver-schwunden. In der Rekonvaleszenz trat ziemlich rasch einegleichmässige Hypertrophie des ganzen linken Beines aufKosten der Muskeln ein. Der Umfang über den Malleolen be-trug am 13. Mai 1871 links 22, rechts 21cm, über der Wadelinks 38.5, rechts 34 cm, über dem Kniegelenk links 34, rechts32.5 cm, in der Mitte des Oberschenkels links 51, rechts 46 cm.
Die Motilität links bedeutend geschädigt, so dass schongeringe Bewegungen Ermüdung hervorrufen.
Mitte des Jahres 1873 war der Zustand unverändert.
gestellt werden auf eine Pseudohypertrophia etatrophia musculorum progressiva. Was das Wesendieser Erkrankung anging, so Hess sich schon aus demklinischen Befunde mindestens das sagen, dass sie nichtspinalen Ursprungs war, denn dagegen sprach die Lokali-sation der Muskeldegeneration, der elektrische Befund, diegeringe Symmetrie der Atrophie, besonders auch die durchfrühere anatomische Untersuchungen einer solchen Annahmewidersprechenden Erfahrungen. Aber erst als Erb imDeutschen Archiv für klinische Medizin, Jahrgang 1884,die wohl von allen Seiten empfundene Nothwendigkeiteiner schärferen Trennung der verschiedenen Formen der
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Zeichnung 9.
2. Dystrophia musiularis progressiva(juvenile Muskelatropliie).
Der Jahrgang 1872 der Berliner klinischen Wochen-schrift enthält einen Artikel von Hitzig mit der Über-schrift: „Ueber einen Fall von Hypertrophie eines Armes".Als Gegenstand des Artikels ligurirt ein Mann, welcherseine Erkrankung von einer Verletzung durch einen scharf-kantigen Gegenstand ableitete. Hitzig bemerkt zwar,dass der Patient am dritten Tage nach dem Trauma ander Ruhr erkrankt sei, lässt aber zur Erklärung desMuskelleidens dies Moment ausser Acht. Seiner Meinungnach handelte es sich um einen denAuerbach-Berger'schenanalogen Fall, also um echte Hypertrophie. Diese gingzufolge der Beschreibung mit einer Atrophie gewisserRumpfmuskeln einher, eine Kombination, von welcher indem bekannten Werke Friedreich's „Ueber progressiveMuskelatrophie etc." zwei weitere Beispiele zu lesen sind.
Der Zufall fügte es, dass im Jahre 1879 der KrankeHitzig' s auf dem Bezirkskommando Berlin zur militär-ärztlichen Untersuchung kam. Nach der Durchmusterungder Akten blieb nichts Anderes übrig, als sein Leiden aufeine während des Feldzuges durchgemachte Infektions-krankheit, am wahrscheinlichsten einen Typhus, zurück-zuführen. Mit Sicherheit konnte aber nun die Diagnose
Muskelatrophien begründete und aus dem Gewirre, in welchesdie Lehre von der progressiven Atrophie allmälig gerathenwar, jene zwei klinisch prägnant und leicht differenzirbarengrossen Gruppen, die „Amyotrophia spinalis progressiva"und die „Dystrophia muscularis progressiva", ausschied, wares möglich, dem Falle den gebührenden Platz anzuweisen.Besonders bemerkenswert!» erscheint derselbe durch dasSektiousergebniss, da es neben der Myositis, welchebei der juvenilen Form der progressiven Muskelatrophieals der einzige konstante Befund gelten muss, auf eineSympathikus-Erkrankun g hinauslief.
V. Im Oktober des Jahres 1879 suchte der ehemaligeKanonier der 4. Kompagnie Brandenburgischen Festungs-Artillerie-Regiments No. 3 (General-Feldzeugmeister) FriedrichBoye, fast 38 Jahre alt, unter dem Vorgeben, dass sein imFeldzuge 1870/71 erworbenes Leiden nunmehr seine Erwerbs-fähigkeit fast ganz aufgehoben habe, bei dem BezirkskommandoBerlin eine Unterstützung nach. Er stammte, wie er behauptete,von gesunden Eltern und Grosseltern, die ein hohes Alter er-reicht hatten, war von Hause aus kräftig und ohne Fehlergewesen und bis auf die Tage, aus denen sein jetziges Leidendatirte, von nennenswerthen Krankheiten verschont geblieben.Ausgehoben zu Berlin, trat er am 15. Oktober 1865 in denKöniglichen Heeresdienst, wurde am 1. Mai 1868 aus demaktiven Dienst zur Reserve entlassen, aber bei der Mobilmachung1870 zu seinem alten Truppentheile wieder eingezogen. Mitdiesem rückte er Anfang Oktober des ersten Kriegsjahres zurBelagerung von Paris aus, stark, rüstig und im Vollbesitze